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dritten Hauptziel dem oratorischen permovere besonders zu offenbaren hat. Denselben Vergleich finden wir de or. II 8, 34 qui enim cantus moderata oralione dulcior inveniri potest?
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Wie in der eben behandelten Stelle der Ausfall von suavi durch den Gleichlaut der neben einander stehenden Silben(suavi avis) veranlaszt wurde, so scheint ein ganz ühnliches Versehen Brut. 73, 254 obgewaltet zu haben. Brutus stimmt in das hohe Lob, das Cäsar in seiner Schrift de raltione Laline loquendi auf die anerkennendste Weise über Ciceros Verdienste um die lateinische Sprache ausgesprochen,*) vollkommen mit ein: Tum Brutus, amice hercule, inquit, et magnifice le laudalum pulo, quem non solum principem alque inventorem copiue dixerit, quae erat magna laus, sed etiam bene meritum de populi Romani nomine et dignitate, und führt dann fort: Ouo enim uno vincebamur a vicla Graecia id aut ereptum illis est aut nobis cum illis com- municatum. In diesem letzten Satz vermiszt man nun gar sehr die Hervorhebung der Haupt- sache, dasz es gerade Cicero gewesen, der diesen Sieg errungen. Denn den Einwand, dasz Cicero aus Bescheidenheit diese ausdrückliche Erwühnung seines Verdienstes unterlaszen habe, wird man doch Angesichts der gesamten Darstellung nicht erheben wollen; sonst hätte ja Ci- cero aus demselben Grund auch die Anführung des ruhmvollen Zeugnisses Cäsars vermeiden müszen. Er trägt aber beidesmal um so weniger Bedenken, seiner hohen Verdienste um die lateinische Sprache zu erwühnen, als ihm wirklich diese Verdienste Niemand mit Recht be- streiten konnte. Dabei wahrt er jedoch wenigstens formell streng das decorum, insofern er sich nicht selbst rühmt, sondern seine anwesenden Freunde seinen Ruhm verkünden lüszt und zwar wieder nach der Stellung der beiden Freunde etwas verschieden: der ältere Atticus spricht das hohe Lob Cäsars seinem Freunde nicht ins Gesicht, sondern zum beiderseitigen Preunde gewendet, so dasz Cicero nicht zu erröten braucht; für den jungen Brutus dagegen hat es gar nichts unziemliches, dem Meister selbst gegenüber in Cäsars Lob direct miteinzustimmen. Es liegt daher die Vermutung sehr nahe, dasz vor ereplum ursprünglich noch die Worte per te im Texte standen, zu deren nachmaligem Ausfall die gleichen Buchstaben des folgenden Worts ereptum die Veranlaszung gaben. Ein bedeutender äuszerer Grund für diese Emendation
probare) acumen, tertia(das movere) vim desiderat. Nam hoc necesse est, ut is qui nobis causam adiudicaturus sit, aut inclinatione voluntatis propendeat in nos, aut defensionis argumen- tis adducatur, aut animi permotione cogatur. II 43, 183 f. et hoc— tantam habet vim, si est suaviter et cum sensu tractatum, ut saepe plus quam causa valeat.
*) Brut. 72, 253 Qui(nämlich Cäsar) etiam in maximis occupationibus ad te ipsum(spricht Atticus zu Ci- cero gewendet) de ratione Latine loquendi accuratissime scripserit primoque in libro dixerit, verborum delectum originem esse eloquentiae, tribueritque— huie nostro— laudem singularem; nam scripsit his verbis, cum hunc nomine esset affatus: ac si„ ut cogitata praeclare eloqui possent, nonnulli studio et usu elaboraverunt, huius te paene principem copiae atque inventorem bene de nomine ac dignitate populi Romani meritum esse existimare debemus.


