Druckschrift 
[1] (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Einen äuszeren Stützpunct findet diese Annahme übrigens zugleich darin, dasz sich auch an anderen Stellen unserer Handschriften dergleichen Zusätze eines Erklärers, die in den Text nicht gehören, auf das deutlichste nachweisen laszen. Die hauptsächlichsten sind etwa folgende: 1) 7, 26 das von O. Jahn mit Recht aus dem Text ausgeschiedene Einschiebsela Graecisc, auf dessen Unstatthaftigkeit nach dem vorausgehendentestis est Gruecia Meyer zuerst aufmerksam gemacht hat; 2) 8, 30, wie O. Jahn richtig gesehen, der Zusatzin Aonore magno fuit eine Randbemerkung, die sich wahrscheinlich auf den zuerst genannten Sophisten Gorgias bezog und hernach(mit Beibehaltung des dann hier schwerlich zu rechtfertigenden Singularis) fälschlich in den Text gezogen wurde; 3) 15, 57 die Worteet de quo sit memoriae proditum, die gleichfalls O. Jahn mit vollem Recht als ein bloszes Glossem zu exstet gestrichen hat; 4) 15, 59 der schon von Schütz verworfene Zusatz, eius autem Cethegum medullam fuisse vult, der neben dem gleich darauf folgenden»ut quam deam iu Pericli labris scripsit Eupolis sessilavisse, huius hic me- dullam nostrum oralorem fuisse dixerit So unerträglich ist, dasz man sich wundern musz, wie ihm Orelli(um der grata neglegentia willen), Meyer und Ellendt die fernere Aufnahme ha- ben gestatten können; bei Jahn stehen die lästigen Worte nicht mehr; 5) 31, 120 das Glos- semid est ex vefere academia, das sich als solches schon durch seine Stellung:Ouo magis tuum Hrule iudicium probo, qui eorum id est ex vetere academia philosophorum seclam secu- lus es und als überflüszige Weisheit durch den gleich darauf folgenden Satz beweist. Um so auffallender ist die Beibehaltung desselben bei Orelli, während Meyer, Ellendt, Jahn die Worte ganz richtig aus dem Text entfernt wiszen wollen; 6) 34, 128, wo die handschriftliche Lesart die ist:Nam invidiosa lege Mamilia quaestione C. Galbam sacerdotem Gracchani iudices sustu- lerunt. Schon Ernesti nahm an dem doppelten so gestellten Ablativ Anstosz, und weder Meyers Constructionsversuchinridiosa quaestione lege Mamilia, noch gar Bernhardys Erklärung von quaestione als eines absoluten Ablativs nach Analogie von proscriplione, voforum nuncupa- lione oder hoc populo, hac contione, omni populo haben das gerechte Bedenken gegen die über- lieferte Lesart beseitigen können. Ellendt liesz daher mit Ernesti den einen Ablativquaestione weg lund schrieb blosz inridiosa lege Mamilia. Dagegen aber musz man Orelli beipflichten, wenn er inridiosa für ein viel paszenderes Attribut zu quaestione, als zu lege erklärt; und gegen die Interpretation: invidiosa quaestione ex lege Mamilia habita wäre nichts zu erinnern, wenn die Worte also lauteten. Nach Kaysers richtiger Annahme ist vielmehr,lege Mamilia eine Rand- bemerkung aus dem vorhergehenden§. 127rogatione Mamilia, weshalb auch Jahn in der zwei- ten Auflage seiner Ausgabe des Brutus die Worte lege Mamilia geradezu aus dem Text entfernt hat; 7) 38. 141, wo bereits seit Schütz die Wortecum verbis sententüisgue consentiens von al- len Herausgebern als ein nach dem vorhergehendencum sententis congruens iiberflüsziges und durch den Zusatzverbis noch dazu von Misverstand der Stelle zeugendes Einschiebsel betrachtet werden. Die Gestikulation des Redners Antonius war nicht so(das ist der Sinn der Stelle), wie sie uns zum öſftern bei ungeschickten Komödianten, bei herumziehenden Declamatoren oder de- mokratischen Schreiern begegnet, eine schlechte Wortmalerei, sondern bis ins Einzelne durch den Gedankengang und Inhalt bedingt. Ebenso sind 8) 60, 218 die Worte hinter facitcum