Druckschrift 
[1] (1860)
Entstehung
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abschreckenden actio gereichte indessen sein glänzender Stil beim Publikum sehr zur Empfeh- lung? Könnte diesz sprachlich so viel heiszen als:die stilistischen Vorzüge seiner Rede ver- deckten die Mängel seines Vortrags: dann wäre wol gegen den Ausdruck nichts zu erinnern. So aber laszen sich die Worte schwerlich interpretieren: der Ausdruckackionem eius(non salis pro- bandam) multum lamen et splendida et graudis commendabat oraliow Kkann höchstens bedeuten: seine glänzende Sprache machte auch seinen an sich nicht ansprechenden Vortrag beliebt, so dasz also die Zuhörer um der Vorzüge des Stils willen an dem Vortrag, der an sich nichts Gewinnendes hatte, groszes Wohlgefallen gehabt hätten. Das aber wird Cicero gewis nicht haben sagen wollen; eine besondere Virtuosität in einem besonderen Stück kann wol die Schwächen in anderen Beziehungen für den Augenblick weniger fühlbar machen, dieselben gan⸗z aufheben oder gar zu anerkennenswerten, beifallswürdigen Vorzügen steigern kann sie nicht: am wenigsten aber wäre nach antiker Anschauung der oratio ein so dominierender Einflusz auf die aclio einzuräumen:*) actio in dicendo una dominatur(de or. III 56, 213 ff.), wenn es auch da- bei bleibt, nulla re una magis oralorem commendari quam verborum splendore et copia(Brut. 59. 215). Es werden vielmehr an unserer Stelle die beiden Seiten, die Schatten- und Lichtseite des Redners M. Cälius nebeneinander gestellt: aclio eum non mullum, multum tamen commenda- bat oralio.

3.

Während in den bisher behandelten Fällen der Text durch Wiedereinsetzung ausgefallener Worte emendiert wurde, sind umgekehrt anderwärts ungehörige Bestandtheile, die sich wider- rechtlich eingeschlichen haben, aus demselben wieder zu entfernen. So ist 47, 175 nicht, wie O. Jahn will, eine Lücke anzunehmen, sondern die Lesart vielmehr durch Beseitigung der aus einer Randbemerkung entstandenen Worte zu berichtigen. Dicebal etiam heiszt es da L. Scipio non imperite, Gnaeusque Pompeius Sex. F. aliquem numerum obtine- bat. Dann fährt Cicero fort um gleichsam im Vorübergehen zu rechtfertigen, warum er die- sen Sohn des Cn. Pompejus Strabo anführe und nicht auch den andern, den Bruder des Gnaeus Pompeius, Nam Seglus frater eius praestantissimum ingenium contulerat ad s ummam iuris civilis et ad perfeclam geometriae et rerum stoicarum scien- tiam. Zwischen diesen letzteren und den folgenden Worten nimmt nun O. Jahn eine Lücke an und schreibt deshalb nach scienliam:ss et ante hos M. Brultus el paulo posl eum C. Billienus, homo per semagnus, prope simili ratione summus evaseral; qu: consul factus esset, nisi in Marianos consulatus et in eas petitionis angustias

*) Wie diesz auch Kayser in der Rec. von Jahns Brutus 2. Auflage N. J. B. 79. H. 12 S. 846 sehr richtig be- merkt; wenn er aber die hs. Lesart damit retten zu können glaubt, dasz er unter actio die Politik de- Cälius verstanden wiszen will, so wird man ihm darin nicht beistimmen können: actio kann der oratio gegenüber schlechthin in keinem andern Sinn als dem technischen(rhetorischen) genommen werden.