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So haben die Handschriften. Orelli und Ellendt meinten, der Fehler läge nur darin, dasz et von enim durch dicere getrennt werde, was sich erst viel spätere Schriftsteller erlaubten,*) bei Cicero aber schlechthin unzuläszig sei, und corrigierten daher einfach: sftudioso. Elenim dicere u. s. w. Aber gerade, wenn die Handschriften, wie es hier der Fall ist, eine so ungewöhnliche Stellung der Worte bieten, ist es doppelt bedenklich, so ohne weiteres die überlieferten Worte umzustellen. Dazu kommt noch, dasz das blosze„praesertim lam studioso“ ohne weitere nähere Bezeichnung geradezu unverständlich und daher von Cicero so allein gewis nicht gesetzt ist. Man ergänzte daher mei und Jahn hat nach Kaysers Vorschlag in der 2. Auflage seiner Ausgabe diesz Wort geradezu in den Text auſgenommen: 7e praesertim tam sludioso mei. Dicere enim etc. Dagegen aber bemerkt schon Ellendt mit Recht, dasz der ganze Zusammenhang dar- auf führe, vielmehr an Ciceros Bemühungen und Verdienste um die oratorische Ausbildung der Jüngeren, namentlich des Brutus zu denken; diesz aber auszudrücken reichen doch die Worte studioso mei nicht hin.— Brutus gehörte unter der jüngeren Generation zu den wenigen, auf die Cicero sein ganzes Vertrauen für die Zukunft setzte. Er interessierte sich daher auch für ihre wiszenschaftliche,**) insbesondere aber für ihre rednerische Bildung um so mehr, je bereitwilliger sich Brutus mit seinen Gesinnungsgenoszen in dieser Beziehung an den groszen Staatsredner anschlosz. Bei ihrer etwas idealistischen Richtung muszten sie in Cicero ihren gei- stesverwandten Meister sehen. Und wenn auch Brutus in einzelnen Puncten nicht immer mit Cicero einverstanden ist, im Ganzen war dieser doch nicht nur ihr Vorbild, sondern geradezu ihr Lehrer in der Beredsamkeit. Was Cicero in dieser Beziehung im J. 708 a. n.(46 v. Ch.)— demselben Jahre, in welchem der Brutus geschrieben ist— an Papirius Pätus schreibt ad. Fam. IX 16. 7: Hirkium ego et Dolabellam dicendi discipulos habeo,***) gilt noch mehr von Brutus, dessen Studiengang, scheint es, zum groszen Theil auf Ciceros persönlichem Rate beruhte. Er- wägt man diesz. so wird es wahrscheinlich, dasz Cicero seinem Brutus an unserer Stelle Worte in den Mund legt, die sich auf dieses Verhältnis beziehen, wie es Cicero selbst in dem gleichfalls 46 v. Chr. geschriebenen Brief ad Fam. IX 18, 1 F. näher andeutet: quod ut Dionysius lrannus, cum Syracusis pulsus esset, Corinthi dicitur ludum aperuisse: sic ego, sublalis indiciis, amisso regno forensi, ludum quasi habere coeperim.— Multa enim consequor; primum id, quod maæxime nunc opus est, munio me ad haec tempora;— deinde ipsa illa, si qua fuit in me, facultas orationis, nisi me ad has ewercitaliones retulissem, exaruissel. Cicero beklagt es, dasz Brutus durch die unglücklichen politischen Verhältnisse, in Folge deren die öffentliche Rede so gut wie verstummt sei, der Gelegenheit beraubt werde, die glänzend begonnene Laufbahn wei- ter zu verfolgen und so auch zu ernten, Was er gesäet habe. Darauf erwidert nun Brutus die oben angeführten Worte: so sehr er auch im Allgemeinen in die Klage über die politischen
*) Hand Tursell. T. II n. 545 Recentissimi quidem scriptores distracto nomine diæerunt et-enim, non antiquiores- etiamsi igitur in Bruto codicum auctoritate confirmetur, tamen librariis tribuendum esft. 1
**) Vgl. Brut. 87, 300.
—) Vgl. d Fam. I 18, 1 ff. Sueton. de clar. rhet. c. 1.


