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lichen Studien untreu zu werden, durch die man sich allein über die Stufe der Mittelmäszigkeit zu erheben vermag. Wir wiszen, mit welchem Nachdruck Cicero schon zehn Jahre zuvor in seinen Büchern de oratore hervorgehoben hat, dasz Niemand ohne eine höhere universale Bil- dung durch griechische Literatur und Kunst ein wahrer Redner werden könne. Das hatte Bru- tus beherzigt(31, 120; 97, 332) und zu dem Ende in Athen nicht nur den Unterricht der besten griechischen Lehrer der Beredsamkeit genoszen, sondern ganz besonders auch, gewis auf Cice- ros Empfehlung, die für den Redner zo wichtige akademische Philosophie studiert.„Wozu aber— fragt Cicero, indem er sich gleichsam zur Vorbereitung auf den Schluszsatz mit einbe- greift— all diese höheren Studien, wenn wir nur der groszen Mehrzahl der Redner gleich sein wollen, das heiszt, wenn wir über die Mittelmäszigkeit nicht hinaus wollen; denn wahrhaft grosze Redner sind stets so sehr in der Minderzahl gewesen(36. 137; 78. 270; 87, 299), dasz sich aus jeder Periode der Geschichte der römischen Beredsamkeit kaum ein paar aufführen laszen, die diesen Namen in Wahrheit verdienen: Galba vor allen, dann sein älterer Zeitgenosze Cato und unter den jüngern Lepidus und Carbo: die beiden Gracchen nur beschränkter Weise; in der Periode der allmäblichen Vollendung Antonius Crassus, Cotta Sulpicius Hortensius. Da- mit soll jedoch zu guter letzt nur gesagt sein: trotzdem dasz die unaufhörliche Anstrengung, das Rennen und Laufen,(wie diesz nun einmal dem, der für den ersten gilt, eben dieser seiner hervorragenden Stellung wegen beschieden ist) gar mühsam ist, ich würde es dennoch für ein erwünschteres Losz halten, für den ersten angesehen, als unter die grosze Mehrzahl gerechnet zu werden! Und so soll auch Brutus Streben darauf gerichtet sein und bleiben,(wie einst Pe- leus seinen Sohn beim Abschied ermahnte Hom. Il. 1 784) èν dοςσεdεtv ²α ⁶υeeioοeνον B-ενιε vι ⁴ν(Vgl. Cic. de or. II 20, 85 ff.).
Wahrscheinlich aber wollte Cicero noch einen weiteren Sinn mit den Worten verbunden haben und liesz sie darum absichtlich etwas unbestimmt, indem er weder die contentio ac con- cursalio noch unus durch entsprechende Zusätze erläuterte; jede nähere Bestimmung dieser Worte würde die Möglichkeit, dieselben noch in einem andern weiteren Sinn zu verstehen, geradezu aufgehoben haben. So trübe auch nach Pompejus Untergang und Cäsars Sieg einem Manne wie Cicero der politische Horizont erscheinen muszte, alle Hoffnung auf„eine Wieder- herstellung der Verfaszung“ hatte er noch nicht aufgegeben. Die Entscheidungsschlacht in Afrika, der er mit solcher Spannung entgegensieht(3. 10), ist noch nicht geschlagen. Wie? wenn die republikanische Partei siegt? Ist es dann nach Ciceros Gedanken so unmöglich, dasz er, als ihr Haupt, wieder an das Ruder kommt; dasz er wieder nicht nur als der erste und einzige Redner und patronus gilt(— nach Hortensius Tod, den er schon bei dessen Lebzeiten überflügelt hatte, gibt es keinen ebenbürtigen Nebenbuhler mehr für ihn—), sondern auch zu den ersten im Staat, die an seiner Spitze stehen, gerechnet wird? Hätte Cicero solche Hoff- nungen nicht gehabt: er würde schwerlich in diesem seinem Brulus sich weder so wiederholt, (das Schweigen, das er sich auferlegt— 3, 11; 42, 157; 76, 166— wird immer wieder gebro- chen), noch in solcher Weise über die unglückliche Lage des Staates ausgesprochen haben (1, 4; 2, 6 f.; 6, 24; 42, 157; 71, 250 f.; 76, 266 und noch zuletzt 96, 328 ff.); die an Brutus


