I. Versuch einer Wiederherstellung der Schluszworte von Ciceres Brutus.
Bekanntlich fehlt in Ciceros Brutus der Schlusz und die überlieferten letzten Worte geben. wie sie da stehen, keinen Sinn. Es lautet nämlich der letzte Paragraph in den fandschriſten und demgemäsz in unseren Texten also: Nonne cernimus, rig singulis aetatibus binos ralores laudabiles constitisse? Galba fuit inter tot aequaltes unus egceltens. cur, quemadmodum accepimus, etl Cato cedebuat senior et qui temporibus illis qelale inferiores fuerunl, Lepidus posteu, deinde Carbo, nam Gracchi in con- lionibus multo faciliore et liberiore genere dicendi, qguorum tamen ipsorum ad aeltatem la us eloquenliae perfecta nondum fuit; Antonius Crassus,„os! Coftta Sulpicius Hortensius. Nihit dico amplius, tantum dico, si mihi acc* disset, ut numeruaren in multis, si operosa es! onltentio, magis opp or- tunorum***
Hier fehlt nun zunächst in dem Satz nam Gracchi bis dicendi das Verbum, das künftig wie- der an der rechten Stelle in den Text zu setzen sein wird. Es sind nämlich offenbar hinter conlionibus die Worte usi sun! ausgefallen, wie diesz nach vorausgehendem us in den Hand- schriften sehr oft geschehen ist; in der Regel gab das übliche compendium scripturae dazu die Veranlaszung, wonach im vorliegenden Falle die Worte so geschrieben wurden: mρνννμ 1.— Sodann weist die Lesart der besten Handschriften acconcursatio(ac concursatio) mit Bestimmt- heit darauf hin, dasz hinter operosa es! ursprünglich ein synonymes Substantivum gestanden hat, das demnach gleichfalls wieder in den Text aufzunehmen ist, nämlich conftentiw, das (wie wir hernach sehen werden) dem Sinn der Stelle vollkommen entspricht und bei Cic. ad Fam. I 1, 3 ebenso mit concursatio in ähnlicher Bedeutung verbunden ist:„Libonis et Hypsaei non obscura concursalio et conlentio omniumgue Pompei familiarium studium in eam rem opinionem adduæerunt, ul Pompeius cupere videtur“, wo das Rennen und Laufen, das angestrengte. eifrige Bemühen der Pompejaner bezeichnet wird, vor allen anderen dem Haupte ihrer Partei den gewünschten Auftrag zur Wiedereinsetzung des Ptolemäus Auletes zu verschaffen. Ver- gleichen läszt sich auch Cic in Caec. der. 12, 37 efra hauce contentionem certamenque nostrum familiuriler lecum loquar.—
Doch mit diesen Verbeszerungen im Einzelnen ist für das Gesamtverständnis des Schlusz- satzes noch nichts gewonnen.— Ergäbe sich nun aus dem Gedankenzusammenhang die Wahr- scheinlichkeit, dasz hier ein Stück von gröszerem Umfang verloren gegangen sei, so wäre es unstreitig am geratensten, sich in das unabänderliche zu fügen und die überlieferten Worte einstweilen in ihrer gegenwärtigen Gestalt unverändert stehen zu laszen, bis etwa durch Auf- findung neuer Handschriften eine befriedigende Wiederherstellung des ursprünglichen Textes möglich würde. Dem ist aber entschieden nicht so. Im Gegenteil, sowol der ganze äuszere


