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Fortsetzung und Schluß (1862)
Entstehung
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als Hauptmann Engelhard mit ſeinen Soldaten und den Bürgern ihnen entgegentrat. Ein dreiſtündiges hitziges Gefecht entſpann ſich, das mit der Vertreibung der Angreifer endigte. Dieſelben ließen 28 Todte zurück, dem Lieutenant, der die Petarden angeſchraubt hatte, war durch eine derſelben die Hand abge⸗ ſchlagen worden. Engelhard hatte nur wenige Todte, er ſelbſt aber war verwundet, und etliche Bürger und Soldaten waren im Handgemenge unter dem Thore ſtark gequetſcht worden. Auch war nicht zu verhindern, daß der abziehende Feind zur Rache noch einige Gebäude der Vorſtadt in Brand ſteckte. Das Thor aber, das wegen der Aus⸗ und Einfahrt bisher nicht, wie die drei andern, beſchüttet geweſen war, wurde jetzt verrammelt und verwahrt ²⁹).

Mitten in dem Kriegsgewühle bietet uns das Jahr 1638 ein friedliches Intermezzo eigner Art. Dasſelbe ging von einer Regierung aus, die auch bei der allgemeinen materiellen Noth ſich der Sorge nicht entſchlug, der unter den Einwirkungen des Krieges einreißenden Verwilderung in Kirche und Schule möglichſt zu ſteuern. Auch in Alsfeld ſah es in dieſer Beziehung übel aus. Der Pfarrer Happel hatte nach und nach auch verſchiedene auswärtige Pfarrdienſte zu verſehen übernommen, bis er zuletzt fünf Kanzeln in und außer Alsfeld zugleich zu bedienen hatte. Als er ſich einem ſo ausgedehnten Dienſte an zum Theil ziemlich entlegenen Orten nachgerade doch nicht gewachſen fand, zog er auch den Rector und den Conrector der Schule zu ſolchen geiſtlichen Functionen zu. Dieſes führte indeſſen nicht nur zu arger Vernachläſſigung der Schule, ſondern auch zu Streitigkeiten unter den beiden Lehrern ſelbſt, die außerdem auch an ſich für ihr Amt wenig befähigt geweſen zu ſein ſcheinen. Die Schulzucht zerfiel, die Leiſtungen wurden ungenügend, insbeſondre ſchwand auch die Fertigkeit in der Muſik, in welcher jene Schule immer ihren Ruhm geſucht hatte. Mit der kirchlichen Zucht ſtand es nicht beſſer.

Landgraf Georg ſandte deshalb die Profeſſoren Feuerborn und Tonſor als außerordentliche Com⸗ miſſäre nach Alsfeld ab, und nach den Berichten und Anträgen derſelben ließ er unter'm 9. März 1638 eine Verordnung ergehen, aus welcher wir folgende Züge hervorheben ³⁰).

Den Präceptoren wird es verboten, fernerhin Pfarrdienſte zu verſehen; es ſollen ihnen dagegen zur Verbeſſerung ihres Gehaltes wo möglich Gärten angewieſen werden; die gegenwärtigen Lehrer ſind baldigſt auf Pfarreien zu verſetzen, für ihre Stellen ſind andre zu präſentiren, die dann von dem Pädagogiarchen zu Marburg einen Schulplan erhalten werden. Die Lehrer ſollen einig ſein und nicht in Gegenwart der Schüler ſich zanken; ſie ſollen die Schüler zum Gebete und zur Reinlichkeit anhalten, ſollen nicht ſich ſelbſt demVollſaufen ergeben, ſondern nüchtern erſcheinen, nicht ohne Hut und Mantel umherſchweifen. Sie ſollen der Knaben ingenia fleißig kennen lernen, ſich nach den Fähigkeiten derſelben richten und ihnen nicht zuviel auf einmal zu lernen aufgeben. Sie haben Alles, was die Knaben auswendig lernen ſollen, denſelben zuerſt mit lebendiger heller Stimme und mit Vormalung auf der Tafel genugſam zu erklären. In den castigationibus und Züchtigungen ſollen ſie nicht zu hart, ſondern

2⁰) Theatr. Europ. III. 810. Chorographie S. 173. Darmſt. Manifeſt von 1646 S. 13. Sinolt gen. Schütz an den Landgr., 2. Juli 1637, im St. A. Happel's Predigtfragment verlegt die Petardirung auf Mariä Lichtmeſſe, was ein offenbarer Irrthum iſt. Nach ihm ließen die Angreifer in die 40 Todte zurück. Jene Predigt wurde übrigens, was einen Gedächtnißfehler entſchuldigen läßt, erſt nach der Beendigung des Krieges gehalten.

³⁰) Fürſtliche Verordnung, die Kirchen⸗ und Schulbedienten zu Alsfeld betreffend. Mit Reſcript vom 13. März. Abſchrift im Rathsarchiv.