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Stadtraths an der Vorderſeite der Todtenkirche eingemauert. Dort erfüllt er die Stelle eines Denkmals jener braven That; ob aber gerade Scharch der Führer und der Bravſte unter den Braven war, wird freilich durch ſeinen Denkſtein nicht erwieſen ²⁰).
Dieſes iſt die einfache Darlegung des traurigen Ereigniſſes, wie ſie ſich aus den gleichzeitigen Quellen ergibt 2¹). Ganz unwahr hat Schwarz, und zwar ſelbſt mit Berufung auf das Kirchenbuch, den Vorfall in das Jahr 1646 verlegt und zu einer Epiſode der heftigen Belagerung gemacht, die Alsfeld in jenem Jahre auszuhalten hatte ²2). Schwarz iſt die Quelle aller folgenden ſchiefen Darſtellungen. Heldenmäßiger klingt es allerdings, wenn man die jungen Männer einen Sturm auf die Stadt abſchlagen, dem fliehenden Feinde in kühnem Eifer bis vor Ohmes nachſetzen und dort in einem Hinterhalte den Tod finden läßt; aber wahr iſt dieſe Erzählung nicht, deren weſentlicher Inhalt nach Schwarz auch in die Darſtellungen von Karl Dieffenbach ²³), Rommel ²⁴), Rehm ²²), Hild ²6) und Juſti ²*) übergegangen iſt. Die Vermengung zweier einander ganz fremder Ereigniſſe benimmt jedem von beiden ſeinen wirklichen Charakter. In dieſer unhiſtoriſchen Combination hat auch Henriette von Montenglaut in einem dramatiſchen Gedicht von auch außerdem ſehr zweifelhaftem Werthe den Stoff behandelt ²s).
Wenige Wochen nach dem Gemetzel von Ohmes ſchickte der Commandant von Ziegenhain, Oberſt Rabenhaupt, abermals Truppen über die Gränze. Dießmal war ein Handſtreich gegen Alsfeld ſelbſt im Werke. Drei Compagnien zu Pferd, begleitet von ziegenhainiſchen Bürgern und Bauern, ſollten denſelben ausführen. Am 2. Julius, frühe um drei Uhr, ſchlichen ſich dieſe Mannſchaften von Eudorf her in aller Stille an das Hersfelderthor heran, ſprengten dasſelbe mit Petarden und waren eben am Eindringen,
²⁰) Die Aufſchrift lautet: Ich Conrad Scharch meins Vatters Wonn Der Mutter Troſt ein einiger Sohn Zog aus dem Vatterland zu Ehrn Den Feinden an der Grentz zu wehrn Die wie die Dieb mit Mord und Brand Anfielen unſer Statt und Land Da aber Gott dem Feind verhengt Bei Ohmes ich mein Leben end Durch mein Heupt ich geſchoſſen tod Mein Eltern bracht ich Angſt und Noth Doch hatt ich mich vor wol bereit Und leb nun in der Seeligkeit Ob nun ſchon tobt die gantze Welt Hab ich doch Fried in meinem Zelt.
21)(Darmſtädtiſches) Manifeſt, darin kurzer und wahrhafter Bericht erſtattet wird ꝛc. Gießen 1646. S. 13.— Chorographie, S. 173, wo aber das Datum falſch angegeben iſt.— Kirchenbuch der Pfarrei Alsfeld.— Schreiben des Rentmeiſters Sinolt genannt Schütz an den Landgrafen vom 7. Juni 1637, ſowie verſchiedene andre Actenſtücke hierüber im Staatsarchiv, Abth. VIII, Abſchn. 1. Convol. 132.— Happel's Predigtfragment. 1
²2) Juſti's Heſſ. Denkwürdigkeiten, Thl. IV. Abth. 1, S. 131 ff. 23) Geſch. der St. Alsfeld, S. 47 ff.
2⁴) Geſch. von Heſſen, VIII, 703.
²⁵) Geſch. von Heſſen, II, 469.
²⁰) Militärchronik des Großh. Heſſen I, 75.
²⁷) Amalie Eliſabeth, Landgr. v. Heſſen, S. 141 f.
²⁸) Die neuen Spartaner. Darmſtadt 1814.


