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Fortsetzung und Schluß (1862)
Entstehung
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Das Jahr 1637 brachte neue Drangſale. Hungersnoth und Furcht vor dem Feinde trieb Schaaren von flüchtigem Landvolk in die Stadt. Andre drängten ſich mit ihrer Habe in einzelnen Dörfern zuſammen und verwahrten ſich daſelbſt, ſo gut es ging. In Alsfeld ſtarben in jenem Jahre allein zweihundert ſolcher Flüchtlinge ¹⁹).

Es war am 7. Junius, als auf einmal ein dringender Hülferuf der benachbarten Gemeinde Zell erſcholl. Starke niederheſſiſche Streifcolonnen aus Ziegenhain waren über die Gränze gekommen, hatten die nächſten Dörfer durchzogen und griffen nun das nothdürftig verrammelte Zell an, in welches ſie trotz des ihnen entgegengeſetzten Widerſtands eindrangen, um zu plündern und zu verheeren. Inzwiſchen ſchickten die Angegriffenen einen Boten über den andern hülfeſuchend nach Alsfeld. Daſelbſt lag nur eine einzige Compagnie zu Fuß unter dem Hauptmann Adam Engelhard. Sogleich wurde eine Abtheilung Soldaten unter dem Befehle eines Lieutenants und eine Schaar wehrhafter Bürger und Bürgersſöhne nebſt dem Ausſchuſſe des Schwalmgrunds, ſoweit er zu haben war, nach Zell hin in Bewegung geſetzt. Mittlerweile aber hatten die Niederheſſen das Dorf ſammt der Kirche ausgeplündert, Menſchen nieder⸗ geſchoſſen oder verwundet und gefangen genommen, Pferde, Rindvieh und Schafherden weggetrieben und waren eben auf ihrem Rückzuge nach der Gränze begriffen. Bei dieſer Wahrnehmung bog die Mannſchaft von Alsfeld rechts von ihrem Wege ab, um die Plünderer wo möglich noch zu erreichen und ihnen ihre Beute abzujagen. Zwiſchen Angerod und Ohmes ſtieß man mit ihnen zuſammen und gab Feuer. Aber der Feind war ſtärker und geordneter, überwältigte die Alsfelder, verfolgte die Verſprengten, die vereinzelt über das flache Feld flohen oder in einem nahen Buſche ein Verſteck ſuchten, und begann ein blutiges Gemetzel. Während man den Soldaten zuſchrie, daß ihnen Gnade gegeben werde, wandte ſich die Wuth deſto grimmiger gegen die Bürger und Bürgersſöhne. Viele wurden niedergehauen, ſelbſt an den Leichnamen noch ſuchte die Brutalität ihren Muth zu kühlen. Als der Feind ſich entfernt hatte, wurden Wagen voll Todter nach Alsfeld gefahren. Die Zahl der Bürger und Landleute, die an dieſem Tage in den Dörfern und auf der Wahlſtatt bei Ohmes fielen, geben amtliche Berichte auf mehr als hundert an, die der Alsfelder allein auf dreißig. Von den Soldaten fielen im Gefecht nur vier, zwanzig Mann aber wurden nebſt dem Lieutenant als Gefangene nach Ziegenhain abgeführt. Dorthin wurden auch die wenigen Bürger gebracht, die man am Leben gelaſſen hatte. Sie mußten ſich ſpäter um große Summen loskaufen. Nach Ausweis des Kirchenbuches wurden am nächſten Tage auf dem Kirchhof vor Alsfeld zweiundzwanzig, am folgenden nochmals vier Opfer ihrer treuen Pflichterfüllung zur Erde beſtattet. Es waren meiſt Leute im kräftigſten Jugendalter, aber unter ihnen iſt auch ein Jüngling von ſechzehn und ein Mann von funfzig Jahren zu erkennen. Zu ihrer Zahl gehört auch der zwanzigjährige Konrad Scharch, ein Bäckerſohn, dem ſpäter die Ehre geworden iſt, als der Führer des ganzen Zugs betrachtet zu werden. Gleichzeitige Nachrichten erwähnen von dieſer Stellung des jungen Mannes nichts; gewiß iſt nur, daß er unter Allen der einzige iſt, von dem ſich bis auf unſere Tage ein Leichenſtein erhalten hat, der vermuthlich von ſeinen Eltern ihm geſetzt worden iſt. Man hat denſelben zu Anfang dieſes Jahrhunderts unter dem übergewachſenen Raſen wieder aufgefunden und dann auf Anordnung des

¹6) Happel's Predigtfragment. Das bereits angeführte Tagebuch eines gießener Bürgers ſagt über die Hungersnoth Folgendes:Es war ein groß Theurung, daß viel Leut an etlichen Orten Hungers geſtorben und Hund und Katzen aßen, auch das verſtorbene Vieh. An etlichen Orten gingen die armen Leut mit dem Meiſter uff den Waſen und zankten

ſich um das Fleiſch. Ein Achtel Korn galt zu Gießen 7, auch 8 Reichsthaler, auch 9 Reichsthaler im Hüttenberg. Gott behüt uns ferner.