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ganzen nächſten Winter in ſchwediſcher Gefangenſchaft. Sobald auch die Kaiſerlichen das Land wieder verlaſſen hatten, befahl Georg, die Ernte zu beſchleunigen und das Getraide möglichſt nach Marburg und Gießen in Sicherheit zu bringen. Dieſer Befehl war theils durch die Rückſicht auf die landesherr⸗ lichen Zehnten und Pachten, theils durch den Nutzen der Landleute ſelbſt motivirt ¹⁰).—
Der Sieg Baner's bei Wittſtock(Sept. 1636) gab dem Kriege und den Geſchicken Heſſens einen neuen Umſchwung. Auch darmſtädtiſche Truppen hatten dort an der Seite der Kaiſerlichen und der Sachſen gegen die Schweden gefochten, und neue wurden erwartet. Heſſen⸗Kaſſel ſchloß jetzt einen Subſidienvertrag mit Frankreich, nach welchem es 7000 Mann zu Fuß und 3000 zu Pferd aufſtellte; die Schweden überſchwemmten nicht nur Kurſachſen und Thüringen, ſondern ſchoben auch ihre Vortruppen bis an die Fulda und die Schwalm.
Alsfeld war der äußerſte heſſen⸗darmſtädtiſche Ort nach Oſten hin. Am 8. December zeigte ſich der Oberſt Goldſtein mit 16 Compagnien ſchwediſcher Reiter und Dragoner und zwei kaſſeliſchen Fähnlein vor den Thoren der Stadt; er begehrte Einlaß, um Quartier zu nehmen. Die wehrhafte Mannſchaft unter den Bürgern war eben zum großen Theile abweſend, da man zahlreiche Fuhren nach Gießen zu bringen hatte. Der ſchwediſchen Aufforderung war die Drohung angefügt, die Stadt, wenn ſie die Thore nicht öffnete, in Aſche zu legen. Der darmſtädtiſche Rittmeiſter, der die Beſatzung befehligte, ritt mit der Erklärung hinaus, daß ohne Wiſſen und Genehmigung des Landgrafen dem Begehren nicht willfahrt werden könne. Sogleich warfen ſich jetzt die Schweden unter der Anleitung raubſüchtiger Bauern, die mit ihnen gelaufen waren, auf die offene Mainzervorſtadt und ſteckten mehrere Gebäude in Brand. Als die Bürgerſchaft ſich zur Wehr ſetzte, ließen ſie hier zwar ab, griffen dafür aber die mit eignen Mauern umgebene Obervorſtadt an und ſuchten das Thor derſelben mit Gewalt zu ſprengen. Doch auch hier empfing man ſie mit Entſchloſſenheit, und es gelang ihnen zwar Feuer anzulegen, bald aber wurden ſie mittels eines muthigen Ausfalls der Bürger und der Beſatzung zurückgetrieben und ließen zwanzig Todte und einen Gefangenen auf dem Platze. Auf der Seite der Vertheidiger wurde nur ein Bürger verwundet und ein Bauer erſchoſſen; in den beiden Vorſtädten aber brannten allein an zwanzig Wohn⸗ häuſer ab. Der Kampf hatte vier Stunden gedauert. Die Schweden nahmen ihr Nachtquartier in dem benachbarten Leußel, forderten die Stadt am folgenden Morgen unter großen Drohungen nochmals auf und erhielten zum zweiten Male die Antwort, daß man entſchloſſen ſei, ſich bis auf den letzten Mann zu wehren. Jetzt ſteckten ſie Leußel an, wo vierzehn Gebäude abbrannten, zogen dann über den Rodenberg nach Eudorf, äſcherten dieſes Dorf gleichfalls bis auf die Kirche und ſechs Wohnhäuſer ein und wandten ſich dann nach dem Stifte Fulda. Landgraf Georg hatte ſogleich auf erhaltene Nachricht von Gießen her Hülfe zu Pferd und zu Fuß abgehen laſſen; dieſe Truppen fanden indeſſen nichts mehr zu verrichten. Acht Tage vorher hatte man zu Alsfeld einen Mondregenbogen geſehen, und der fromme Glaube unterließ es nicht, dieſe Erſcheinung hinterher als ein beſonderes Gnadenzeichen zu deuten ¹).
¹) Eigenhändiger Befehl an den Rentmeiſter Sinolt gen. Schütz vom 12. Julius. Acten im Landgerichtsarchiv. ¹s) Theatr. Europ. III. 739. Chorographie S. 172. Happel's Predigtfragment.


