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Die Schlacht von Nördlingen und der durch ſie herbeigeführte Friede von Prag hatten zur Folge, daß Georg II jetzt auch ſeine Truppen für den Kaiſer in's Feld ſandte, während Landgraf Wilhelm von Kaſſel ſich nur um ſo inniger an Schweden anſchloß. Durch ihre Bundesgenoſſenſchaften traten ſo die beiden Stammvettern auch ohne directe Kriegserklärung in eine offenbar feindliche Stellung zu einander. Im Junius 1636 vereinigte ſich Wilhelm mit dem ſchwediſchen Feldmarſchall Alexander Lesle zum Entſatze von Hanau, der Vaterſtadt ſeiner Gemahlin Amalie Eliſabeth. Dieſe Stadt hatte ſich unter dem tapferen Ramſai ſeit neun Monaten gegen den von Darmſtadt unter der Hand unterſtützten Lamboi vertheidigt. Der ſchwediſch⸗heſſiſche Entſatz gelang vollkommen(13. und 14. Junius).
Bei'm Hinzug wie beim Rückmarſch des Entſatzheeres aber hatte das zweimal durchzogene Oberheſſen furchtbar zu leiden, weniger freilich durch die kaſſeliſchen Truppen, denen jede Plünderung verboten war, als durch die Schweden. Hierbei wurde Alsfeld zwar nicht unmittelbar berührt, deſto mehr aber zu den Lieferungen zugezogen. Schon am 12. Junius ging in Folge ſchwediſcher Requiſitionen und Brand⸗ drohungen von der Regierung zu Gießen den Aemtern Alsfeld und Romrod der Befehl zu, 30,000 Pfund Brot, 10 Fäſſer Bier, 12 Säcke Hafer und 2 Fäſſer Wein nach Butzbach zu liefern 44). Dem Lande überhaupt legte Lesle eine Kriegsſteuer von 190,000 Reichsthalern auf ¹⁵). Als der Feldmarſchall nach dem Entſatze von Hanau ſein Lager wieder bei Kirchhain hatte, erſchien bei ihm Georg's II Bruder Johann, um wegen einer Ermäßigung zu unterhandeln. Es gelang ihm, die Herabſetzung der urſprüng⸗ lichen Summe auf 100,000 Thaler zu erwirken, wovon ein Theil ſogleich in baarem Gelde oder Kleidungs⸗ ſtoffen und Koſtbarkeiten entrichtet, der Reſt aber unter Verbürgung der oberheſſiſchen Stände bald nachgezahlt werden ſollte. Als Geiſeln ſtellten ſich den Schweden der Erbſchenk Reinhard zu Schweinsberg und der Erbküchenmeiſter Georg Bernhard von Hertingshauſen. Schwediſche Officiere und Reiter wurden zur Beitreibung des erſten Zieles ausgeſandt; die äußerſte Gefahr ſtand auf dem Verzuge. Von Kirchhain aus, wohin die heſſen⸗darmſtädtiſche Regierung ſich begeben hatte, ging den Aemtern Alsfeld und Romrod unter'm 22. Junius der Befehl zu, unverzüglich 10,000 Reichsthaler als dießmaligen Antheil nach Marburg einzuſenden. Die beiden Beamten, Wilhelm von Schetzel und Chriſtoph Sinolt, genannt Schütz, remonſtrirten zwar gegen dieſe Auflage mit der Unmöglichkeit der augenblicklichen Leiſtung, aber ſie erhielten ſogleich erneuerten Befehl mit der Eröffnung, daß jede Zögerung das Land, das ſchon jetzt täglich einen Schaden von mehr als 2000 Thalern erleide, in das äußerſte Verderben bringen würde. In den Acten finden ſich weiter noch vom 25. und 27. Junius die dringendſten Einſchärfungen, die ſelbſt noch für den nämlichen Tag, oder wenigſtens für die nächſte Nacht die Lieferung anberaumten; eine ſpätere Aufzeichnung des Pfarrers Happel redet indeſſen nur von 5000 Thalern, die wirklich gegeben worden ſeien 16). Zum Glück wandte ſich Lesle bald gegen Stadtberge an der Diemel und wurde dann von Baner nach der Elbe abgerufen. Der von Georg II längſt ſehnlich erwartete und jetzt auch durch neue Truppen verſtärkte Feldmarſchall Götz fand in Oberheſſen, als er ankam, nichts mehr zu räumen und zog ſich verwüſtend durch Niederheſſen nach der Weſer. Durch ihn einſtweilen gedeckt, verbot Georg bei harter Strafe auch jede weitere Zahlung an die Schweden; die beiden Geiſeln blieben deshalb den
¹⁴) Acten im Landgerichtsarchiv zu Alsfeld.
¹) Präſident, Vicekanzler und Räthe an Wilh. Schetzel und Sinolt Schütz, Kirchhain den 22. Juni 1636. Im Landgerichtsarchiv.
¹6) Acten im Landgerichtsarchiv zu Alsfeld vom 22., 24., 25. u. 27. Junius.— Predigtfragment Happel's im Pfarrarchiv.


