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Alsfeld's Befreiung war alſo auch ohne jene 6000 Thaler theuer genug erkauft; dennoch feierte ſie nach der Schlacht von Höchſt ein frommer Gelehrter mit folgendem einfachen Chronoſtichon: DefenDebat nos DeVs a brVnsVICenslbVs 1¹⁰).
Auf dieſe Ereigniſſe folgte eine Reihe von Jahren, in welchen Alsfeld wenigſtens von feindlicher Ueberziehung verſchont blieb. Das Waffenglück der Ligue und der Kaiſerlichen ſpielte nicht nur den Krieg in ferne Länder, ſondern ſetzte Heſſen⸗Darmſtadt auch in den Beſitz der anderen Hälfte der marburgiſchen Erbſchaft ein. Selbſt nach der Schlacht von Leipzig wußte Georg II, Ludwig's V Sohn und Nachfolger, obgleich Heſſen⸗Kaſſel ſich enge an Schweden anſchloß, von Guſtav Adolph noch immer eine Art von Neutralität für ſeine Lande zu erwirken. Aber die allgemeinen Uebel, die ſich an die Ferſen eines weitverzweigten Krieges hängen, blieben darum nicht aus. Schon 1626 herrſchte eine große Theurung; in Gießen zahlte man im Frühling dieſes Jahres für ein Achtel Korn den hohen Preis von vier Königsthalern 11). Dann zog eine böſe Seuche durch das Land; 1633 ward wegen der Peſt die vor wenigen Jahren nach Marburg verlegte gießener Univerſität nach Gießen zurückverlegt. Aber zwei Jahre darauf brach auch in Gießen die Peſt aus; es ſtarben in Jahresfriſt daſelbſt 1503 Perſonen an dieſer Krankheit. Für Alsfeld war ebenfalls das Jahr 1635 verhängnißvoll. An manchen Tagen wurden 15 bis 16 Leichen zu Grab getragen, vom ganzen Jahre ſind im Kirchenbuche 560 Todesfälle ver⸗ zeichnet. Um das Verhältniß der Sterblichkeit zur Stärke der Bevölkerung einigermaßen würdigen zu können, heben wir, in Ermangelung andrer Anhaltspunkte, Folgendes hervor. Bei der Errichtung des Salbuchs von 1574, alſo 61 Jahre vor dem Peſtjahre, zählte Alsfeld 526 Bürgerfamilien 12). Nach der gewöhnlichen Berechnung würde dieſes eine Geſammtzahl von 2630 Seelen ergeben, und es würde alſo, ſofern die Zahl damals noch die gleiche war, über ein Fünftel der Bevölkerung hingerafft worden ſein. Es müſſen aber auch noch die angränzenden Kriegsjahre Opfer gefordert haben, die nicht im Verhältniſſe zur Geſammtzahl geſtanden haben; denn als im einundzwanzigſten Jahre nach dem Frieden(1669) eine amtliche Zählung vorgenommen wurde, fanden ſich im Ganzen nur 1676 Seelen in der Stadt ¹³).
¹⁰) Ueber Chriſtian's zweiten Zug ſ. Chorographie S. 171. Die Schadensberechnungen in den Acten des Staats⸗ archivs, Militaria, Convolut 24.
¹¹) Tagebuch eines Bürgers von Gießen(in Nebel's Nachlaß). ¹²) Salbuch S. 11 ff. ¹3) Acten im Staatsarchiv.— Zur Vergleichung theilen wir noch folgende Daten aus dem Kirchenbuche mit: im Jahr 1633 ſtarben 53 Perſonen, 1684„ 57„ 1635„ 560„ 1636„ 137„ 1687„ 160„ 1638„ 51„ 1639„ 37„ 1640„ 83„ 1641„ 121„ 1642„ 37„ 1646„ 123„ 5*


