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Chorographie— daß der Herzog mit den Uebrigen die Flucht geben müſſen und deßmals durch göttlichen Schutz die Stadt von ſolchem Ueberzug gerettet worden“ ⁶)..
Wenn nun aber weiter die Chorographie durch dieſes Gefecht bei Kirtorf ſogar den ganzen Rückzug Chriſtian's nach Weſtphalen veranlaßt ſein läßt, ſo legt ſie jenem geringen Scharmützel eine Bedeutung bei, die es in der That nicht hatte. Die Entſcheidung fand an einem ganz anderen Orte Statt.
Bei Anholt's Annäherung hatte nämlich Chriſtian ſeine Truppen enger zuſammengezogen, ſchlug zwiſchen Alten⸗Buſeck und Großen⸗Buſeck eine Wagenburg und campirte hier trotz der eingetretenen großen Kälte. Am 20. December ſtand Anholt etwa eine Stunde Wegs von ihm. Chriſtian gedachte ihn zu überfallen. Anholt aber hatte, noch ehe der Gegner zum Streiche kam, Plänkler in einen nahen Wald geworfen, ließ dieſe plötzlich hervortreten und gewann, während ſie ein Scharmützel unterhielten, Zeit genug, ſeine Haupttruppen heranzuziehen. Ein hitziges Gefecht entſpann ſich, in welchem dem Herzog das Pferd unter dem Leibe erſchoſſen und über hundert Mann getödtet wurden. Als Chriſtian ſah, daß er einen an Zahl überlegenen Feind gegenüber hatte, zog er ſich in guter Ordnung zurück, plünderte Amöneburg und die umliegenden Ortſchaften, ſteckte Neuſtadt nebſt zwei Dörfern und zwei Mühlen in Brand und ſetzte dann ſeinen Rückzug nach Weſtphalen fort, wo er unter fortwährenden Kämpfen und arger Aus⸗ plünderung der Bisthümer den ganzen Winter hindurch umherſtreifte).
Während dieſer Züge im Norden brachte der Herzog ſein Heer auf 12,500 Mann zu Fuß und 8000 Reiter und ſuchte dann, als der Frühling kam, zum zweiten Male ſeine Verbindung mit Mansfeld. Sein Marſch ging zuerſt an der Weſer aufwärts, dann wandte er ſich nach dem Eichsfeld und zog hierauf über Netra, Kreuzburg und Vacha nach dem Fuldiſchen, dem er eine Brandſchatzung von 40,000 Reichsthalern auferlegte. Abermals ſtand er jetzt an der Gränze von Heſſen⸗Darmſtadt, um ſeinen Durchmarſch nach der Wetterau und dem Main zu nehmen. Auch ſein fernerer Zug war von Gewalt⸗ thaten begleitet. Crainfeld und deſſen Umgebung wurden in Brand geſteckt. Am Mittag des Himmel⸗ fahrtsfeſtes(30. Mai 1622) erſchien Chriſtian vor Alsfeld, erzwang ſich Einlaß und blieb daſelbſt zwei Tage unter Plünderung und mannichfacher Bedrängniß der zurückgebliebenen Einwohner. Viele,— unter ihnen auch der erſte Bürgermeiſter,— hatten ſich mit Weib, Kind und dem Beſten ihrer beweglichen Habe nach Niederheſſen, namentlich nach Ziegenhain und Treiſa, geflüchtet; was ſie nicht hatten mitnehmen können, war unter der Erde vergraben. Dem Vicebürgermeiſter Balthaſar Stamm und einigen wenigen zurückgebliebenen Rathsherren blieb nun das traurige Geſchäft, durch eine Verſchreibung von 6000 Reichs⸗ thalern, die in Frankfurt gezahlt werden ſollten, den angedrohten Brand der Stadt abzukaufen. Nur die Niederlage, welche Chriſtian etwa acht Tage ſpäter bei Höchſt erlitt, rettete Alsfeld von der wirklichen Einzahlung auch dieſer Summe. Die Mahnbriefe, welche des Herzogs Kriegsſecretär ſelbſt noch zwei Monate ſpäter deshalb an den Rath gelangen ließ, blieben natürlich unbeachtet 8). Der Schaden aber, den die Stadt auch ſo ſchon durch Plünderung, Verheerung der Felder und Verwüſtung der Gebäude zu tragen hatte, war beträchtlich genug. Amtliche Erhebungen ſtellten ihn auf 76,700, den des geſammten Oberamts aber auf 177,154 Gulden feſt. Zudem war die Münznoth damals äußerſt groß ⁵).
6) Chorogr. S. 170. ²) Ueber Chriſtian's Zug und das Gefecht bei Buſeck ſ. im Allgemeinen Theatr. Europ. I. 555. s) Acten im St. A., Militaria, Convol. 27.
⁴)„1622 galt ein Reichsthaler 5 Gulden und ein Königsthaler 6 Gulden; ſonſt war ſchlecht Handgeld, hieß man Schaffhäuſer Geld. Ein 6 albus und 12 Heller Schaffhäuſer Gelder ſchwimmen auf dem Waſſer, ſo leicht ſind ſie.“ (Tagebuch eines Bürgers von Gießen. In Nebel's Nachlaß.)


