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Fortsetzung und Schluß (1862)
Entstehung
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33 mit uns hätte zu vergleichen. Bei Entſtändniß ſollen wir mit euch ebener Geſtalt als wie mit denen von Amöneburg procediren, möget derowegen ſonder fernere Advertentien euren Schaden, ſo ihr wollet, verhüten. Signatum Neuſtadt am 6. Decembris 1621. Chriſtian, H. z. B. ³).

Man denke ſich die Verlegenheit, die über den Vorſtand einer unvorbereiteten und wehrloſen Stadt durch ſolche Anmuthung gebracht wurde. Hinzuhalten, um Zeit zu gewinnen, ſchien hier das einzig Angemeſſene. Bürgermeiſter und Rath hielten daher den Trompeter zwei Tage zurück und antworteten dann durch die Feder des Rentmeiſters Chriſtoph Eckhardt in einer reſpectvollen, aber ausweichenden Vorſtellung. Man appellirte an die ununterbrochenen freundſchaftlichen Beziehungen der Häuſer Heſſen und Braunſchweig, ließ auch die heſſiſche Erbverbrüderung mit Sachſen und Brandenburg nicht unerwähnt, hob die Neutralität und Friedensliebe des Landgrafen hervor, den doch ein Mitreichsſtand allen Geſetzen und Friedensordnungen zuwider gewiß nicht werde angreifen wollen, und bat ſchließlich, weil des abweſenden Fürſten Weiſung ſo ſchnell nicht eingeholt werden könne, wenigſtens um eine Friſt von einem oder zwei Tagen ¹).

Dieſe Vorſtellungen hatten indeſſen keinen Erfolg. Noch an demſelben Tage erſchien ein zweiter Trompeter mit folgendem Schreiben:

Von Gottes Gnaden Chriſtian, Herzog zu Braunſchweig und Lüneburg ꝛc. Unſern gnädigen Willen zuvor, Ehrbare, Liebe, Beſondere. Euer Schreiben iſt Uns zurecht behändiget, haben daraus eure Meinung und Resolution mit Mehrerem verſtanden. Wann Uns nun ſolche Resolution mit nichten gefällig, viel weniger annehmlich, ſo iſt hiermit abermals und zum Ueberfluß Unſer gnädiger und ernſt⸗ licher Befehl, und wollen, daß ihr euch ſonder einig Aufenthalten anſehens dieſes erkläret und resolviret, was ihr zu thun gemeinet, oder nicht. Bei ſofern ihr euch aber nicht ründlich, wie befohlen, erkläret, ſollen Wir ohne einigen Aufenthalt morgen Mittags mit Unſerer Cavallerie und Fußvolk zu euch kommen, visitiren und derſelben bemächtigen, alsdann mit euch wie mit denen von Amöneburg hauſiren werden laſſen, wornach ihr euch zu richten und Schaden zu erinnern habt. Signatum ilends, Neuſtadt den 8. Decembris 1621. Chriſtian, H. z. B.)

Dieſe zweite Drohung verbreitete große Beſtürzung. Doch unterblieb zum Glück die Ausführung, weil die Aufmerkſamkeit des Herzogs ſofort auf einen andern Punkt gerufen wurde. Schon rückte nämlich der liguiſtiſche Oberſt Johann Jakob von Anholt mit ſeinen Baiern, zu welchen dann auch noch burgun⸗ diſche, mainziſche, würzburgiſche und heſſen⸗darmſtädtiſche Truppen ſtießen, vom Odenwalde her über den Main, um dem Braunſchweiger den Weg nach der Pfalz zu verlegen. Chriſtian zog ihm ohne Zeitverluſt entgegen und nahm eine Stellung im Buſecker Thale, unweit Gießen. Sein Vortrab ſtreifte bis zum Kloſter Arnsburg, dem eine gründliche Plünderung zugedacht war. Nur die gleichzeitige Annäherung der Baiern rettete die reiche Abtei, die jetzt mit dem Verluſte einiger ſchönen Roſſe davonkam.

Inzwiſchen hatte auch Alsfeld ſogleich nach Empfang des Drohbriefes ſich möglichſt zur Gegenwehr gerüſtet. Der Landausſchuß(Volksbewaffnung) aus den nächſten Dörfern war unverzüglich in die Stadt gezogen worden. Tags darauf traf auch der Ausſchuß von Ulrichſtein und Schotten ein, und weiter kam jetzt auch noch würzburgiſche Reiterei zum Beiſtand heran. Dieſe letztere ging auf dem Wege nach Neuſtadt vor und tödtete zwiſchen Kirtorf und Erbenhauſen den Braunſchweigern etliche Reiter,alſo ſagt die

³) Chorographie S. 167. ) Ebendaſ. S. 168. ) Ebendaſ. S. 170.