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XV. Aus dem dreißigjährigen Kriege.
Der unſelige Kampf, welcher drei Jahrzehnte hindurch faſt alle Theile Deutſchlands nicht lediglich um des Glaubens, ſondern vielfach auch um ſehr irdiſcher Intereſſen willen zerfleiſchte und entvölkerte, hat auch unſere Stadt nicht unberührt gelaſſen. Die Stellung, welche die beiden heſſiſchen Fürſtenhäuſer in dieſem Kriege einnahmen, war ganz vornehmlich auch durch ihren leidigen Streit über die marburgiſche Erbſchaft bedingt. Darmſtadt, vom Kaiſer begünſtigt und gehoben, ſtand auf des Kaiſers Seite; Kaſſel dagegen ſah ſich eben darum deſto ſtärker zu deſſen Gegnern hingezogen, um mit ihrer Hülfe theils drohende Verluſte abzuwenden, theils ſchon erlittene wieder zu erſetzen. So war das Verhältniß zwiſchen beiden Häuſern durchweg ein geſpanntes, zeitweiſe ſogar ein ganz erklärt feindſeliges, und zu den allge⸗ meinen Uebeln des Kriegs kam noch die beſondere Gereiztheit, welche einen Zwiſt unter Verwandten faſt immer begleitet.
Kaum hatte die Schlacht von Prag den böhmiſchen Krieg entſchieden und es galt nun, für den vertriebenen Friedrich, deſſen Königthum ein ſo raſches Ende erreicht hatte, wenigſtens den Beſitz der Pfalz zu retten, ſo ſah ſich auch ſchon Heſſen⸗Darmſtadt gerade durch das Beſtreben ſeines Fürſten, dem Kriege die Ausdehnung über die böhmiſchen Gränzen hinaus zu benehmen, mitten in die kriegeriſchen Bewegungen hineingezogen. Hatte Landgraf Ludwig V ſchon früher bei dem Convente zu Mühlhauſen zu Gunſten des Kaiſers gewirkt und dann auch den Vertrag von Ulm zu Stande bringen helfen, durch welchen die Union Böhmen den liguiſtiſchen Streitkräften Preis gab, ſo trat er jetzt nach Friedrich's Niederlage noch weit offener hervor, indem er im Namen des Kaiſers zu Worms erklärte, daß jede Unterſtützung des beſiegten Pfalzgrafen, ſelbſt in deſſen Erblanden, als Theilnahme an der böhmiſchen Sache angeſehen werden ſolle. Die Union raffte ſich indeſſen zu einem letzten unkräftigen Lebenszeichen zuſammen. Landgraf Ludwig ſetzte darum nur deſto eifriger ſeine vermittelnde Thätigkeit fort, bewirkte einen vorläufigen Waffenſtillſtand zwiſchen den unirten Fürſten und dem heranziehenden General Spinola, bewog den Markgrafen von Anſpach und den Herzog von Württemberg zur gütlichen Unterwerfung und führte ſo im April 1621 die gänzliche Auflöſung der Union herbei.
Um dieſelbe Zeit aber, wo der Landgraf dieſem Ziele ſchon ganz nahe war, zog noch eine unter den Oberſten von Kniphauſen und Blaſius für die Unirten geworbene Truppenſchaar durch das Land. Dieſelbe hatte die kurmainziſchen Aemter an der Ohm und der Eder heimgeſucht und war jetzt im Begriffe, aus dem mainziſchen Katzenberg in das fuldiſche Gebiet hinüberzuziehen. Hierbei mußte Alsfeld berührt werden. Die Unterhandlungen der landgräflichen Beamten mit den Befehlshabern führten. zu der Vereinbarung, daß gegen Verabreichung einer„ſtarken kalten Küche“ der Durchzug in aller Ordnung geſchehen ſolle. So ſehr nun auch dieſe Truppen mit allem Nöthigen verſehen wurden, ſo erlaubten ſie ſich doch nach der Weiſe der damaligen Soldatesca jederlei Unfug in der Stadt ſelbſt, und außerhalb verübten ſie noch Aergeres. Als der Amtmann Hans Philipp von Buſeck und der Oberforſtmeiſter Wilhelm Schetzel von Merzhauſen ihnen beim Weitermarſche das amtliche Geleit gaben, ward beim Mittagshalte in der Nähe von Bauerſchwend der Erſtere plötzlich erſchoſſen, Schetzel aber durch eine Kugel am Kopfe verwundet ¹).


