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Die theologiſche Doctorwürde hatte Schnabel von Wittenberg erhalten, und zwar jedenfalls vor 1532, wo er ſich bereits als Doctor unterzeichnet 24). Dieſe Würde war damals noch ſo ſelten, daß Schnabel ſchlechtweg nur„der Doctor“ genannt wurde. Als die theologiſche Facultät zu Marburg nach ſechsundzwanzigjährigem Beſtehen die erſte Promotion vornehmen wollte, beſaß ſie unter ihren eignen Mitgliedern keinen Doctor, der die Handlung hätte verrichten können, und es wurde daher Schnabel von Alsfeld aus zu dieſem Zwecke hinbeſchieden 25). Der damals Promovirte war Andreas Hyperius (1553).
Als Schnabel's Kräfte abzunehmen begannen, ward er 1541 des durch ſtete Reiſen beſchwerlichen Superintendentenamtes entbunden, das jetzt auf den gelehrten und geſchäftstüchtigen Johannes Piſtorius, Pfarrer zu Nidda, überging. In den letzten Jahren ſeines Lebens verlor Schnabel auch die Stimme und erhielt deshalb, unter Belaſſung ſeiner ganzen Beſoldung, einen Adjuncten in der Perſon des Schul⸗ rectors M. Juſtus Vietor, welchem neben einer aus dem Kirchenvermögen zu beziehenden Remuneration von 40 Gulden zugleich das Recht der Nachfolge zugeſichert wurde ²⁰).
. Schnabel ſtarb im dreiunddreißigſten Jahre ſeines Pfarramtes ²*). Sein jetzt nicht mehr vorhan⸗ dener Grabſtein in der Walpurgiskirche trug die einfache Inſchrift:„Anno 1559 d. 27. Septembr. obüt Thilomann Schnabel Doctor Theologiae Alsfeldianus“ ²s).
Unter den Beſitzwechſeln, welchen die geiſtlichen Güter in Folge der Reformation unterlagen, iſt hervorzuheben, daß die Güter und Renten der Auguſtiner und der Hof des Kloſters Haina dem Fonds der Landesuniverſität, die Gebäude der Auguſtiner aber dem ſtädtiſchen Hoſpitale zugewieſen wurden ²). Das Siechenhaus zu St. Eliſabeth und das Hoſpital zu den guten Leuten(oder zum heiligen Kereuze) gingen als beſondre Anſtalten nach und nach ein, und ſämmtliche Spitalgüter wurden zu einem Ganzen vereinigt, das in dem ehemaligen Auguſtinerkloſter ſeinen Mittelpunkt fand und von dem Stadtvorſtande verwaltet wurde. Die Güter des gemeinſamen Spitals umfaßten in der Folge über hundert Morgen Ackerland und etwa vierzig Morgen Wieſen. Bei einer Viſitation im J. 1680 ³⁰) ſagte ein geweſener Hofmann aus, daß er 60 Fuder Korn, 20 Fuder Hafer, 10 Fuder Gerſte und 24 Wagen Heu geerntet habe. Von Pfründnern befanden ſich damals vier im Reichen⸗ und ſechs im Armenſpitale, außerdem lagen zwei Kranke im Siechenhaus. Die Verpflegung im ſogenannten Reichenſpital geſchah nicht ganz
2⁴) Stat. eccles. Beil. No. 11. .2s) Wechſelſchriffen S. 61. Heſſ. Hebopfer, 41, S. 18. Auf dieſen Vorgang beziehen ſich folgende Verſe des Profeſſors Bachmann: Ut primum Doctoris honos hae Martis in urbe Theiologi voluit condecorare caput, Hue promotorem generosa Alsfeldia misit, Qui capiti inferret dulce decoris opus.
26) Haſſeneamp, Heſſ. Kirchengeſch. II. 541.
*⁷) Juſtus Vietor redet in ſeinem Epicedion von fünfunddreißig Jahren, und Viele ſind ihm hierin ohne Weiteres gefolgt. Dieſes ſtreitet aber gegen alle chronologiſche Data. Von der Synode zu Homberg bis zum Herbſt 1559 ſind 33 Jahre. Dieſe Ziffer wird auch ganz richtig von den Verfaſſern der„nothwendigen, ausführlichen Sperial⸗Wider⸗ legung“ angenommen.
²8) Chorogr. S. 7
²⁰) Die Schenkung für das Hoſpital geſchah ſchon 1532, die Urkunde darüber wurde nachträglich am 24. Jun. 1566, alſo kurz vor Philipp's Tod, zu Romrod ausgeſtellt.(Orig. im Rathsarchiv.)
3³⁰) Acten im St. A.


