Druckschrift 
Fortsetzung und Schluß (1862)
Entstehung
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21 cylinder, mit Zinnen und Spitze gekrönt, mochte jetzt für die Stadt eine weit beſſere Wehr und Warte bieten, als die alte Burg, die in geringer Entfernung davon ſtand und wahrſcheinlich von nun an ihrem Verfall ziemlich überlaſſen war. Von den Verheerungen des Sternerkrieges und der nachfolgenden Ritterbündniſſe, welche die Gegenden an der Lahn und an der Fulda ſo hart mitnahmen, blieb Alsfeld, ſoviel man ſehen kann, ſo gut als gänzlich verſchont.:

So wenig nun Alsfeld in jener Zeit von den Stürmen der Kriege unmittelbar berührt ward, ſo blieben dieſelben doch nicht ohne finanzielle Folgen. Die fortwäyrenden Händel mit den Nachbarn brachten den Landgrafen große Ausgaben, und die Geſchicke Alsfeld's ſind auch in dieſer Beziehung mit den Angelegenheiten ſeiner Herren mannichfach verflochten.

Schon 1350 hatte Heinrich II dem Grafen Philipp von Solms eine lebenslängliche Rente von 300 Pfund Hellern auf Alsfeld und Grünberg angewieſen ⁵³). Vier Jahre ſpäter kündigte er den Herren von Eiſenbach die Pfandſchaft von Merlau und Altenburg ſammt Zubehör, und Alsfeld hatte hierbei die Ablöſungsſumme von 5701 Pfund Hellern auf ſich zu nehmen ³). Im nächſten Jahre verpfändete er zur Verzinſung eines Dahrlehns, das ihm die Capelle zu Altenburg gab, 11 Pfund Heller aus ſeinen auf Michaelistag zu Alsfeld fälligen Renten ¹⁰); 1357 lieh er von den deutſchen Herren zu Marburg 200 Gulden, rückzahlbar durch den Pfarrer Stephanus, den Einnehmer ſeiner Gefälle in Grünberg und Alsfeld 11). Ueber dasjenige, was an ſolchen Belaſtungen noch etwa außerdem in dieſe ſieben Jahre fällt, oder was denſelben vorausgeht, liegen uns keine Nachrichten vor. Neben allen dieſen Leiſtungen aber hatten die Bedezahluugen nicht aufgehört, und es war daher gewiß ein Act wohlbegründeten Maaß⸗ haltens, als Heinrich am 23. Auguſt 1358 urkundlich zuſicherte, ſeine Lieben und Getreuen, den Rath und die Bürger zu Alsfeld, mit Beden und andern Abgaben vorerſt nicht mehr zu belaſten, ſondern gnädigſt darauf zu verzichten, bis ſie die für ihn übernommene Schuldenlaſt(suorum debitorum onera, quibus pro nobis opprimuntur) und die zu ſeinem Vortheil ausgeſtellten Verſchreibungen einigermaßen würden getilgt oder ausgelöſet haben ¹2). An demſelben Tage gab er auch unter beſonderer Anerkennung der ihm geleiſteten Dienſte die bereits oben angeführte Urkunde, worin er im Intereſſe der Gemeinde verſprach, auf Gegenſtände, die der allgemeinen Abgabepflicht unterlagen, fernerhin keine Sonderfreiheit zu ertheilen.

Es iſt nicht zu beſtimmen, wann der Zeitpunkt erſchien, wo die in Ausſicht geſtellte Schulden⸗ minderung als erreicht betrachtet werden durfte; gewiß aber iſt es, daß Alsfeld nicht lange mit neuen herrſchaftlichen Auflagen verſchont blieb. Zwar berührte es nicht zunächſt die Gemeinde, daß Heinrich II im Jahr 1365 30 Schillinge Turnoſe von ſeinem dortigen Zoll als Jahreszins für ein Darlehen an

worunter ohne Zweifel das Fulderthor zu verſtehen iſt. Gelehrten Verballhorniſtrungen haben in unſerer Gegend gar manche Ortsnamen eine ſcheinbare Veredlung zu verdanken. Ich nenne beiſpielsweiſe den Hubertusbrunnen leigentlich Hochwärterbrunnen) bei Gießen, die Pancratiusſtraße leigentlich Bangerts⸗ oder Baumgartengaſſe) in Darmſtadt und das Gethürms(urkundlich Gedörn) bei Alsfeld. Doch will ich mit dieſem allem nur Zweifelsgründe und keine Verwerfung ausgeſprochen haben, wie mir denn auch die Namensform Leiner eine vollſtändig dunkle iſt.

³) Beurk. Rechtsbeweis der dem hochf. Haus Heſſen⸗Darmſt. in dem gräfl. Hohen⸗Solmiſchen ſog. Oberamt Hohen⸗ ſolms zuſtändigen mitlandesfürſtlichen Hoheit. 1748. Beil. I.

²) Landau, Heſſ. Ritterburgen III. 383.

¹1⁰) Baur, H. U. 603.

¹¹) Hiſt. dipl. Unterricht v. des deutſchen O. Priv. Beil. 84.

¹²) Orig. im Rathsarchiv. Siehe Beil. II.