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XIII. Ueberblick der Geſchichte bis zur Reformation.
Wenn Alsfeld ſich mit dem Anſpruche begnügen muß, als Stadt nicht älter und nicht jünger zu ſein, als die meiſten Städte des alten Oberheſſens, für deren Gründungszeit im Allgemeinen das Ende des zwölften und der Anfang des dreizehnten Jahrhunderts angenommen werden darf, ſo gehörte es doch ſogleich bei ſeinem Erſcheinen ſchon unter die bedeutenderen und geehrteren Orte des Landes. Man könnte vielleicht auch ſagen, unter die glücklicheren; denn auswärtigen Angriffen iſt es ſelten und erſt ſpäterhin ausgeſetzt geweſen und hat dieſelben überdieß, wenigſtens vor dem dreißigjährigen Kriege, mit Erfolg zurückgeſchlagen.
Nach dem Erlöſchen des thüringiſchen Mannsſtammes ſogleich dem Hauſe Brabant zugewandt, hat die Stadt niemals einen andern als einen heſſiſchen Oberherrn gehabt und iſt niemals dauernd in fremdem Pfandbeſitze geweſen. Die ſpätere fuldiſche Lehnsherrlichkeit war eine leere, nicht in das Leben eingreifende Form. Die mainziſchen Prätenſionen, zu welchen zweimal im Stillen der Verſuch gemacht wurde, zuerſt nach Heinrich Raspe's Tode und dann bei der Thronbeſteigung Adolph's von Naſſau, den der Erzbiſchof zu voreilig für eine zu Allem willige Creatur genommen hatte, blieben beim Schmieden etlicher Urkunden ſtehen ¹), und Alsfeld iſt zu keiner Zeit auch ſelbſt nur der Form nach, wie Grünberg und Frankenberg, mainziſch geweſen. Einen Bürger der Stadt, den reichen Friedrich, nannten die Landgräfin Sophie und ihr Sohn Heinrich ihren Gaſtfreund; die Stadt ſelbſt trat mit ihnen, als es im Interregnum galt, den Landfrieden zu ſchirmen, nebſt Marburg und Grünberg in den rheiniſchen Städtebund. Ihre Lage an demjenigen Punkte, wo ſich die alte Landſtraße theilt, um in dem einen ihrer Zweige über Hersfeld nach Thüringen, in dem andern aber über den Spieß nach Niederheſſen weiter zu ziehen, wies ihr eine für die Zwecke des Bundes nicht zu überſehende Bedeutung an; für Heſſen ſelbſt ſtand ſie in der ſüdöſtlichen Landſpitze, die ſich zwiſchen ziegenhainiſches, hersfeldiſches und fuldiſches Gebiet vorſchiebt, auf der Wache. Daß ſie aber den Verkehr nicht allein ſchützte, ſondern auch neben ihrem Ackerbau thätig in denſelben eingriff, dafür möchten die Bracteaten ſprechen, die ihren Namen tragen und ohne Zweifel noch aus dem dreizehnten Jahrhundert ſtammen. Oberheſſiſche Münzſtätten aus jener Zeit finden ſich außerdem vielleicht nur noch in Marburg, Frankenberg und Grünberg ²). Die alsfeldiſche Währung wird auch in der Folgezeit in Urkunden oft erwähnt, und ſelbſt noch auf neuere Kirchenrechnungen hat ſich dieſer Name fortgeerbt. Der Gulden betrug 26 Albus oder 52 Kreuzer. Auch nach dem alsfeldiſchen Fruchtmaße ward in der Stadt und in der Umgegend gemeſſen.
Wenige Jahre nach Heinrich's I Tode gerieth ſein Nachfolger, Otto I, in eine Fehde mit dem Abte von Fulda. Weder das Jahr, noch des Gegenſtand des Streites iſt genau bekannt. Wahrſcheinlich aber iſt es, daß Beide weniger in eigner Sache, als zur Hülfeleiſtung für ihre beiderſeitigen Bundesgenoſſen
¹) Zu der im vorjährigen Programme S. 13 beſprochenen Fälſchung findet ſich in dem inzwiſchen erſchienenen zweiten Bande von Baur's Heſſiſchen Urkunden unter Nr. 2 ein Seitenſtück, das den dort von mir ausgeſprochenen Verdacht der plumpſten Täuſchung nunmehr zur vollſtändigen Gewißheit erhebt. Die Mainzer Richter geben nämlich daſelbſt im Jahre 1268 das Vidimus einer angeblichen Urkunde des Erzbiſchofs Ruthard von 1091, in welcher auch folgende Stelle vorkommt:„Adelesfelt, cuius proprietas cum jure patronatus ex donatione Cunradi palatini comitis Rheni ad prelibatum monasterium(S. Jacobi) pertinet.“ Die Fälſcher laſſen alſo hier den Pfalzgrafen eine Schenkung zu einer Zeit gemacht haben, wo er noch lange nicht geboren war.
²) Nebel(die heſſ. Münzſtätten im Mittelalter, im Archiv Bd. I. S. 93 ff.) dehnt ſeine Aufzählung auf alle dem jetzigen Umfange des Großherzogthums angehörigen Städte aus. Ich habe oben bloß die altheſſiſchen im Auge gehabt. Alsfeld aber hat Nebel als Münzſtätte nicht gekannt.
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