Druckschrift 
Fortsetzung und Schluß (1862)
Entstehung
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Alsfeld hatte in alten Zeiten zwei Hoſpitäler. Vor dem Hersfelderthore, unweit der Schwalm⸗ brücke, ſtand das Siechenhaus mit einer Capelle, ohne Zweifel gleich Anfangs der heiligen Eliſabeth gewidmet 16). Schon 1294 wird eine capella hospitalis extra muros erwähnt, welcher der Biſchof Manegold von Würzburg einen Ablaß verlieh ¹⁷); 1407 ließ der Magiſtrat bei allen Gläubigen zur Unterſtützung dieſer Anſtalt collectiren 1s), und 1410 wurde die alte Capelle durch eine neue erſetzt ¹). Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges war von derſelben nichts mehr vorhanden als ein zerfallenes Altärchen und ein ſteinerner Weihkeſſel. Jetzt ſind alle Spuren verſchwunden. Der zu dem Siechen⸗ ſpital gehörige Hof wurde zur Reformationszeit verkauft, um den Ertrag für die Armen zu verwenden.

Ein zweites Hoſpital, zum heiligen Kreuze, auch zu den guten Leuten genannt, war vor dem Mainzerthor gelegen. Es iſt von ihm wenig mehr bekannt als der Name ²¹).

Im Jahre 1523 bezog das Hoſpital St. Eliſabeth 7 Gulden an Capitalzinſen von der Stadt, das Haus zum heiligen Kreuze aber, ſoviel man ſehen kann, 8 oder 9 Gulden).

Im dreißigjährigen Kriege ſah man außerhalb der Mainzervorſtadt auch noch ein ſteinernes Bethaus, zu St. Loyen genannt, von welchem jetzt gleichfalls keine Spur mehr übrig iſt ²²).

Ein ſteinernes Pfarrhaus ward 1350 unter Beihülfe Heinrich's II erbaut ²2). Von einem eignen Schulhauſe findet ſich in der vorreformatoriſchen Zeit nichts bis zum Jahre 1508, wo ein ſolches gebaut wurdead laudem Dei, Mariae Virginis almaeque Walpurgis 24). Schulen und Lehrer aber hat die Stadt ſchon lange vorher gehabt ²5).

Das Patronatsrecht über die Pfarrkirche hatten die Landgrafen. Daß im 13. Jahrhundert von dem Kloſter St. Jakob und dem Domcapitel zu Mainz der vergebliche Verſuch gemacht wurde, ihnen dieſes Recht zuſammt dem Territorialbeſitze ſtreitig zu machen, iſt oben erwähnt worden. Die Fürſten von Heſſen behaupteten ſich in fortwährender Uebung. So beſtätigte Heinrich II alle in jener Kirche bereits beſtehenden oder noch zu ſtiftenden Anniverſarien und Vermächtniſſe pro remedio animarum und verbot den Pfarrern alle eigenmächtige Abänderung oder Verletzung ²26). Zur Stiftung des

¹6)Ich Nickel Hoffmann...... nachdem ich eyn bruder worden byn bei der heyligen frawen Sanct Elſabeth des hoſpitals vor Alsfelt gelegen.(Urk. v. 1502 im Rathsarchiv.)

¹1) Schmidt II. 431. Manegold war ein Oheim des Grafen Gottfried von Ziegenhain, des Schwiegerſohns Heinrichs des Kindes. Wenck II. U. B. 232.

¹s) Schmidt a. a. O.

¹⁰) Sie trug die Aufſchrift:Anno Domini M. CCCC. X. edificata est Capella ista in die Marci.(Chorogr.)

2⁰) 1394 kommt ein Johann Mergard vor, deretzwanne eyn geiſtlich brudir waz zu dem heilgen krucze zu Alsfelt. Er gibt dem Landgrafen Schafe, Wolle, Früchte ꝛc.,die ich habe zu deme heilgen krucze zu den guden luden zu Alffelt. (Baur, Heſſ. Urk. 820.) 1511 heißt es:zwey ſtuck landes gelegen hinder dem heilgen crutz vor Mentziſcher Thor. (Urk. im St. A.) Das Salbuch hat fol. 141:Item eynn garten bey den leyden(guten Leuten) h. Creutz an der Guunberger Straas.

) Verzeichniß im Staatsarchiv.

²²) Chorographie.Heinrich Thill hatt eynen gartten bey S. Loy.(Salb. fol. 129.)

) Stat. eccles. Beil. 33(im Pfarrarchiv).

²⁴) Chorogr. Stat. eccles. Sect. III.

26) 1270 ein rector scolarum(Baur, H. U. 96), 1296 ein Nicolaus rector parvulorum(Baur S. 218), 1318 ein Magiſter Heinrich von Grunenberg, Rector der Schulen zu Alsfeld.(Böhmer, Cod. M. F. I. 445.)

²⁰) 1347, Feria tertia post Ascens. dom. Orig. im Rathsarchiv.