Druckschrift 
[Beginn] (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

31

ver Bürger ohne obrigkeitliche Genehmigung hervorgegangenen consilia et magistros civium caſſirt ²). Trotz dieſer Verbote, die zum Theil in der augenblicklichen Stellung des Kaiſers zu den Landesfürſten ihre Erklärung finden, arbeitete der in den inneren Verhältniſſen wurzelnde Bildungstrieb ſich erfolgreich durch. Um die Zeit des Interregnums und des großen rheiniſchen Städtebundes haben gerade die bedeutendſten biſchöflichen Rheinſtädte, wie Straßburg, Speier, Worms, Mainz und Köln, ihre Rathmannen im Stadtregiment, und königliche und Territorialſtädte folgen ihnen hierin bald nach. Das Inſtitut der Rathmannen neben den Schöffen ward ein anerkanntes und geſetzliches, und dasſelbe findet demgemäß auch in den Urkunden ſeinen berechtigten Platz. Schon König Wilhelm von Holland ſchrieb 1255fidelibus imperii sculteto, scabinis, consulibus, militibus et universis civibus in Oppenheim ³); Frankfurt hat ſeine consules neben den Scabinen 1266), Friedberg 1279), Wetzlar 1286).

Gehen wir zu den heſſiſchen Städten über. Kopp ſagt:Die übrigen Schöppen(außer dem Bürgermeiſter nämlich, den er auch als einen ſolchen nimmt) hießen Consules. Daß dieſe und die Scabinen einerlei ſeien, iſt nicht nur anderwärts her bekannt, ſondern auch daraus abzunehmen, daß, wenn einer von dieſen Namen genannt iſt, der andere ausgelaſſen zu werden pflegt.... Werden aber beide Namen gebraucht, ſo ſtehen auch wohl die Scabini vor den Consulibus, zum klaren Beweis, daß dieſe gewiß nicht mehr als jene ſeien). Dieſem ſo allgemein hingeſtellten Satze vermag ich nicht beizutreten. Einräumen kann man zwar dem gelehrten Forſcher, daß, wo bis auf einen gewiſſen Zeitpunkt zuweilen der Name der consules ohne den der Schöffen vorkommt, die letzteren darunter verſtanden werden können, da ja auch den Schöffen die Theilnahme an der Berathung ſtädtiſcher Angelegenheiten zukam. Dieſes könnte z. B. noch 1264 auf Kaſſel paſſen, wo eine Urkunde beginnt: Nos Consules civitatis Casle ³), oder auf Frankenberg 1250, wo ein Act vollzogen wird testibus Henrico sculteto, Lodewico et Henrico fratribus, Conrado Ennere et aliis quam pluribus tam consulibus quam civibus in Frankenberch). Daraus folgt aber nichts weniger, als daß da, wo die consules neben den Schöffen genannt werden, ſie ebenfalls nur wieder die Scabinen ſeien; und es fruchtet nichts, aus der Reihenfolge der Aufführung beweiſen zu wollen, daß ſie jedenfalls nicht mehr als die Schöffen geweſen ſeien, ſobald nur, worauf es hier allein ankommt, beſtehen bleibt, daß ſie andere geweſen ſind als jene. Und dieſer Punkt ſteht feſt, wie ſich aus dem Folgenden ergeben wird.

Chronologiſch ſcheint in dem oben bezeichneten Entwickelungsgange Frankenberg die erſte Stelle unter den heſſiſchen Städten einzunehmen. Den magister civium finde ich dort ſchon 1293 und 1298 ¹⁰),

²) 1218.Nos nec posse nec debere in civitate predicti principis Basiliensis dare vel instituere consilium, citra ejusdem episcopi assensum et voluntatem. 1232.Hac nostra edictali sanctione revocamus in irritum et cassamus in omni civitate vel oppido Alemannie communia, consilia et magistros civium seu rectores, vel alios quoslibet officiales, qui ab universitate civium sine archiepiscoporum vel episcoporum beneplacito statu- untur. S. Walter, deutſche Rechtsgeſch. I. S. 236. Arnold, Verfaſſungsgeſchichte II. S. 14.

³) Frank, Geſch. von Oppenheim, Urk. Nr. 11.

) Römer⸗Büchner S. 32.

) Ph. Dieffenbach, Geſch. der Stadt u. Burg Friedberg, S. 50.

6) Guden. V. 89. 4

) Heſſ. Gerichte I. 332.

8) Kopp I. Beil. Nr. 11.

*) Würdtwein, Dioeces. Mogunt. III. 332.

¹1⁰) Würdtw. III. 336. Kopp I. Beil. Nr. 80.