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Document, worin Heinrich II die gegenwärtigen und künftig noch zuziehenden Bewohner von Allendorf an der Lumda,— er nennt ſie bereits Bürger,— von dem Beſthaupt und dem Faſtnachtszinſe losſpricht. Dieſe Befreiung fand in demſelben Zeitpunkte Statt, wo Heinrich den bisherigen Flecken mit Mauern umgab und zur Stadt umſchuf ⁶7). Auch muß dieſem Grundſatze durch keine ſpätere Uebung oder Erinnerung widerſprochen worden ſein; ſonſt hätte Johannes Emerich von Frankenberg nicht füglich ſchreiben können:„Wo ein frommer Mann kommet in die Schloſſe und Städte des Fürſtenthums zu Heſſen, der iſt frei von ſeinem eignen nachfolgenden Herrn, es wäre denn, daß er wieder auszöge bei ſeinen Lebetagen, ſo wäre er wieder eigen wie vor. Aber bleibet er ſein Leben lang in der Stadt wohnhaftig, ſo ſind und bleiben alle ſeine Kinder frei, die er in der Stadt zeuget 68).
Für Alsfeld ſcheint dieſes auch ganz und gar gegolten zu haben. In der Stadt ſelbſt wenigſtens habe ich nirgends eine Spur von Merkmalen der Hörigkeit, wie Beſthaupt, Faſtnachtshühner oder Heirathszwang, angetroffen. Im Landbezirke aber kommen allerdings Unfreie vor. Dieß ſind die ohne Zweifel im Sprengel des Hougirgerichtes ſeßhaften Weſtirſchellen, welche Wigand von Buchenau ſammt Beden, Gefällen und allem Nutzen 1362 von den Landgrafen Heinrich und Otto für 300 kleine Gulden und 300 Pfund Heller erkaufte 69). Name, Wohnort und Urſprung dieſer Hörigen ſind vollkommen dunkel. Außerdem finden ſie ſich nur noch ein einziges Mal, und zwar als verpfändet an die Herren von Eiſenbach, von welchen Heinrich II 1354 ſie wieder eingelöſet hatte 70). Inwiefern der Name mit dem eines Ritters Ludwig Weſterſchile, der in einer ziegenhainiſchen Urkunde von 1252 vorkommt 1¹¹), zuſammenhangen könne, weiß ich nicht.
VII. Geſchäftskreiſe.
Die älteſten heſſiſchen Städteverfaſſungen bewegen ſich in ſehr einfachen Verhältniſſen. Schultheiß und Schöffen und, wo eine Burg mit der Stadt verbunden iſt, auch noch die Burgmannen bilden die Hauptfactoren des öffentlichen Lebens. Eine genauere Abgränzung der Geſchäftskreiſe kennt jene Zeit noch unentwickelter Zuſtände ſo wenig als ein Organ der Geſammtbürgerſchaft zur Controle über die Thätigkeit ihrer Vorſtände. Juſtiz und Stadtregiment ſind innig mit einander verwoben.
So erſcheint der Schultheiß von Alsfeld nicht allein als der Gerichtsvorſitzer, der da geloben muß, „ein rechter Richter zu ſein dem Armen als dem Reichen“, ſondern er iſt auch der landesherrliche Beamte, der ſeines Herrn Güter verwaltet, bauet und beſſert und deſſen„Gülte und Rente, Zehnten und Früchte aufhebt und einnimmt“ und davon in jedem Jahre Rechnung thut ¹); er kann auch ferner nur gedacht werden als das adminiſtrative und polizeiliche Oberhaupt der geſammten Stadt und Burg.
Ebenſo ſind die heſſiſchen Schöffen nicht bloß richterliche, ſondern auch Rathsperſonen in den ſtädtiſchen Angelegenheiten, und nicht weniger haben die Burgmannen außer ihren kriegeriſchen Obliegenheiten
*⁷) Senckenberg, Selecta juris et histor. Tom. III. p. 618. Vgl. p. 616 und 559.
*8) Sammlung der alten Rechte und Gewohnheiten der St. Frankenberg,— b. Schmincke Monim. Hass. II. 677.
³⁵) Baur, H. U. 638:„.... abgekoyft han ir eygen lude dy Weſtirſchellen wor dy geſezzin ſin vnd in ir Ge⸗ richte zu Alffelt gehorin, mit bede, gefellen, nutzin, mid alle dem daz dar zu gehorit, vzgenomen daz Halſgerichte, daz ſullen ſy behalden obir dy lude, dy in iren Gerichtin ſitzin u. ſ. w.“
*0) Landau, Heſſ. Ritterburgen, Bd. III. S. 383... des Landgrafen Leute,„die da Weſtirſchellen ſeyn und heißen.“
²¹) Wenck II. U. B. 176.
¹) Urk. v. 1415 im St. A.(Orig.).


