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wie ſie ſich jetzt auch zu ſchreiben anfingen ⁵5²), noch manchen Streit über die ihnen angemutheten bürgerlichen Leiſtungen, bis ſie dieſe nach einer Entſcheidung der Regierung von 1569 für vierzig Gulden ablöſeten 54). Dem Landgrafen gegenüber galt aber weder ihr Wohnhaus zu Alsfeld für gefreit und dem Ritterſtock angehörig ⁵⁴), noch hatten ihre Höfe zu Eudorf und Dotzelrod eine andere als allodiale Eigenſchaft und waren folglich dem Landesherrn, wie dieſes auch anderen Unterthanen oblag, mit Folge, Heerzug und Steuer zu dienen verbunden ⁵⁵). Die Familie iſt bekanntlich ſpäter in den Freiherrnſtand erhoben worden.
Um einen weiteren Beweis zu geben, wie zu Alsfeld ſchon ſehr frühzeitig das altfreie ſchöffenbare Bürgerthum ſich ſelbſt bis zu gegenſeitigen Heirathen dem niederen Adel nahe ſtellte, erwähne ich hier zuletzt noch eines Schöffen, der in einer Urkunde von 1278 Fridericus maritus do minae Hazzechen genannt iſt 56). Er iſt wohl derſelbe, der in einem anderen Documente desſelben Jahres in abgekürzter Form als Fridericus Hazeche ⁵⁷) und ſchon vorher als Fredericus Hasceken 58) und Fredericus Hatzike ⁵⁹) vorkommt. Der bürgerliche Schöffe nahm alſo den Namen, der ihn von anderen Friedrichen(Longus, Dives, Juvenis) unterſcheiden ſollte, von ſeiner adeligen Gattin her; hätte er für ſich ſelbſt eine ritterliche oder adelige Eigenſchaft aufzuweiſen gehabt, ſo lag es ja weit näher, ſich nach dieſer zu bezeichnen.
Wenn nun aus dem Vorhergehenden auch für Alsfeld ſich als feſtſtehende Regel ergibt, daß das Schöffenthum ganz eigentlich dem Stande der Burgenſen angehörte, ſo läßt ſich auf dieſer Grundlage auch weiter die Frage entſcheiden, ob der Schultheiß in den Städten, wie Kopp annimmt, immer nur aus dem Adel genommen worden ſei, oder ob auch Burgenſen zu dieſer Würde haben gelangen können. Von den in den Urkunden genannten Schultheißen des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts ſind entſchieden adeligen Standes: Baldemar(1231), Nodung(1290, 1291 und 1295), Eberwin von Elkerhuſen(1305), Ludwig von Romrod(1308) und Widekind Vincke(1326) ⁶⁰); ihnen allen iſt das Prädicat miles ausdrücklich beigelegt. Zweifelhaft, weil ohne weitere Standesmerkmale, ſind Giſo (1259), Heinrich von Landenhuſen(1270), Stade(1278) und Jordan(1308) 6¹). Der Name des erſten, als ein bloßer Vorname, gibt ſchlechthin keinen Anhaltspunkt; bei den drei andern neigt ſich die Wage doch eher auf die Seite des bürgerlichen Standes, denn Adelsfamilien jener Namen kennt die heſſiſche Geſchichte zu keiner Zeit. Es bleiben noch Konrad Husmann und Richwin. Erſterer iſt 1264 Schultheiß, aber 1270 neben einem Nikolaus Husmann nur Schöffe ²). Richwin wird öfter genannt:
*²) Umſchrift eines Leichenſteines unter der äußeren Halle der Pfarrkirche:„Anno 1572 den 1. Januarüi iſt der edle und ehrnveſte Stamm Rathsmann in Gott verſchieden.“ Chorographie S. 52.
5³) Orig. v. 29. Jul. 1569 im Rathsarchiv.
5⁴) Urk. v. 1577 im Rathsarchiv(Unzünftige Schneider ſollen ſich nicht in das mit keiner Burgfreiheit verſehene Haus der Wittwe Stamm Rotzmannss einſchleichen. Befehl der Regierung zu Marburg). Urk. v. 1677 im Staatsarchiv (das Haus iſt nicht in den Ritterſtock gehörig).
5⁵) Salbuch der St. Alsfeld von 1574 fol. 217 und 526.
56) Baur, Heſſ. Urk. S. 166.
³1) Wenck II. U. B. 213.
5⁸) Kuchenbecker XI. 152(1264).
5³) Baur, H. U. 96(1270).
³⁰) Für Baldemar ſ. Kopp I. 297, für Nodung Kuchenb. XI. 169, Baur, H. U. 877 u. 209, für Elkerhuſen Wenck II. U. B. 257, für L. v. Romrod Kuchenb. XI. 175, für Vincke Guden. III. 408.
6¹) Für Giſo ſ. Kuchenb. XI. 143 u. Guden. I. 676, für Landenhuſen, Baur H. U. 96, für Stade Baur H. U. 166, für Jordan Kuchenb. XI. 175.
³²) Ueber ihn ſ. Kuchenb. XI. 151 u. Baur, Arnsb. Urk. S. 78.


