25 Schwalm, wo es das Schöffenamt bekleidete, eingewandert ſei. Ich finde jedoch eine Spur, die vielmehr auf Fulda hinweiſ't; denn aus dieſer Stadt wurden 1341 etliche Bürger vertrieben, unter welchen auch ein Konrad Rotzmul war ³³⁹). Wir treffen dieſen Namen ſogleich in Alsfeld wieder. Im Jahre 1351 beurkundete nämlich die Stadt Alsfeld, daß Happel Schaufuß, Friedebracht von Saſſen und Hille Rotzmulen, als Erben des Schöffen Nikolaus Schaufuß, ein Drittel des Zehnten zu Rockelshauſen und Seibelsdorf, den Zehnten zu Eifa, einen halben Zehnten zu Hermannshain, den ganzen zu Mersrod und wiederum den halben zu Parmeshauſen von Ziegenhain zu Lehen trügen ⁴⁰). Die genannte Hille, geborene Schaufuß, war die Gattin eines Konrad Rotzmul, des erſten dieſes Namens, den wir zu Alsfeld kennen lernen, und der allem Anſchein nach einer und derſelbe mit jenem aus Fulda vertriebenen Bürger iſt. Das ganerbſchaftliche Verhältniß, das ſich bezüglich dieſer Lehnsobjecte zwiſchen den Schaufußen und Rotzmulen gebildet hatte, dauerte fort, und die Letzteren wurden bei den nachfolgenden Lehnserneuerungen ſtets mitbelehnt 4¹). Sie erwarben aber auch noch weiteren Beſitz: ſo 1356 einen Garten am Silberbühel, dem jetzigen Frauenberg 4²), und 1365 die Steinmühle an der Eifa(Hellmühle) ⁴³). Bei der letzteren Gelegenheit wird Konrad in der Urkunde Schöffe von Alsfeld genannt. Etwas ſpäter thut ſich ein Sibold Rotzmul, Pfarrer zu Homberg und Caplan Heinrich's des Eiſernen, durch verſchiedene Stiftungen hervor. In der Stadtkirche zu Alsfeld dotirte er 1371 einen Altar und ſtiftete zwei Beneficien zur Ausbildung und Unterhaltung der Altariſten 44), und in demſelben Jahre noch ſchenkte er auch in Gemeinſchaft mit dem Pfarrer Stephanus(Stebin) der Fabrik der Kirche ein für die damalige Zeit ſehr koſtbares Buch ⁵). Es iſt ein ſehr ſauber zu Paris geſchriebener und mit goldenen Initialen gezierter Pergamentcodex in ſechs Folianten, der die Poſtillen des Nikolaus de Lyra enthält. Noch 1380 hat dieſer Sibold gelebt; denn wir finden ihn in dieſem Jahre bei dem Ankaufe eines Baumgartens vor dem Fulderthore betheiligt 46). Wir übergehen andre Glieder der Familie aus jener Zeit, deren wir noch verſchiedene nennen könnten, und erwähnen nur, daß uns 1383 wieder ein Berthold Rotzmul als Schöffe von Alsfeld begegnet 4¹), in welchem Amte ihm auch noch andere nachfolgen. Im Jahre 1450 aber zählen die Brüder Henne und Albrecht Rotzmul zu den Burgmannen von Alsfeld ⁴⁸), während ihr Verwandter Contz Rotzmule noch 1489 das reinbürgerliche Amt eines Bürgermeiſters ſeiner Vaterſtadt bekleidet*). Ein jüngerer Henne, in der Urkunde genannt Johann Raitzmaul, erhielt zu ſeinem alsfeldiſchen Burglehn auch noch ein Riedeſeliſches auf der Vorburg der Altenburg, von welchem noch 1685 eine Erneuerung zu finden iſt 50). Im Jahre 1542 nennt Lauze einen Kaspar Raetzmaul als Mitglied der heſſiſchen Ritterſchaft 61). Mit der Stadt hatten indeſſen die Rotzmule oder Rathsmann,
³) Am 27. Jun. 1341 verbot Ludwig der Baier, die aus Fulda vertriebenen Bürger zu unterſtützen:„Um die burger von Fulde Fridrich Steueni, Chunrad Rotzmul, Heilwigen Frieſen, Gotzen Tuchſtein und ander ir geſellen, die von Fuld us der ſtat vertriben ſind von kriges und mizzelung wegen u. ſ. w.“ Zeitſchr. des Vereins f. Heſſ. Geſch. u. Landesk. Bd. V. Heft 1, S. 63.
⁴⁰) Wagner, Wüſtungen S. 72, wo auf das Ziegenh. Repertorium lit. verwieſen iſt.
4¹) Urkunden im v. Rotsm. Arch. 1
4²) Guden. III. 408.
⁴³) Urk. im Rathsarch. z. Alsf.
44) Guden. III. 499.
⁴⁵) Schenkungsurkunde im Rathsarchiv(Original).
4⁶) Urk. im Rathsarchiv(Orig.).
4)„... dem Beſcheidin Bertulden Rutzmul ſcheffin czu Alffeld.“(Baur, H. U. 769)
⁴8) Urt. im v. Rotsm. Arch.
⁴⁹) Retter, Heſſ. Nachr. I. 35.
⁵⁰) Eſtor, Kleine Schriften III. 340.
51) Heſſ. Chronik, II. 1. 507.


