Druckschrift 
[Beginn] (1861)
Entstehung
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Heidelbach 31¹). Zu ihren ſchon vorhandenen Gütern erwarben die Schaufuße in dem nächſten und folgenden Jahrhundert durch Darlehen, Kauf oder Heirath neuen Zuwachs an Liegenſchaften, Zehnten und Renten; manche unabgelöſete Pfandſchaft ging in Lehen oder Eigenthum über. So beſaßen ſie eignes Gut zu Friedberg, Dotzelrod und Grünberg, Lehngüter in Neukirchen, Großentafft, Ringarten, Niederjoſſa, vor dem Helferichsgrunde und an der Hune vor Hersfeld, lehnbare Zehnten oder Antheile an ſolchen zu Mersrod, Hattendorf, Eifa, Endorf, Hermannshain, Parmeshauſen, Rockelshauſen, Seibelsdorf, Elbenrod, Niederfiſchbach und Alsfeld, Renten zu Alsfeld von einem dem Landgrafen dargeliehenen Capital u. ſ. w. 32). Ihr bürgerlicher Wohlſtand bewährt ſich zugleich mit ihrem Gemeinſinn durch dasjenige, was ſie für öffentliche Anſtalten gethan haben. Happel Schaufuß ſchenkte 1380 ſein Gut zu Tudinrode, das er 1355 von Berthold Zapphe erkauft hatte, dem Frauenaltar der Pfarrkirche 36). Als 1394 der Thurm dieſer Kirche einſtürzte, ward ſofort der Bau eines neuen begonnen, der noch heute ſteht. Ueber dem Durch⸗ gangsbogen desſelben iſt das Schaufußiſche Wappen in Stein gehauen, eine Ehre, welche die Familie ohne Zweifel ihrem werkthätigen Antheil am Thurmbau, nicht dem zufälligen Umſtande verdankt, daß 1395 ein Contze Schaufuß Bürgermeiſter war. Ganz gleichzeitig ward auch die neue Pfarrkirche erbaut. In einem ihrer gemalten Fenſter prangte wiederum das Wappen dieſes Geſchlechtes, ein Hinweis auf den Stifter 34). Und wenn wir nun dasſelbe Wappen auch über dem Portal des Rathhauſes, deſſen Sockel 1512 begonnen wurde, in Verbindung mit dem heſſiſchen und dem Stadtwappen angebracht ſehen, ſo beweiſ't dieſes wohl, daß auch in jener Zeit Reichthum und Gemeinſinn der Familie noch nicht erloſchen waren. Mittlerweile aber waren Glieder derſelben auch ſchon in den Ritterſtand eingetreten. Im Jahre 1450 und weiterhin erſcheint Henne Schaufuß als Burgmann zu Alsfeld; er iſt der Gemahl Katharina's aus dem adeligen Hauſe Romrod, die ihm fuldiſche Lehen zu Neukirchen und bei Hersfeld mitbringt. Auch ſein Bruder Konrad war Burgmann(1450) ³⁵). Von Henne's Söhnen, Kaspar und Georg, gleichfalls Burgmannen, ſtieg der Letztere zur Comthurwürde des Johanniterhauſes zu Grebenau empor ³6). Kaspar war mit unter den Gliedern der heſſiſchen Ritterſchaft, die 1514 den Abſchied des Landtags von Treiſa unterſiegelten 372). Auch ſeine Söhne Melchior und Helwig, die Letzten des Mannesſtammes, der jedenfalls vor 1563 erloſchen iſt, behielten die vom Vater überkommene Burgmanns⸗ würde bei ³s), die in jener Zeit kaum noch mit einer wirklichen Dienſtleiſtung verbunden war. Die Güter des Geſchlechtes kamen durch Erbtöchter an die Familien von Gilſa, von Rehen, von Lutter, von Löwenſtein und Winold.

So war ein lange Zeit nur bürgerliches Geſchlecht in den ritterſchaftlichen Adel von Heſſen übergegangen. Ihm verwandt war ein andres, das ſpäter im Range noch höher geſtiegen iſt. Es iſt das der Rotzmul(Rotsmann). Zu Alsfeld zeigt ſich dasſelbe urkundlich nicht früher, als um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. Eine Familientradition ſagt, daß es um jene Zeit von Treiſa an der

³1¹) Schmidt I. 212.

³²) Ueber Genealogie und Beſitz der Scharfaß ſ. im Allgemeinen Wagner, Beiträge z. Geſch. erloſchener adeliger Familien, im Arch. f. Heſſ. Geſch. Bd. VII. S. 477 ff. Ferneren Aufſchluß geben Urkunden in dem Rathsarchive zu Alsfeld, ſowie in dem Archive der Freiherren v. Rotsmann.

³³) Urkunden über beide Acte im Rathsarchiv.

³4) Handſchriftliche Chorographie S. 61. Dieſes Fenſter wurde wahrſcheinlich bei der Beſchießung der Stadt im J. 1646 zerſtört.

³5⁵) Urkunden von 1450, 1467, 1472 und 1482 im v. Rotsm. Archiv.

3³6) Urkunden v. 1501 und 1512, ebendaſ.

³⁷) Entdeckter Ungrund ꝛc. Beil. 80. Er heißt hier Caſpar Schufut.

³8) Urk. von 1549 im v. Rotsm. Arch.