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[Beginn] (1861)
Entstehung
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zählte öfters, und gerade zu jener Zeit, Glieder des bezeichneten Vornamens, und es iſt nicht wahr⸗ ſcheinlich, daß ein Nichtadeliger, der nur aus Romrod ſtammte, durch Beilegung des Heimathsnamens dem Ritter ſich gewiſſermaßen als bürgerlichen Doppelgänger an die Seite geſtellt haben ſollte. Im Uebrigen iſt, wenn wir einen Werner von Frankfurt(1259), einen Heinrich von Dithwinesrode(1270), einen Rudolph von Amöneburg(1315) unter den alsfeldiſchen Schöffen antreffen, hierbei natürlich nicht an eine Adelsbezeichnung zu denken, ſo wenig als der in Marburg vorkommende Schöffe Ludwig von Alsfeld(1233) oder die alsfeldiſchen Bürger Wigand von Kirtdorf(1285) und Weruher von Frankenberg (1315) auf etwaige Adelsgeſchlechter derer von Alsfeld, Kirtorf und Frankenberg irgend einen Schluß erlauben. Auch die im dreizehnten Jahrhundert mehrfach uns begegnenden Schöffen Rudolph und Sifrid von Ohmes(dicti de Omesa) waren nicht adelig. Rudolph nennt ſich ausdrücklich civis in Alsfelt 26). Selbſt das hochangeſehene Geſchlecht der Schaufuß blieb Jahrhunderte lang ein bürgerliches. Von 1263 an treten uns die Schaufuß in faſt ununterbrochener Reihe als Schöffen und Bürger entgegen, und wo ſie nicht in jener erſteren Eigenſchaft bezeichnet ſind, da werden ſie cives oder oppidani oder Bürger zu Alsfeld genannt 27). Im Jahre 1395 iſt ein Contze Schaufuß Bürgermeiſter zu Alsfeld, was, wenn es nicht an dem Bisherigen genug wäre, für ſich allein ſchon keinen Zweifel an der Zugehörigkeit des Geſchlechtes zum eigentlichen Bürgerſtande übrig laſſen würde 28). So viel ſie auch im Laufe der Zeit an Gütern und Rechten erworben haben, ſo bewegen ſie ſich doch immer in demſelben Standeskreiſe, bis endlich um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts Glieder dieſes Geſchlechtes in die Reihe der Burgmannen von Alsfeld eintreten und dann im ſechzehnten auch unter dem heſſiſchen Adel aufgezählt werden. Nicht weniger heißen die ſonſt als Schöffen benannten Friedrich der Reiche, Friedrich der Lange und Hartmud Kaſtelan in andern Urkunden deutlich nur cives ²⁵). Ein Konrad Kaſtelan (1231) erſcheint als burgensis, was dasſelbe bedeutet ²⁵). Etwa gleichzeitig mit den Schaufuß wurden auch die Rotzmule(Rotsmann) Burgmannen zu Alsfeld; aber ſchon ein ganzes Jahrhundert vorher ſind ſie in dem Schöffenamte dieſer Stadt zu treffen. Andere in den Urkunden vielgenannte Namen, wie die der Rüdiger vor dem Mainzerthore, der Pfannkuche(Pancuche, Pantkoche, Placenta), der Elſäſſer u. ſ. w. wiederholen ſich zum Theil Generationen hindurch, ohne daß ihnen ein andrer Stand als eben der des Schöffenamtes oder der eines civis, burgensis oder oppidanus zugelegt wird. Einer weiteren Ausführung dürfen wir uns wohl überheben.

Zu welcher Bedeutung eine ſolche bürgerliche Schöffenfamilie emporſteigen konnte, zeigt uns ganz beſonders die der ſo eben erwähnten Schaufuße ³⁰). Schon 1316 iſt ſie im Beſitze des Kirchenſatzes zu

²6) Retter, Heſſ. Nachr. III. 16.

²7) 1291: Erſt milites aufgeführt, dann Nicolaus dictus Schowefus etc.... cives(Baur, Heſſ. Urk. 877); 1295: Nicolaus dictus Scaufus et Henricus dictus Hayke cives alsveldenses(Baur, Heſſ. Urk. 210); 1314: discreto viro Nycolao dicto Schouous opidano in Alsfelt(Kuchenbecker VII. 78); 1349:mit hern Nyclawſe Schowenfuze burgere tzu Alffelt(Baur, H. U. 577); 1370:daz wir mit wißen vnd willen Hern Heinriches Lantgrauen czu Heſſen Cuntzen Schauwinfuße ſyme borgere czu Alffeild.... verſaſt habin vnßn czenden geheißen uf deme Rotinberg gelegin by Alsffeild ꝛc.(Baur, H. U. 686).

²⁸)Contze Schoufuß burgermeiſter zu Alffelt. Baur, H. U. 827.

²⁰) S. die Urk. v. 1270 und 1295(Baur, Heſſ. Urk. 209 u. Arnsburger Urk. S. 78) u. 1279(Gudenus IV. 934).

²⁰) Kopp, Heſſ. Ger. I. 297.

³⁰) Der Name erſcheint in ſehr verſchiedenen Formen. Zu den bereits angeführten fügen wir noch: 1275 Scoyvuz (Kuchenb. XI. 166), 1278 Scowenvuz(Wenck II. U. B. 213), 1290 Schaufoz(Kuchenb. XI. 169), 1305 Scoubuz (Wenck II. U. B. 257), 1356 Schauenfus(Guden. III. 408), 1472 Schouffueß(Orig. im v. Rotsmann'ſchen Familien⸗ archiv). Formen aber wie Sconuz(1263, Beurk. Nachr. II. Beil. S. 60), Stowenuon(1266, Retter, Heſſ. Nachr. III. 16) und Schower(1314, Guden. III. 95) beruhen gewiß nur auf unrichtigem Leſen der Herausgeber; auch für Scorevuz (1278, Baur, H. U. 166) wird vielleicht Scovevuz oder Scouvuz zu leſen ſein.