bleiben konnte und daß es bei der Wahl der Sendorte mehr auf bequeme Richtung des Weges und gutes Quartier, als auf das Princip wirklich filialer Zugehörigkeit ankommen mochte. Daß hierbei dennoch urſprünglich zuſammengehörende Pfarreien oft genug auch zuſammen im Send behandelt wurden, iſt natürlich; denn Zuſammengehörendes liegt in der Regel auch nahe zuſammen. Unbedingte Rückſchlüſſe aber laſſen ſich auf ſolche Sendordnungen nicht bauen.
Für den Sendbezirk des Archidiaconats von St. Stephan liegt uns nun zwar kein förmliches Itinerar vor, wie für die Wetterau, die Reihenfolge der sedes im Hebregiſter aber verlauft ganz an dem Faden eines ſolchen. Der Grundſatz der Wahl bequemer Orte leuchtet überall durch, nur daß wir nicht beſtimmen können, welche sedes einen ganzen Tag in Anſpruch nahmen und welche andre, wie verſchiedene in der Wetterau, etwa nur im Vorbeigehen abgethan wurden. Der Official von Amöneburg begann ſein Geſchäft an dieſem Orte ſelbſt, begab ſich dann nach Neuſtadt(zweite sedes), Treiſa(dritte), Heidelbach(vierte), Alsfeld(fünfte), Kirtorf(ſechſte), Ofleiden(ſiebente sedes) u. ſ. w. Treiſa und Alsfeld waren ohne Zweifel Nachtquartiere; von Treiſa nach Alsfeld iſt aber für einen ununterbrochenen Marſch ein weiter Weg, und Heidelbach lag mithin als ganz bequemer Haltpunkt dazwiſchen. Kirtorf kann den dritten, Ofleiden den vierten Tag der Wanderung ausgefüllt haben, um dann Niederohmen, Londorf, Winnerod und die übrigen sedes folgen zu laſſen.
Unter den an Alsfeld gränzenden sedes umfaßte die von Heidelbach nur eine einzige Pfarrei, die von Kirtorf aber wenigſtens vier, wahrſcheinlich aber ſogar fünf bereits beſtehende Kirchſpiele(Kirtorf ſelbſt, Obergleen, Billertshauſen⸗Gedörn, Oberrod⸗Romrod und, aus allem zu ſchließen, auch Ruhlkirchen). Was nun die alsfeldiſche sedes ſelbſt anbelangt, ſo dürfen wir, unſeren obigen Ausführungen zufolge, weder aus der Nennung der ihr zugewieſenen Orte an ſich ſchon auf ein Filialverhältniß derſelben ſchließen, noch auch in dem Hebregiſter eine vollſtändige Aufzählung aller ihrer wirklichen Filiale vorausſetzen. Das Regiſter nennt aber 11): Homburg prope Aldenburg(Kleinhomberg, ſonſt auch Homberg minus und Wenigen⸗Homberg genannt, jetzt Wüſtung), Hoenberg majus(Großhomberg, gleichfalls Wüſtung, im Walde Homberg) ¹²), Lusselae(Leußel), Heygenrade etzt Felddiſtrict Hegerod, bei dem Hellhofe) 1³), Yffe(Eifa), Swabenrade(Schwabenrod) und Hoppengarten inferius(Wüſtung Niederhopfgarten zwiſchen Hopfgarten und Altenburg) ¹⁴). Dagegen kommen im Regiſter gar nicht vor die in der Nähe der Stadt gelegenen Orte Altenburg, Reibertenrod und Leidenrod oder Ludenrod(etwa zwiſchen Alsfeld und Hopfgarten, wo jetzt noch der Leidenröder Kopf genannt wird) ¹⁵); Dirsrod ljetzt das Dirsröder Feld an dem Wege nach Zell) verbirgt ſich vielleicht hinter dem im Regiſter genannten Dorstat, dem man ſonſt gar keine, Stelle anweiſen kann 1¹⁶).
Es iſt nichts gewiſſer, als daß in alter Zeit nicht nur Reibertenrod, von dem dieſes auch jetzt noch gilt, ſondern auch Altenburg und Leußel zur Pfarrei Alsfeld gehört haben. Selbſt nachdem für die
¹1¹) Würdtw. III. 271.
¹²) Nicht Homberg an der Ohm, wofür Nebel es nimmt, weil dieſe Stadt ſonſt in keinem„Decanatsregiſter“ vor⸗ komme. Arch. f. Heſſ. Geſch. Bd. IV. Heft II u. III. Nr. 7. S. 3.
1¹3) Nicht Reibertenrod, wofür Schmidt und Nebel es halten.
¹4) S. Wagner, Wüſtungen S. 27.
¹5) Ebendaſ. S. 21.
¹6) Dirsrod kommt in Urkunden und Aeten öfters vor. Im Salbuche von 1574 heißt es fol. S1:„gartten am Dierßroder wege.“ 1379 trug Wypode von Dyrßrode ſeinen Hof dem Landgrafen Hermann zum Lehen auf. Er nennt ihn„mynen hob zu Tyrſrode mit allir ſiner tzugehorunge vnd anders alles, das ich han vor Alffelt liggende.“(Baur, Heſſ. Urk. S. 746). Wagner ſcheint dieſes Dirsrode nicht gekannt zu haben(er erwähnt es nicht in ſeinem gründlichen Werke über die Wüſtungen); ſonſt würde er wahrſcheinlich dieſem Orte das Meiſte von demjenigen beigelegt haben, was er auf ein anderes Dirsrod bei Maulbach bezieht.
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