Druckschrift 
[Beginn] (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Dieſer ganze Charakter des Verzeichniſſes als eines Hebregiſters läßt denn nun auch nicht daran zweifeln, daß ſeine sedes weder als Decanatsſitze, noch als sedes parochiales(ſchlechtweg oder auch mit Schmidt's Zugabe eines mutterkirchlichen Verhältniſſes) auftreten ſollen, ſondern daß ſie ganz einfach sedes synodales ſind, d. h. Orte, wo der Send gehalten und folglich auch die Sendgefälle erhoben wurden.

Zur Rechtfertigung des ſoeben gebrauchten Namens berufe ich mich auf eine Urkunde von 1309, worin ein würzburgiſcher Archidiaconus denſelben dem Dorfe Oſterburgheim beilegt); die Sache ſelbſt aber wird durch eine kurze Hinweiſung auf die alten Sendverhältniſſe weiter klar werden. Schon ein Capitulare Karl's des Kahlen hatte, um für die Pfarreien die Verpflegungskoſten zu mindern, beſtimmt, daß die Biſchöfe, wenn ſie zum Send umherreiſeten, nicht jede einzelne Gemeinde für ſich vornehmen, ſondern einen gelegenen Pfarrort wählen ſollten, wohin denn etwa vier Pfarrer aus der Nachbarſchaft mit ihren Gemeinden ſich zu begeben und eine vorgeſchriebene Quantität von Victualien zur Verpflegung des Biſchofs und ſeines Gefolges mitzubringen hätten. Der Ort, wo der Biſchof übernachtet, wird hier genanntlocus, ubi Episcopus residet¹⁰²). Daß ſpäter auch in der mainzer Diöceſe von den erzbiſchöflichen Commiſſarien ein ganz ähnliches Verfahren eingehalten wurde, zeigt unter Anderm ein Blick auf die Anweiſung zur Sendbereiſung der Wetterau ¹). Hier iſt genau angegeben, wo der Commiſſarius am Morgen, wo er am Nachmittag oder Abend Send halten und wo er übernachten ſoll. Oft haben hiernach zwei und mehr ſelbſtſtändige Pfarrgemeinden am Sitze eines anderen Kirchſpiels zu erſcheinen. Bei einigen derſelben wird hierbei ein ehemaliges Filialverhältniß einfach erwähnt, bei andern heißt es, ſie ſeien Filialpfarreien quoad synodum dumtaxat, bei andern endlich tritt ein Filialverhältniß überhaupt nicht hervor, wie z. B. zwiſchen Dauernheim und Leidhecken s). Auch kommt es vor, daß Mutterkirchſprengel für den Send getheilt werden. So war Geisnidda ſeit 1234 ein Filial von Dauernheim), dann eigne Pfarrei; der Sendgeiſtliche aber, der ſein Nachtquartier in Nidda gehabt hatte, begann am Morgen ſein Geſchäft in Oberwiddersheim, hielt dann zu Geisnidda, das er auf ſeinem Wege ohnehin berührte, einen eignen Send ¹⁰) und that gegen Abend das Gleiche zu Dauernheim, wo er auch die ſonſt getrennte Pfarrei Leidhecken zuzog, weil er ſich am andern Morgen wieder rechts nach Echzell wendete. Zu Echzell mußten auch die Pfarreien von Reichelsheim und Grinten⸗Schwalheim ſich einfinden, bei welchen die Anweiſung durchaus kein Filialverhältniß erwähnt; hierauf zog der Send nach eingenommenem Mittagsmahle nach Södel und endigte wieder ſein Tagewerk zu Melbach, wohin auch das uralte Beienheim und Wiſſelsheim beſchieden wurden. Erwägt man nun den Inhalt einer ſolchen Tageswanderung auf noch übelgebahnten Wegen, die oft zwei bis drei Sitzungen an verſchiedenen Orten in ſich ſchloß, ſo wird der Schluß nahe liegen, daß neben dem Einſammeln der Gefälle und neben den Mahlzeiten für das eigentliche Sittengericht des Sendes über zahlreiche Gemeinden nicht viel Zeit übrig

)Nos Wol. de Grumbach, Archidiaconus Herbipolensis. Presenti scripto constare volumus universis, quod, cum secunda feria post festum Sti. Martini proximum in Sede synodali Osterburcheim per officialem nostrum et sacerdotes ad eandem sedem pertinentes sancta synodus celebraretur etc. Gudenus III. 736.

)Considerent et denuntient loca sibi et populo convenientia, et illuc presbyteri, quotquot possibilitas et moderatio providerit, plebes suas adducant, et ibidem Episcopi praedicent, confirment et populi errata inquirant et corrigant. Etc. Baluzii Capitul. reg. Franc. T. II. p. 23.

²) Würdtwein III. 6 ff.

³)In Duernheim.... Item illac pertinet ad synodum eecclesia parochialis in Leitekin, que habet proprium plebanum. Würdtw. III. 95.

*) Schannat Hist. Fuld., Cod. Prob. Nr. 88.

¹⁰) Würdtw. III. 12 u. 95. Die ehemalige Filialität galt alſo hier nicht.