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[Beginn] (1861)
Entstehung
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Vorwurf arger Fälſchungen getroffen hat. Der Zweck des Falſums konnte hier kein andrer ſein, als das angeblich einſt pfalzgräfliche, durch Schenkung in das Eigenthum des Kloſters übergegangene, aber wegen landgräflicher Uſurpation nicht in deſſen Beſitz gekommene Alsfeld mit deſto größerem Scheine des Rechts für den Erzbiſchof, an welchen es ſchon ſeit 1247 erfolglos abgetreten war, in Anſpruch zu nehmen. Was für eine Abſicht der Concipient dieſer Scharteken, wie Bodmann ſie nennt, gehabt haben möge, iſt alſo nicht ſchwer zu entziffern, Abſichten, die, wie die Schriftſtücke ſelbſt, ganz zur Sache ſtimmen. Dieſe Abſichten ſind indeſſen unerreicht geblieben. Erzbiſchof Gerhard ſtand bald beſſer zum Landgrafen, als zum König Adolph. Schon nach einem halben Jahre ſehen wir Heinrich den Erſten mit dem Erzbiſchofe im gemeinſchaftlichen Kriege gegen Albrecht von Braunſchweig begriffen 13). Gegen einen Bundesgenoſſen hörten die Spoliationspläne auf, oder mußten wenigſtens vertagt werden. Mainz hat in Alsfeld niemals ein Territorialrecht geübt; auch das Patronat über die Kirche blieb im landgräflichen Beſitze.

Aus dem Vorſtehenden ergibt ſich, daß Alsfeld erweislich zu keiner Zeit mainziſch, ein fuldiſches Lehn aber, und zwar ein aufgetragenes, erſt ſeit 1434 geweſen iſt. Bei ſeinem erſten Hervortreten eine heſſiſche Stadt unter den Landgrafen von Thüringen, ging es nach dem Erlöſchen ihres Mannsſtammes ſogleich und ohne Mittel als freies Erbe in den Beſitz des brabantiſch⸗heſſiſchen Hauſes über. Daß Landgraf Heinrich I und ſeine Mutter Sophie Alsfeld jeweilig auch mit ihrer perſönlichen Gegenwart beehrten, geht aus einer Urkunde von 1264 hervor, worin beide ihrem Wirthe daſelbſt(Friderico hospiti suo in Eilesfelt) die landesherrliche Genehmigung zu einer Güterveräußerung ertheilen 1¹¹).

V. Kirchlicher Verband. Send.

Gleich beim erſten urkundlichen Hervortreten hat Alsfeld auch ſchon ſeine eigne Pfarrei. Ein Johannes plebanus de Ailesvelt erſcheint 1233 als Schriftführer und Zeuge bei einer Abgabenbefreiung von Höfen zu Roßdorf und Mardorf ¹). Die Pfarrei gehörte, wie die meiſten in Oberheſſen, demjenigen Theile der Diöceſe von Mainz an, in welchem dem St. Stephansſtifte zu Mainz als Archidiaconat die geiſtliche Jurisdiction übertragen war. Dieſes Stift ließ ſeine Functionen regelmäßig durch einen Official ausüben, der ſeinen Sitz zu Amöneburg hatte.

Es fragt ſich nun weiter, welche Ortſchaften der Umgegend zur Pfarrei gehörten, und ob Alsfeld auch der Sitz eines Archipresbyters oder Decans war. Dieſe beiden Fragen hängen genau mit der dritten zuſammen, wie das Würdtwein'ſche ſogenannte Archidiaconatsverzeichniß richtig aufzufaſſen ſei. Es wird am Ort ſein, dieſen letzteren Punkt, der auch für die Geſchichte Heſſens überhaupt nicht ohne Gewicht iſt, etwas näher zu prüfen und für die vieljährige Streitfrage auch unſererſeits eine Löſung zu verſuchen, auf die ſich dann Weiteres bauen läßt.

Würdtwein theilt unter der UeberſchriftRegistrum synodale ein aus dem 15. Jahrhundert ſtammendes Verzeichniß von Ortſchaften mit, die zum Archidiaconat St. Stephan gehörten und die hier

¹3) Urk. v. 31. Jan. 1293 b. Gudenus I. 868. ¹4⁴) Wenck II, Urk. B. S. 193.

¹) Beurk. Nachr. v. Schiffenberg, Urk. 13.