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Jahrhunderts. Damals wurden bekanntlich beim Ausſterben der Grafen von Ziegenhain und Nidda die bei Fulda zu Lehen gehenden Beſitzthümer derſelben vom Abte von Fulda als Lehen auf Heſſen übertragen. Dieſelbe Urkunde nun, welche dieſe Uebertragung ausſpricht, und alle folgenden, welche die Belehnung mit Ziegenhain und Nidda erneuern oder beſtätigen, führen ſtets auch Alsfeld und die Altenburg unter den fuldiſchen Lehnsobjecten auf. Man könnte darum verſucht ſein, Alsfeld für ein ziegenhainiſches Zubehör zu halten, das als Afterlehen ſchon Jahrhunderte vor dem Ausſterben der Grafen in heſſiſchem Beſitze geweſen. Nun aber findet ſich durchaus keine Spur von irgend einem Lehnsnexus zwiſchen Ziegenhain und Alsfeld, und überdieß wird in den fuldiſchen Lehnbriefen und den heſſiſchen Lehnsreverſen Alsfeld nebſt einigen anderen Orten immer erſt nach der Specification der ziegenhainiſchen und niddaiſchen Gebietstheile und abgeſondert aufgeführt. Wir ſind alſo auf ein directes Verhältniß zu Fulda hingewieſen. Aber auch für ein ſolches gibt es aus der früheren Periode keine Zeugniſſe. Als ein ſolches kann wenigſtens eine Urkunde von 1274, worin Hedwig von Ohmes ihre Güter„citra Alisveldiam in terminis Fuldensibus sita“ dem Kloſter Haina ſchenkt ²), mit Recht nicht angerufen werden. Dieſe Worte ſagen allerdings aus, daß die geſchenkten Güter auf fuldiſchem Boden lagen, keineswegs aber, daß auch Alsfeld, dieſſeits welcher Stadt ſie gelegen waren, fuldiſch geweſen ſei. Wenn heute Jemand zu Gießen ſchreibt: Nauheim liegt dieſſeits Friedberg auf kurheſſiſchem Gebiete,— ſo wird Niemand daraus folgern wollen, daß auch Friedberg kurheſſiſch ſei. Die fragliche Urkunde iſt zu Amöneburg ausgeſtellt, von wo aus denn das„citra“ zu bemeſſen iſt. Zwiſchen Amöneburg und Alsfeld gab es aber wirklich Orte, auf welche die„termini Fuldenses“ Anwendung finden und wo ſomit die geſchenkten Güter gelegen haben können. So war z. B. Gleimenhain ziegenhainiſch unter fuldiſcher Lehnshoheit ³).
Die erſte beſtimmte Erwähnung der fuldiſchen Lehnsherrlichkeit über Alsfeld finden wir, und zwar, wie es mir ſcheint, wohl gleichzeitig mit der Entſtehung des Verhältniſſes ſelbſt, in einer Urkunde von 1434 ⁴). Abt Johann überträgt darin auf den Landgrafen Ludwig Alles, was bis dahin die Ziegenhainer von ihm zu Lehn beſeſſen haben. Nachdem nun alle einzelne ziegenhainiſche und niddaiſche Beſtandtheile aufgezählt ſind, heißt es wörtlich weiter:„Auch ſo haide derſelbe Lantgrave Ludewich umb uns entphangen ſine Stat Alsfelt, daz Sloſſ Aldenburgk dabey gelegen, Spangenbergk Burgk und Stad u. ſ. w.“ Eben ſo erſcheint in dem Lehnbriefe, den Ludwig im J. 1450 vom Abte Reinhard erhielt, Alsfeld wieder als„ſine Stait Alsfelt ⁵).“ Dieſe Bezeichnung der Stadt als einer dem Landgrafen eignen läßt uns Alsfeld als ein aufgetragenes Lehn erſcheinen, das ſich ohne Zweifel erſt von der Epoche her datirt, wo die Bemühungen um den ziegenhainiſchen Beſitz dem Landgrafen auch ſeinerſeits einige, in der Sache ſelbſt ſehr unſchädliche Verwilligungen zu Gunſten des lehnsherrlichen Glanzes von Fulda anrathen mochten. In ähnlicher Weiſe hatte Heinrich I dem Kaiſer Adolph ſeine Stadt Eſchwege aufgetragen und ſie mit der Zugabe der Reichsburg Bomeneburg zurückerhalten. Die Altenburg kann ebenfalls nur aufgetragen worden ſein. Sie war als heſſiſches Lehn im Beſitze der Familie von Altenburg geweſen, und von Reinhard von Altenburg hatte Landgraf Heinrich I das nutzbare Eigenthum wieder ganz an ſich gekauft. Der Kaufbrief von 1300 enthält nicht das Mindeſte von einem fuldiſchen Lehnsconſens bei dieſem Acte ⁵).
²) Kuchenbecker XI. 164.
³) Urkunde von 1278, bei Wenck II. U. B. 212. ⁴) Wenck III. U. B. 231.
⁵) Wenck III. U. B. 248.
⁶) Wenck II. 246.
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