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[Beginn] (1861)
Entstehung
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erlittenen Schäden milde Gaben zu erheben ³). Ein ſpäterer Collector für denſelben Zweck(1665) erhielt zwar eine im Texte eben ſo förmliche Beglaubigung, dieſelbe war aber nur mit dem kleinen Siegel verſehen 1¹⁰). Dieſes letztere dagegen findet ſich vom 14. bis gegen das Ende des 17. Jahrhunderts in fortwährendem Gebrauche ¹¹). Nur hat es verſchiedene Petſchafte für dasſelbe gegeben, die im Stiche ſonſt einander gleich waren und nur dadurch ſich unterſchieden, daß das einecivitatis Alsfelt, das andere aberopidi Alsfelt hat.

Ein drittes Siegel war dasFehde-Sigillum civitatis Alsfeld, das, wie die übrigen, noch jetzt im Rathhauſe aufbewahrt wird. Es gleicht dem Sigillum ad causas, doch ſteht der Schild ſenkrecht, und der Helm iſt mit Bügeln verſehen. Ich habe es niemals gebraucht gefunden. Uebrigens hatte es weder mit kriegeriſchen Fehden, noch, wie Günther vermuthet, mitStreit vor Gericht das Mindeſte zu ſchaffen; es diente vielmehr zur Beglaubigung friedlicher Reiſepäſſe. Etymologiſch hängt der Name nicht mit dem mittelhochdeutſchen fede(erklärte Feindſchaft) zuſammen, ſondern mit dem lateiniſchen fides(fides publica), und hat die Form des italieniſchen fede angenommen. Zu gleichem Gebrauche hatte auch der Rath von Leipzig ſeinFede⸗Siegel ¹²).

Das Wappen der Stadt, in Farben ausgeführt, wiederholt nur die Beſtandtheile des kleineren Siegels und umgibt ſich mit reicheren Lacinien. Der Schild ſteht aufrecht; auf blauem Felde zeigt ſich ein zum Grimme geſchickter, rechtsgewendeter, gekrönter rother Löwe mit doppelknötigem Schwanze. Der Helm über dem Schilde trägt Büffelhörner, die nach außen hin mit Blattſtengeln beſetzt ſind. Neben dem Schilde, und zwar auf der rechten Seite desſelben, iſt ein blankes, mit der Spitze nach oben gerichtetes Schwert zu ſehen. Der blaue Schild entſpricht ganz dem landesherrlichen Wappen, eben ſo die Figur des Löwen, die Farbe des letzteren aber iſt geändert, was der Unterſcheidung wegen öfters geſchah, wo Städte die Inſignien des Fürſten führten.

Mit den ſoeben bezeichneten Tincturen erſcheint Schild und Löwe nicht nur noch heute in dem über dem Eingange des Rathhausſaales aufgehängten Wappen, ſondern dieſelben finden auch noch ein älteres hiſtoriſches Zeugniß durch eine im J. 1648 von dem Oberpfarrer Happel gehaltene Predigt, die das Stadtwappen zum Mittelpunkte macht, um an die Beſtandtheile und Farben desſelben erbauliche Betrachtungen anzuknüpfen ¹3).Unſere Stadt, ſagt der Redner, führet einen gekrönten rothen Löwen im blauen Feld, und für ihm ſtehend ein aufgerichtetes blankes Schwert. Davon dieſe Verſe im Saal zu Rothenburg gefunden werden:

Alsfeldi rigidum gestat sua signa Leonem, Et cum caeruleo certat in hisce rubor. Das iſt: Die Statt Alsfeld einen Löwen hat, Der auff ſein hinter Füſſen ſtath, Der Löw iſt roth, das Feld iſt blaw, Mit fleiß auff alle Sachen ſchaw.

*) Original im Rathsarchiv zu Alsfeld.

¹⁰) Original ebendaſ.

¹¹) In einer Urkunde von 1501 heißt esvnſer ſtaidt alffelt kleyn Ingeſiegell. Orig. im Rathsarchiv.

¹²) Haltaus, Gloſſar s. v. Fede, Fehde, Vehte.

¹3) Leo Philo-Politicus Oder Alßfeldiſche Wahl vnd Wapen Predigt. Von Rechtſchaffener Regenten Löwen Arth ꝛc. Bey Erwehlung eines Burger Meiſters vnd Beſtellung gemeiner Statt Aempter am Sontag nach dem Newen Jahr in der Pfar Kirchen zu Alßfeldt gehalten von M. Georgio Eberhardo Happelio, Pfarrherrn vnd Furftl. Heßen Darmſtadiſchen Inspectore daſelbſten. Marpurg 1648.

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