II. Der Name.
Die älteſte urkundliche Namensform iſt, wie wir oben geſehen haben, Adelesfelt oder Adels⸗ felt. Nach Weigand's Erklärung bedeutet dieſes„zu dem Felde des Adal oder Adalo(d. h. der Edle, der Mann von ausgezeichnetem Geſchlechte) ¹).“ Später verkürzte ſich der Name und nahm mannichfache Geſtalten an, die nicht immer auf einer gleichmäßigen Gewohnheit der folgenden Zeitalter beruhen, ſondern oft nur von der Kenntniß oder dem Belieben der Concipienten, die häufig Auswärtige waren, abhängig ſcheinen. In den gedruckten Sammlungen(z. B. bei Gudenus) findet ſich der Name mitunter auch ſchon moderniſirt. Wir laſſen hier in chronologiſcher Ordnung eine Reihe ſolcher Veränderungen folgen. Ein Pfarrer von Alsfeld ſchreibt 1233 Ailesvelt ²), eine Urkunde von 1247 hat Alsvelt ³), eine gleichzeitige wieder Ailfelt ⁴); dann ſchreibt man in Alsfeld ſelbſt 1259 Alisfelt ⁵), 1260 aber Ailesvelt; etwas ſpäter finden ſich Elsfelt, Eilesfeld und Aylisfelt; ein in der Stadt ſelbſt redigirtes Document von 1270 hat Alsfelt, aber ein anderes aus demſelben Jahre Ailsvelt; 1285, 1290 u. ſ. w. ſchrieb man daſelbſt Alsveld oder Alsvelt; ein mainziſches Transſumpt von 1292, das eine etwa hundert Jahre ältere Urkunde gibt, geht auf Adilsvelt zurück 8). Im 14. Jahrhundert finden ſich neben früheren Formen auch Elsfeld, Alsfeylt, Alsfeild, Aylsfeld, Alsfeldt und Alsfeld, im 15. Alsfelt, Elsfelt, Alßfeld und Alßvelt, im 16. meiſtens Alßfeld, Alßfeldt, Alsfelt und Alsfeldt, aber 1504 auch noch Elsfeld und Elßfelt. Eine ſonderbare Verſpätung zeigen noch in einer Urkunde von 1603 die Formen Alßvelt und Alßveldt.
Uebrigens ſind, wie die Formen, ſo auch die Deutungen verſchieden, die der Name im Lauf der Zeit erfahren hat. Nicht weniger gewaltſam als anachroniſtiſch führt ihn Sebaſtian Frank auf den Kaiſer Adolph von Naſſau zurück, ſo daß die Stadt eigentlich Adolphsfeld geheißen haben ſoll. Andere leiten ihn von dem vielen in der Stadt anſäßigen Adel ab. Winckelmann denkt an die reichen Fluren der Gemarkung und bildet ſich daraus Allesfeld, wobei er ſich auf ein lateiniſches Hochzeits⸗ gedicht bezieht, welches die Stadt mit ihren Umgebungen preißt und mit folgenden Verſen ſchließt:
Guncta, Alsfelda, tenes, vere tu gaudia ruris: Hincque tibi nomen Teutica lingua dedit*).
Drollig aber iſt die Ableitung, welche auf die Tapferkeit geht, womit die Stadt im 14. Jahr⸗ hundert gegen den Angriff des Abtes von Fulda das Feld gehalten habe. In ſeiner poetiſchen Lohrede ſagt Winckelmann:
Henrich der Abt von Fuld zog aus mit ſeinen Waffen, Vermeinte große Ding an dieſer Stadt zu ſchaffen.
Ha! Rechnung ohne Wirth,— dein Loſung war Halt'sfeld, Wiewohl er ſich einbildt', er wär' ein tapfer Held ⁵).
¹) Oberheſſiſche Ortsnamen. Archiv f. heſſ. Geſch. Bd. VII. S. 309.
²) Beurkundete Nachricht von der Commende Schiffenberg, Urk. 13.
³) Würdtwein, Dioeces. Mogunt. III. 278.
4⁴) Würdtwein III. 279.
³) Kuchenbecker XI. 143.— Fernere Verweiſungen wird man uns erlaſſen.
⁶) Original im St. A.— Würdtw. III. 279 hat ganz falſch Adilfult, und in der Ueberſchrift ſdet er Ailtfeldt. ⁷) Lobrede S. 13.
³) Ebendaſ.


