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wenn nur nicht eine vorgefaßte Meinung unerfüllbare Anforderungen an das graueſte Alterthum ſtellen will, im Ganzen weit weniger zu klagen, als bei mancher anderen Stadt von gleicher Bedeutung. Aber auch hier iſt für die erſten Zeiten Vorſicht nöthig.
Die älteſte ſichere Erwähnung Alsfeld's glaubt Nebel in den Traditiones Fuldenses(bei Schannat S. 255) zu finden. Dort ſchenkt nämlich 1058 ein Rocelin de Aldenfelt dem Altare des heiligen Bonifacius zu Fulda verſchiedene Güter zu Lüder und anderwärts. Ich weiß indeſſen nicht, was berechtigen kann, den Namen Aldenfelt auf Alsfeld zu deuten, wie Schannat und nach ihm Nebel gethan haben. Jener Name iſt ein eigner Ortsname für ſich; ein Altenfeld kommt in dem kaſſeliſchen Amte Sontra vor 1¹⁰).
Auch jenes Alehesfelt, das in den fuldiſchen Traditionen unter den Schenkungen eines Grafen Dietrich(im 11. Jahrh.) aufgeführt wird ¹1), kann, wie Wenck genügend dargethan hat ¹²), nicht füglich auf Alsfeld bezogen werden, da die ganze dort genannte Umgebung auf einen Ort in Niederheſſen hinweiſ't.
Eben ſo wenig gehört hierher der Ort Adelesfelt, der nebſt Rodeheim und Widenhart in Schannat's Text ¹³) bei einem zwiſchen dem Erzbiſchof von Mainz und dem Abt von Fulda 1069 abgeſchloſſenen Vergleiche vorkommt. Schöttgen und Kreyſſig ¹⁴), die dasſelbe Actenſtück geben, und Dronke ¹⁵), der an diplomatiſcher Genauigkeit weit über Schannat ſteht, leſen dafür Adesfelt, worin doch ohne weitere Stütze ſchwerlich Alsfeld erkannt werden kann.
Beſſer ſteht es mit dem in den fuldiſchen Traditionen etwa um 1076 erwähnten Adelesfelt ¹⁶). Ein Graf Gerhard(von Ziegenhain?) und ſeine Gemahlin Hacecha ſchenken dort dem Kloſter Fulda Güter und Zehnten in Fogetdeshagen, Wanesbach und Adelesfelt. Letzteres iſt diejenige Namensform, die auch noch in ganz ſicheren Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts von Alsfeld gebraucht wird; in den beiden anderen Ortsnamen aber laſſen ſich Localitäten der Umgegend mit hoher Wahrſcheinlichkeit erkennen. Wannbach oder Wambach heißt noch jetzt ein Theil des Waldes Homberg bei Alsfeld; Fogetdeshagen aber iſt ohne Zweifel das in einem mainziſchen Archidiaconatsregiſter des fünfzehnten Jahrhunderts dem Kirchengebiet von Kirtorf zugeſchriebene Fockinshain, ſchon 1577 eine Wüſtung, jetzt eine Waldſtelle unweit Lehrbach 1¹).
Ferner erwähnt eine Urkunde von 1292 ein vom Pfalzgrafen Konrad, der von 1156 bis 1195 regierte, an das Jacobskloſter zu Mainz geſchenktes praedium Adilsvelt ¹⁸). So ſehr die Thatſache der Schenkung an ſich gerechten Zweifeln unterliegt, ſo wenig läßt ſich verkennen, daß unter dem genannten Orte ſelbſt Alsfeld verſtanden werden muß, das dann zu Konrad's Zeit noch nicht als zur Stadt erhoben erſcheinen würde. Hiervon weiter unten.
3. Arkundliche Gewißheit.
Ddie erſte vollkommen ſichere Erwähnung von Alsfeld geſchieht in einer Urkunde vom 13. März 1222, worin Wezzilo von Nidda und deſſen Gattin Sophia dem Kloſter Arnsburg ihr Gut zu Hergeren ſchenken ¹⁰).
¹⁰) Wenck, Heſſ. Landesgeſch. II. U. B. S. 43.
¹¹) Dronke, Tradit. et antiq. Fuldens. p. 39.
¹*) A. a. O. II. S. 402.
¹3) Dioeces. Fuld. p. 252.
¹4) Script. hist. German. I. 25.
¹⁵) Cod. diplom. Fuld. 370.
¹6) Schannat, Trad. Fuld. p. 258. Dronke, Cod. dipl. Fuld. p. 371.
¹7) Wenck II. 431. Wagner, Wüſtungen S. 49.
¹8) Original im Staatsarchiv zu Darmſtadt.(Wir werden dieſes Archiv für die Folge mit„St. A.“ bezeichnen.) ¹) Glaſer, Geſchichte der St. Grünberg S. 175 f.


