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1 (1912)
Entstehung
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strahlenden Himmelsmenschen ein Antlitz, das in Jugendfrische leuchtet. Von ihm wallen glänzende, krause Locken herab, die auf Erden als Strahlen angesehen werden. Ich brauche hier nur an unsere deutsche Darstellung des Sonnengesichtes hinzuweisen, um zu zeigen, wie uralte, naive Vorstellungen selbst heute noch allerdings zu leblosem Bilde erstarrt weiterleben. Auch in der antiken Welt ist die Betonung des Sternengesichtes geläufig; bekannt sind die Planetengesichter mit den wallenden Haaren und die poetischen Fiktionen der Sterngesichter allgemein. Im Vergleich zu dem Kopf ist der Körper des Himmelsmenschen dunkel und er erfährt keine weiteren Schilderungen. Besonders war den Orientalen der Stern allgemein das Gesicht eines Him- melsbewohners, das der Erde zugekehrt war. ¹²⸗) Um aus einer einfachen Naturmythe diese ganze Vorstellung zu beleuchten, greife ich einen Teil einer amerikanischen Sage hierher. In derselben wird erzählt, wie ein junger Mann in dem Balg eines Adlers gen Himmel fliegt, dort die Tochter der Sonne heiratet und später mit ihr wieder zur Erde zurückkehrt. Seine Frau leuchtet aber so hell, daß die Menschen sie vor Glanz nicht sehen konnten.Der Mann nahm nun Blätter und wusch ihr Gesicht, damit es werde, wie das anderer Menschen, und sie gingen zum Dorfe..... Die Frau hielt sich immer im Hause und ließ sich nie sehen. Daher glaubten die Leute gar nicht, daß sie die Tochter der Sonne sei. Ein Mann sah aus Neugierde durch einen Spalt in ihr Zimmer. Sie leuchtete da so hell auf, daß sein Gesicht ganz verbrannte...¹³s²) Was uns hier in frischer blühender Phantasie entgegenlebt, ist im Altertum wohl auch im Volke geglaubt worden, wenigstens deuten darauf die Zahlreichen dichterischen Belege, in denen von dem glänzenden Antlitz der Sterne und ihren feurigen Haaren gesprochen wird. Eine Auferstehung feiert dieser Glaube bei der Erscheinung eines Kometen, in dem von naiven Betrachtern sehr oft das drohende Gesicht eines dämonischen Wesens erschaut wird. so)

Neben dem glänzenden Gesichte fallen uns besonders die blitzenden Augen gewisser Menschen auf, die der ganzen Per- sönlichkeit einen feurigen Nimbus verleihen. Es darf uns also die Erklärung der Sterne als die blitzenden Augen jener Himmels-

1³44) P. D. Chantepie de la Saussaye: Lehrbuch der Religions- geschichte Tübingen 1905 1 268. Besonders lieben es die Dichter, diese Ansicht in ihren Poemen wiederzugeben. cf. Vergil Aen. VIII 580 lucifer.. extulit os sacrum.

135) F. Boas a. O. S. 571; ähnlich wird der Mond als Frau mit weißem freundlichen Gesicht in indianischen Sagen geschildert: Tylor a. O. I 285.

136) Nähere Belege habe ich gegeben R. V. V. III 2, S. 107 u. 206; ferner Blätt. f. hess. Volksk. VII 2, 84 f.