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Schlusse hält der Stern eine längere Ansprache an die Gäste, worin sehr typisch die Worte sind:
691 Brüder, weint um Salmes willen, Weint, ihr wackern Wiekschen Mädchen, Salme soll entrückt euch werden, Weilen wird sie hinter Wolken, Glänzen als Maid der Abendröte, Wird gen Himmel hoch erhoben.
Im Windhauch sendet sie Grüße von dort her ihren An- gehörigen, ihre Abschiedstränen sind die Regentropfen, Tau ihr Trennungsgram.
Wie reihen sich hier nun die Erklärungen über das Wesen der Sternschnuppen ein? Wird der ganze Himmelsmensch leuch- tend gedacht, so muß eine Sternschnuppe ein kranker, sterbender Himmelsbewohner sein. Wir finden diese Gedankenreihe nur ganz selten so konsequent durchdacht. ¹³⁰) Außerhalb derselben steht die Deutung als heiratender Stern; sie findet sich im Kaukasus bei den Ischetschenen. ¹³*¹) Oefters begegnen wir der hierher ebenfalls passenden Erklärung als neugeborener Stern, Sternkind. ¹³²) Beliebt ist es, dieselben auch als Auswurf der Sterne aufzufassen. So werden sie direkt Sternexkrement ge- nannt, oder man denkt sich den Speichel derselben darunter. ¹²³) Wir haben ja eine ganz ähnliche Vorstellung, wenn wir sprechen: Die Sterne schnäutzen, räuspern sich. Darin liegt ja auch die Idee von den sich reinigenden Himmelsbewohnern.
Die anthropomorphe Gestalt veranlaßt ferner eine nähere Un- tersuchung über das Aussehen der Himmelsmenschen und die Ursache ihres Glanzes. Ein Mensch glänzt nicht in der Ferne, wohl aber die in der Höhe lebenden Himmelsmenschen. Die Frage nach der Ursache des Glanzes ist von den verschiedenen Völkern in bunten Varianten beantwortet worden, von denen ich als besonders charakteristisch folgende hervorhebe. Das Gesicht des Jünglings glänzt in Jugendfrische, das des Mannes, des Greises hat den frischen Jugendglanz eingebüßt. Mithin haben die immer wiederkehrenden und mit gleichem Glanze
130) Seidel, Zeitschr. f. afrikan., ozean. u. ostasiat. Sprachen IV 1802 S. 194 ib. S. 163.— Frazer a. O. II 21.
131) A. Dirr, die alte Relig. d. Isch.= Anthropos III 1908 S. 1072.— Ueber die Gleichstellung mit herabfahrenden Sterngeistern u. Menschenseelen wird in han. II u. III näher zu sprechen sein.
13²) Ehrenreich, Die Mythen u. Legenden der südamerikan. Urvölker. Berlin 1905 S. 22.
133) Andrée, a. O. 103, darauf deutet wohl auch die Benennung: Jana guézka spunntra= ausgespuckter Stern bei W. v. Schulenburg, Wen- disches Volkstum, Berlin 1802 S. 167.


