eine gelbe Feder und in seiner Hand einen Wachholderzweig, an dem ein Spinngewebe herabhing. Er war groß und schlank und sein Haar war lang und glänzend. Seine schönen Kleider waren aus weichgegerbtem Leder und ihnen entströmte ein Wohl- geruch wie von Balsamtannen und duftendem Grase.“ Er führt sie in den Himmel, wo sie mit reichen Kleidern aus Elchleder und mit Armschmuck aus Elchzähnen beschenkt wird. Aber sie überschreitet das Verbot, eine bestimmte Pflanze auszugraben. Sie entfernt dieselbe neugierig, und wo die Pflanze vorher stand, ist eine Oeffnung im Himmelsboden entstanden, durch die sie ihre Angehörigen auf Erden sieht. Krank vor Sehnsucht und Heimweh wird sie mit ihrem Kinde aus dem Himmel herab- gelassen. In größter Armut und Seelenqual stirbt sie dort, denn die Sehnsucht nach ihrem Gemahl verzehrt sie; obwohl sie von den höchsten Felsen aus denselben jeden Morgen begrüßt und ihn wiederzugewinnen sucht, bleibt er ihr fern. Ihr Sohn hat eine breite Narbe auf der Stirne und muß bitteren Schimpf deswegen von den Menschen erfahren. Er kommt, wie wir oben schon geschildert haben, ins Himmelsland und wird dort von der entstellenden Narbe befreit. Nach mancherlei Ge- fahren und Abenteuern wird er von seinem Vater auf dem Wolfspfad(= Milchstraße) zur Erde hinabgeführt, gewinnt und heiratet die Geliebte, die ihn vorher schnöde von sich gewiesen hatte. Später kehrt er mit ihr in den Himmel zurück. Der Sonnengott macht ihn strahlend schön, wie den Morgenstern selbst. Oft wandern die beiden viele Jahre getrennt, bis sie wieder zusammen kommen, dann sieht man den Sternknaben (= Planet Jupiter) zuerst am Morgenhimmel erscheinen, ihm folgt sein Vater, der Morgenstern, und zuletzt kommt sein Groß- vater, die Sonne. ¹²6)
Neben dem Morgenstern werden nur selten andere Sterne direkt als Väter von Menschen genannt. Doch finden sich auch Beispiele dafür. So sind die Plejaden die Urväter verschie- dener Stämme Süd-Amerikas, die infolgedessen göttliche Ver- ehrung genießen. ¹²) Auch die sieben hellen Sterne des großen Bären werden des öfteren als Stammväter genannt, ebenso wird der Planet Jupiter und Mars wiederholt mit menschlichen Wei- bern in Verbindung gebracht. Einen lieben Einblick in diese naiven Vorstellungen gibt uns eine Sage aus Britisch-Columbien, wo zwei Frauen auf ihren heißen Wunsch hin von den Planeten Mars und Jupiter in den Himmel geholt und deren Frauen werden.
¹1²6) Clintock a. O. S. 611 ff.— Weitere Sagen über Morgenstern- Söhne und ihre Heldentaten in American Folklore XXI(1908). 1²7) Revue des tradit. popul. XXI(1906) 233.—


