— 42—
ihrer Persönlichkeit: jener Sternenmensch muß ewig jung und entsprechend seines Glanzes schöner und glänzender gekleidet sein als die sterblichen Menschen. Somit muß die Erscheinung eines hervorragend schönen Menschen ihn mit den Sternen in Zusammenhang bringen, wenn in einem Volke der anthro- pomorphe Sternprozeß soweit gekommen ist. Spuren davon haben wir noch bei Homer. Denn wenn Achill Ilias V, 5 mit dem Sirius verglichen wird, so liegt wohl eine ähnliche Idee schon zugrunde, wie wir sie in der späteren Literatur so oft wieder- finden, daß hervorragend schöne Menschen Stern genannt oder mit ihnen verglichen werden. Das reizende, Plato zugeschrie- bene Wort:
aoréα eloεεα dοip c. Eide Tevoiνν
05 Oc daoh, elc ds SAG. 119) gibt uns die Gleichsetzung eines hervorragend schönen Men- schen mit einem glänzenden(menschenartig gedachten) Stern sehr hübsch wieder, ebenso das folgende:
Aorhp npty bey Rahns« Syt S0O2t EGSOX
„dy ds davd Adeir Eonspo é εενοο⁵ες.1²0⁰)
Besonders die Römer nehmen diese Gleichstellung von Stern und Mensch auf und verwerten ihn mit Vorliebe als Schmeichelei der Kaiser. ¹21) Wir erkennen dieselbe Idee wieder, wenn hervorragend hnübsche Menschen den Namen Aster, Asterius, Stella erhalten. Dieses war übrigens auch dem jüdischen Volke sehr geläufig; ich erinnere an die Prophezeiung:„Es wird ein Stern aus juda aufgehen“, und an den beliebten Familiennamen„Stern“ unserer deutschen Juden. Aus der Geschichte genugsam bekannt ist ja auch die Figur des Messias Barkochba= Sohn des Sternes. Auch sonst spielen die Sterne als Schönheitssymbol eine große Rolle in der Literatur der südlichen Völker und dann in Volksmärchen und Liedern über- haupt. St. Prato¹²²) hat eine sehr reiche Zusammenstellung darüber gegeben, hauptsächlich mit Berücksichtigung der ita- lienischen Volkspoesie; es dürfte sich verlohnen, hierin ge- legentlich den Blick aus anderen Parallelen noch zu erweitern. Aber die Phantasie beschränkt sich nicht mit der ein-
fachen Tatsache, daß die menschenartigen Astralgeister
¹¹⁹) Anthol. Pal. VII 650 vgl. damit E. Legrand, Chansons populaires grecques 1873, VII 4.
5 357) ib. 670; ähnlich 607; V 21, 156. IX 102. Anacr. II 53(Bergk P. L. Cr.
1²¹) So nennt z. B. Manilius I 384 den Augustus sidus.
¹²²) Sonne, Mond und Sterne als Schönheitssymbole= Zeitschr. des Vereins für Volksk. V 1895 S. 363 ff. VI 1896 S. 24 ff.


