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1 (1912)
Entstehung
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Tiere ausdenkt, sondern sie den irdischen Vierfüßlern gleichsetzt. In unserem deutschen Sprachschatze lebt als sehr gangbare Stern- bildbezeichnung der Hund, der Bär, der Drache, Widder, Stier, Krebs, Löwe; die Römer sahen suculae(Schweinchen), septen- triones(7 Ochsen), canicula(Hund), die Griechen ebenfalls sieben Ochsen,s¹) Schweinchen und den Hund am Himmel, anderen Völ- kern sind die Sterne samt und sonders Tiere, z. B. Jjaguare, Hirsche, Flöhe, Schafe, Hunde, Wölfe und was die kindliche Einbildung alles sonst zurechtsinnen kann. Für uns ist der Hund am Himmel, der Bär, die Gluckhenne usw. ein lebloser Begriff, mit dem unsere Phantasie sich nicht mehr zurechtfinden kann; ebenso waren für die Römer und Griechen in der klassischen Zeit ihrer Sprache ihre altüberkommenen Tiernamen für bestimmte hervorragende Sterne und Sterngruppen völlig inhaltlose Bezeichnungen, und ihre gelehrten Sprachforscher haben zu den wunderlichsten Mitteln ihre Zuflucht genommen, um den toten Worten Leben und Sinn einzuhauchen. Wenn aber in der Kinderstube den Kleinen bei geöffnetem Fenster das Lied gesungen wird:Wer hat die schönsten Schäfchen, die hat der goldne Mond und gleich darauf die weitere Ausführung kommt:Die Sterne sind die Lämmerlein, der Mond, der ist das Schäferlein, wenn dann das Kinderauge hinauf in den flimmernden Nachthimmel fliegt, So verändert sich sofort das Himmelsbild in dem kindlichen Köpfchen, und in leuchtenden Farben sieht das Kind auf der fernen blauen Himmelswiese die lichten, weißen Schäfchen einher- ziehen, über die der freundliche Schäfer Mond mit dem lieben großen Gesicht sorgsame Himmelswacht hält, damit ihnen ja kein Unheil geschieht. Und mit liebevoller Aufmerksamkeit strahlt das Kindesauge hinauf auf die weißen Sternenschäfchen und weiß genau zu verfolgen, wie eben eines ganz weit gesprun- gen, ein anderes plötzlich aber verschwunden ist. Wir ziehen die Parallele von der Kinderstube hinaus zu den Naturvölkern, die ja in der Geschichte der Entwickelung der Menschheit wirk- lich noch Kinder sind und auf dem Standpunkte unserer Kinder- anschauungen stehen bleiben, weil ihnen niemand eine tiefere und höhere Idee zunächst gibt. Sieht der Naturmensch tags- über vom Berge aus in ferner Ebene weidendes Vieh oder irgend ein Rudel wilder Tiere, so erscheinen ihm die Tiere wie punkt- artige Wesen, in dem einzelnen Tiere schrumpfen die bestimmten

84) Der Name selbst ist in der klassischen Zeit nicht mehr erhalten. Daß er aber in dem alten Himmelsbild vorhanden war, zeigt uns das in der Nähe stehende Sternbild Bootes: Ochsenhirt. Vielleicht ist in dem Namen Helike noch die verstümmelte Form der alten Bezeichnung kXcæec Böec erhalten; näheres habe ich unter Helike in Pauly Wissowa dargetan.