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1 (1912)
Entstehung
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die Regenwasser zurückgehalten, die bei Gelegenheit durch Schleusen zur Erde stürzen.¹²) Das ist heute noch in unserem Volke lebendig, ich verweise auf die Redensart: Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet; sie geht auf die Erzählung der Sintflutsage, Gen. 7, 11 und 8, 2, zurück, wo neben den Quellen des großen Abgrunds die Schleusen des Himmels das Wasser über die Erde senden. In diesem Himmelsmeere werden wieder besondere Ströme fixiert, unter denen eine besondere Rolle selbst- redend die Milchstraße spielt, die z. B. als der himmlische Nil, der himmlische Ganges bezeichnet wird.²²) Die Erklärung der Sterne bereitet insofern Schwierigkeiten in diesem Ideenkreise, als man Feuerkörper nicht im Wasser schwimmen lassen konnte. Wir treffen mithin auf einer bereits höheren Stufe die Stern- auffassung dieser Völker: Göttliche Wesen fahren in Schiffen auf diesem nächtlichen Meere einher. Das Licht, das wir senten, ist ein strahlenförmiges Feuer, das auf ihrem Haupte glänzt oder eine Fackel oder Laterne, die sie tragen, um ihre Fahrt zu er- leuchten. Eine naivere Form dagegen stellt die Sterne als gol- dene Himmelsfische dar oder als leuchtende Kähne. Vielleicht ist in dem Zodiacalzeichen der Fische noch ein Ueberrest aus einer derartigen uralten, volkstümlichen Auffassung erhalten. 3⁴) Natürlich ist Griechen und Römern das orientalische Weltbild bald bekannt gewesen, es hat aber die vorhandene Volksanschauung nicht verdrängen können, sporadisch tauchen bei gelehrten Poeten in der Schilderung der Milchstraße Anspielungen auf diese Fremdware auf, volkstümlich sind sie nie gewesen.) Dasselbe gilt auch von unserem deutschen Volksglauben, der von diesen Anschauungen keinerlei Befruchtung erfahren hat. Auch hier sind es wieder gelehrte Dichter, die das Fremdgut verwerten und besonders auf den Mondkahn oder das Sonnenschiff anwenden,⁸) die am Himmel dahinziehen. Die letzte Ansicht, die wir hier ebenfalls nur zu streifen haben, ist auch im Orient aufgewachsen; danach ist der Himmel kein festes Gewölbe, sondern ein ganz feines, tuchartiges Gewebe, das wie ein Zelttuch über die Erde

62) Gen. I 6f.: Da machte Gott die Veste und schied das Wasser unter der Veste von dem Wasser über der Veste. Und es geschahe also. Und Gott nannte die Veste Himmel. Aehnlich Psalm 104, 3 vgl. GC. Schia- per 8. 11 Die Astronomie im alten Testament, übers. v. W. Lüdtke, Gießen 2 Mélusine II 156 f. Revue des trad. popul. XXI 382.

64) Nach dem Glauben der Kalmücken und einer Reihe südasiatischer Völker S. Oöttingisches Pistorisches Magazin I(1787) 100.

65) Z. B. Julian. orat. V p. 214, 10 H., Plin. nat. hist. XVIII 280, Martian. Capella II 207 Claudian. XXVIII 173. Im Neugriechischen ist der Himmels- strom auch vorhanden. N. Politis pelérat mepi ro? Siod ve ie Gcene o EMNTvzO Adoo II 822.

66) Belege bei Schwartz a. O. S. II ff.