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Loch wird als wirklicher Stern gedacht neben den mit allen menschlichen Zügen ausgemalten Astralgeistern, die im Him- melsland leben und von dort punktartig herabglänzen.
Ebenso fließen die Grenzen von rein naturalistischen und animistischen Motiven in einander über, wenn das Feuer der Sterne nicht von irgend einem Feuerglanze hinter dem Gewölbe hergenommen wird, sondern sie in irgend eine Beziehung zu den größten Himmelskörpern, Sonne und Mond, gestellt werden. Diese Zusammenstellung ist in animistischem Sinne sehr erwei- terungsfähig, in rein materieller Hinsicht dagegen ziemlich rasch erschöpft und auch verhältnismäßig selten ausgesprochen. Trotz- dem verdient auch dieser réwo der naiven Gestirnerklärung hier eine kurze Erwähnung. Bei den Alten sind die Sterne mit Sonne und Mond meist nur in philosophischen Spekulationen in Verbindung gebracht worden in Rücksicht auf ihre ähnliche, feurige Zusammensetzung oder auf die Erklärung der Herkunft der Sterne aus Sonne und Mond als den eigentlichen Ursubstanzen. In kindlicher Weise wird diese Erklärungsursache gegeben, wenn die Sterne entweder als junge Sonnen gedacht werden, die all- mählich zur Tagessonne heranwachsen, oder einer alten zer- schlagenen, daneben auch zu kleinen Funken herabgebrannten Sonne ihren Ursprung verdanken. 5²)
Im Altertum tritt uns hauptsächlich im Sirius diese Gleich- stellung von Sonne und Stern entgegen. Hierauf weist schon sein Name, denn deioio kann sowohl den iundsstern als auch die Sonne bezeichnen und wird auch in dieser doppelten Be- zeichnung verwandt. 5³)
Die Ansicht, daß die Sonne oder der Mond nach gewissen Zeiten sterben oder in Stücke zerspringen, treffen wir im deut- schen und französischen Volksglauben. Folgerichtig wird sie weiter dahin ausgebaut, daß in den Sternen eine unermeßlich reiche Reserve junger Sonnen und neuer Monde zur Verfügung steht, die langsam dazu heranwachsen.5⁴) Dies drückt uns deutlich die Bezeichnung„Neumond“ aus, d. h. ein neuer Mond wächst auf, der letzte ist tot. Umgekehrt aber liegt auch der Gedanke
52) Wesensverwandt ist der Glaube, nicht jeden Tag kommt dieselbe Sonne, sondern eine ganz neue Sonne entsteht und verlischt tagtäglich: Usener, Cötternamen 288; L. Frobenius, Weltanschauung der Natur- Pöhsr mn Belirage zur Volks- und Völkerkunde VI 1898 S. 284; Bechstein a. O.— 1—
53) Vgl. Thes. l. gr. s. v. Ebenso heißen Sonne und Mond auch darip — 5 Per. stella— sidus, Tagesstern— Nachtgestirn, l'astre du jour u. a.; man sehe die zuständigen Lexica daraufhin nach.
54) Darum heißen die Sterne auch junge Sonnen: Grimm a. O. S. 586; W. Schwartz, Die poetischen Naturanschauungen der Griechen, Römer und Deutschen, Berlin 1864. I 155.


