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1 (1912)
Entstehung
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man heute noch vielfach, z. B. in Belgien und in Deutschland, daß im Gewitter plötzlich der Himmel aufbricht, und durch die Himmelsspalte das lichte Feuer des Paradieses im Blitze hervor- stürzt.4¹4) Wird nun dieser Blitzesglauben weiter konsequent durchdacht, so kommt die Theorie zustande, daß auch die Sterne an sich gar keine Feuerkörper sind, sondern Oeffnungen im Ge- wölbe. Im Altertum spielt nun besonders im Wunderglauben gerade die plötzliche Oeffnung des Himmels und das Sichtbar- werden des Urfeuers eine bedeutende Rolle, aber die weitere Ausgestaltung und Uebertragung dieses Gedankens auf die Sterne ist kaum gegeben worden. Etwas Aehnliches meint wohl Dioge- nes von Apollonia, wenn er aus den Löchern der bimsteinartigen Sterne das Feuer des Kosmos herauslodern läßt.) Für die Pythagoreer war die Milchstraße ein Riß im Himmelsgewölbe, durch den das Urfeuer in das Weltall kreisförmig hereinlohte. 4⁰) Andererseits wird sie als der nicht fest schließende Zusammen- schluß der beiden Halbkugeln gedacht, die das Weltganze um- fassen, oder es hat sich nach anderer Theorie ihre Verbindung nachträglich gelockert; durch den Riß bricht das Urfeuer in den Kosmos hindurch.4*) Doch verlieren wir uns bereits in philosophische Dogmen, die hier nur zur IIlustrierung der ganzen an sich doch sehr primitiven Vorstellung dienen mögen. Als lebendigen Volksglauben finden wir die Sternlöcher in Schwaben, wo sie wirklich als Löcher im Boden der Himmelsdecke betrachtet werden. Der Glanz kommt von oben heraus, ist allerdings be- reits in christlichem Sinne so gedacht, daß das Licht von dem Glanze kommt, den die Himmlischen zeitweise auf die Löcher werfen, wenn sie darüber hinweggehen.4s) Als weiteren sehr hübschen Beleg für diese Anschauung gebe ich eine Bemerkung

44) P. Sébillot in Revue des tradit. popul. 17. S. 272 f.; wer aller- dings wagt, schärfer hineinzublicken, wird sofort mit Blindheit gestraft. Es findet sich dann auch die christliche Erweiterung, daß man bei genauem Zusehen die Jungfrau Maria oben im Paradies sitzen sieht. Ebenso glauben die Wenden, daß sich beim Blitz der Himmel öffnet: man könnte die Englein sitzen sehen, wenn nicht der Blitz das Auge blendete. Nur wer an einem Sonntage geboren ist, 12 Uhr mittags, kann hineinsehen, doch muß es seinerzeit in dem Augenblick geblitzt haben, da er zur Welt kam. O. Knopp, Die Himmels- und Naturerscheinungen in der Anschauung des kujawischen Volkes. Hess. Blätter f. Volkskunde III 2(1904) S. 124.

45) Diels, Vorsokrat, S. 330, 12:llꝓꝓρ εε* äorpa Stianvod« d? aöra voHiget ron? 26O9. elvat ½ 5iαοpa. 11ABotekh Philolaos 90. Zeller, Gesch. der griech. Philosophie

47) Theophrast ist der Urheber dieser Doctrin. cf. Zeller a. O. II 23³ 836. 1. Manil. I 723, Achill. Isag. 24 p. 55 Maaß, Macrob. Somm. Scip. I 15. 4. Als Himmelsspalte gilt sie auch bei den Mohammedanern. cf. Revue des trad. popul. 15. S. 55.

4) Birlinger a. O. 1 S. 180 N. 200, 5.