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verbreitete Sympathieglaube zwischen Stern und Mensch wird uns an anderer Stelle weiter beschäftigen.
Auch in der antiken Erklärung der Sternschnuppen, daß sie entweder abbrennende und vom Winde aus ihrem Platze weg- geblasene Sterne oder Sternfunken sind,*?*) haben wir dieselbe Vorstellung zu Grunde liegen, wie unser Volk sie vielfach mit denselben verknüpft. Besondere Ausgestaltung hat in dieser rein materiellen Sternerklärung die Kometenerscheinung erhalten. So wird der Komet von Griechen und Römern, sowie auch im Mittelalter und der Neuzeit hauptsächlich als eine Flamme auf- gefaßt, die plötzlich am Himmel angezündet wurde, eine zeitlang brennt und dann wieder erlischt.4²) Das bringen die jeweiligen Benennungen Fackel, Lampe, Kerze, brennende Rute u. ä. mehr hinreichend zum Ausdruck. Bei ihm wird dem Himmelsgewölbe die weitere Ausgestaltung gegeben, daß sich in demselben Fenster befinden, durch die Gott die furchtbare Fackel zur Erde herunter- hängt, um die Menschen zu erschrecken; wir treffen diese Ge- staltung des Firmaments nach jüdischem Vorbilde besonders in dem Volksglauben des 16. und 17. Jahrhunderts, er ist in den meisten Kometenschriften dieser Zeit deutlich ausgeprägt.
Die ganze naive Vorstellung, daß Himmelslichter an dem Fir- mament aufgesteckt sind und dort langsam abbrennen oder vom Himmel lampenartig herabhängen, läßt eine bunte Umgestaltung zu, sobald man sie besonderen Wesen in die Hand gibt, die mit ihnen am Himmel einherwandern. Da hierbei aber bereits anthro- pomorphe und vielfach religiöse Motive unterlaufen, wollen wir ihre eingehendere Betrachtung hier ausschalten und für§ 3 und Kapitel 2 aufsparen.
Wir haben einer weiteren primitiven Sternerklärung zu ge- denken, die ebenfalls den festen Himmel zur Voraussetzung hat, nämlich der Auffassung, daß die Gestirne überhaupt keine festen Körper sind, sondern Löcher im Firmamente, durch die ein überirdisches Licht herausstrahlt. Eine längere Beobachtung des Blitzes legt die Vermutung nahe, daß plötzlich das Himmels- gewölbe auseinandergerissen wird, und daß das Blitzfeuer aus einem ganz besonderen Feuermeere, das hinter dem Gewölbe lodert, herausbricht und zur Erde herunterzüngelt. So glaubt
4²) Achill. Tatius Isagoge 34= Comment. in Arat. rell. ed. Maass p. 69, 13 ff. Theocrit XIII 51 u. die Scholien dazu. Aehnlich Vergil Georg. I 366 und Seneca Phaedra 7390. Weiteres habe ich zusammengestellt in meiner Arbeit: de stellarum appellatione et religione Romana= Religionsgesch. Vers. und Vorarb. Herausg. von A. Dieterich und R. Wünsch III 2, S. 231.
43) Z. B. wendet sich M. P. Crüger, Uranodromus cometicus, Dantzig 1619, S. 64 energisch gegen die Anadt. Die Kometen, wenn sie verloschen, geben sie nicht anders als ein ausgelöschtes Licht einen stinkenden Dunst, welcher die Lufft vergifftet, darauß Krankheiten und Pest entstehen.


