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einem jungen Theologen gegebensd¹) wurde:„ein Komet ist eine sehr künstliche, von dem großen Künstler, dem allweisen Gott, mit dem Pensel seiner Allmacht eingedunkt in die Farb der Natur an der blaugewelbten Wandung des gestirnten Hauses, an einem guldigen Nagel aufgesteckte gemalte Ruhten.“ An eine Auftragung von Farbe an das Himmelsgewölbe erinnert übrigens auch die bei uns heute noch geläufige Benennung der Milchstraße, die wir von den Griechen übernommen haben. In diesem Sinne werden wir wohl die Erklärung der griechischen Bezeichnung ο τeμάὀ— zu geben haben. Man bezeichnete dadurch den milchfarbenen Kreis, der sich quer über den Himmel zieht, daß man ihn einfach nach seiner Farbe benannte; später holte man die tiefen Erklärungen von himmlischer Milch herbei, als man sich mit der simplen Anschauung des milchartig an dem Firmament aufgemalten Kreises nicht mehr abfinden konnte. Auch die aus dem Orient herrührende Auffassung des gestirnten Himmels als eine geheime Schrift in Buchstabenformen, die nur besonders begnadete Menschen lesen und zu Nutz und Frommen der Menschheit erklären können, hat als Ursprung die Idee, daß die Sterne am Gewölbe angemalt waren. ³)
Weit mehr Anklang fand und findet heute noch der Glaube, daß nicht totes Material vom Gewölbe herabglänzt, sondern daß Flammen, Lichter dort oben brennen und zu uns herunter- leuchten. Wir finden diese Gleichsetzung bei den Griechen, welche die übliche Bezeichnung dorip und äorpov gern mit ꝓν6ε, οαςα, n ALahndc umgehen, bei den Römern, wenn sie das wesen- und leb- lose stella mit ignis, flamma, lux umschreiben, und in un-— serem deutschen Sprachgebrauch, wenn wir von den Him- melslichtern, Himmelskerzen, Himmelsfackeln sprechen. Aus dieser Sternensubstanz heraus schafft sich die Phantasie zur Erklärung der Natur und des Wirkens der Himmels- körper die mannigfaltigsten Deutungen. Die unterste Stufe in dieser Entwicklungsreihe betrachtet den Stern als kleinen Lichtfunken, der von der Erde aus in die Höhe geworfen wurde und dann oben an der Himmelsdecke weiter glimmt. So er- zählen die Buschmänner,sc) ein Mädchen von dem früheren Volke, das vor den Buschmännern das Land inne hatte, wollte Licht
³⁴) R. Wolf, Geschichte der Astronomie= Gesch. d. Wiss. in Deutschl. XVI, 1877 S. 184.
35) Harrsdörffer, Mathematische und philosophische Erquickungsstunden. II. Nürnberg 1677. S. 278 ff., Jensen, Kosmologie der Babylonier 45 f. Die Buchstaben, die man sich aus den Sternen zusammenreimte, sind be- sonders im Zauber verwertet worden, ausführliches darüber bei R. Wünsch, Antikes Zaubergerät aus Pergamon.
36) F. Ratzel, Völkerkunde, Leipzig 1886, I. 76.


