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Nicht als Nägel, sondern als aufgenagelte Goldplättchen werden sie ferner von vielen Völkern aufgefaßt. Sehr hübsch hat diese Ansicht Heine wiedergegeben, wenn er Nordsee 7 sagt:
Betörter Geselle Dein Arm ist kurz, und der Himmel ist weit, Und die Sterne droben sind festgenagelt Mit goldenen Nägeln.
Fallen sie herab, so kommen sie in Gold- oder Silberstücken zur Erde nieder und bringen dem Finder Glück. Gerade dieser Aberglauben, daß die Sternschnuppen Goldstücke sind, ist weit verbreitet. Er tritt uns in seiner naiven Form lebendig z. B. in dem bekannten Märchen von den Sterntalern entgegen. Nach- dem in demselben das Kind alles weggegeben hatte,„fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter harte, blanke Taler: und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues von allerfeinstem Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein...“²*) Auch die sogenannten Regenbogen- oder Himmelringschüsselchen illustrieren uns diesen Glauben von den herabgefallenen goldenen Sternen. Sie heißen in unserem Volke auch Sternschossen; es sind die bekannten dicken Goldmünzen, die sich in den meisten Museen finden, und keltischen, z. T. auch phönikischen und hellenistischen Ursprung haben. Ihr Name „Sternschossen“ zeigt uns, daß sie mit herabgefallenen Sternen identifiziert wurden.²²*) Auch im belgischen Volksglauben stoßen wir auf die Gleichsetzung der Sterne mit Goldstücken,²²) und in den franzöõsischen Rätseln:„des pièces d'or qu'’on ne saurait ramasser“ und:„des pièces de monnaie qu'on ne saurait compter“²⁴) steckt dieselbe Auffassung.
Kein großer Unterschied besteht andererseits in der Er- klärung der Sterne als goldene Schilde, wie wir sie z. B. in der Edda antreffen. ²*) Auch in Naturmythen, in denen ein Ersatz für die Sonne oder die Sterne durch goldene Scheiben gesucht wird, stoßen wir öfters auf diesen Gedanken. So schmiedet Ilmarinen einen Mond aus Gold, eine Sonne aus Silber und bringt den Mond zum Fichtenwipfel, zu der Tannenspitze die Sonne. ²) Aehnlich verfertigt in einem japanischen Märchen der Himmelschmied aus besonders kostbarem Metall der Himmels- bergwerke eine neue Sonnen- und Mondscheibe, um die geraubten
21¹) Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen 1843 II S. 317 f. 22) L. Bechstein a. O.§. 87.
2³) Revue des tradit. Ponu 17(1902) S. 573.
2⁴) Wallonia 17 S. 230 und Revue des tradit. popul. 17 S. 373. 25) J. Grimm, Deutsche Mythologie 1876 4 a. II 583, 585.
26) Kalewala 49 Rune v. 35 ff.


