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festen Himmel läßt eigentlich erwarten, daß wir auch auf dieselbe entsprechende Sternvorstellung bei beiden Völkern und den Indo- germanen überhaupt stoßen müssen. Tatsächlich führt die Be- zeichnung, die die Abkömmlinge derselben für Stern ge- brauchen,¹²) auf dieselbe Wurzel„ster“, die man in dem griechischen eropénvont und lateinischen sternere wiedererkennen will. Was aber ursprünglich darunter verstanden wurde, läßt sich heute nicht mehr feststellen, vielleicht brachte das Wort die in später Zeit bei den meisten Völkern noch erhaltene Vorstel- lung von den am Himmel ausgestreuten festen Sternkörpern zum Ausdruck. jedenfalls muß der Name in irgendwelchem Zu- sammenhang mit der uralten Vorstellung von der festen Him- melsdecke gestanden haben. Eine Beobachtung über räumliche Trennung der Einzelsterne nach oben und unten ist dabei aus- zuschalten, dieselben liegen gemeinsam auf derselben gewölbten Fläche ohne jeglichen Höhenzwischenraum. Aus den ältesten Namen der Sternbilder gewinnen wir ebenfalls keinen Anhalt zur Wiederherstellung der mit dem idg. Worte für Stern ver- bundenen Anschauungen. Aus den naiven Ideen aber, die heute noch in den Abkömmlingen der Indogermanen volkstümlichen Wert und Anerkennung haben und auch schon bei den früheren Generationen hatten, ferner aus den damit völlig gleichzusetzen- den Weltanschauungen der Naturvölker, können wir als älteste Auffassung festlegen, daß die Sterne wie auch der Himmel selbst aus ehernem Material sind. Hierbei stelle ich folgende Ideen als gleichwertig nebeneinander:
1. Sie sind am Himmel angeschlagen— vielleicht um den Himmel am Herunterfallen zu hindern—, sinnlich vergleichbar mit Nägeln, Schilden, Pflöcken, Knöpfen;
2. Nüsse, Aepfel oder sonstige Früchte hängen vom Firma- mente wie von dem Geäste eines gewaltigen Baumriesens herab;
3. Blumen stehen auf dem wiesenartig vorgestellten Him- melsboden;
4. Nicht wirkliche Körper blinken zu uns herunter, sondern sie sind mit besonders lichter Farbe aufgemalt, wie z. B. in den Tempeln oder sonstigen Kuppelgewölben Sterne aufgetragen sind.
Ihre Größe wird bei dieser primitiven Vorstellung nicht be- sonders beachtet: sie sind punktartig, so wie sie vom Himmel dem bloßen Auge erscheinen. Sie bestehen aber aus besonders edlem, leuchtendem Metall, hauptsächlich aus Gold oder Silber.
¹³) Vergl. O. Schrader, Reallex. der indogermanischen Altertums- kunde. Straßburg 1901, S. 826, A. Walde, Latein. Etymol. Wörterbuch s. v. stella.— Auf semitische Entlehnung von Istar denken Zimmern und Hirt. s. H. Hirt, Etymologie der neuhochdeutschen Sprache= Matthias Hdb. d. deutsch. Unterrichts IV 2 S. 93.


