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1 (1912)
Entstehung
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Behauptung, dort sei gesegnetes Land: denn dort sei der Himmel durchbohrt, also sei immer der dort so notwendige Regen zu er- warten(IV 158). Auch die Deutung der Milchstraße als Sonnen- straße hat das metallene Himmelsgewölbe zur Voraussetzung: auf ihrer täglichen Bahn, die die Sonne am Himmel hinrollt, glüht sie den ihr zunächst liegenden Himmelsstrich derart aus, daß er zur Nachtzeit in dem matten Lichte, wie wir es in der Milchstraße beobachten, weiter leuchtet;²) wie jede irdische Me- tallmasse weiter glüht, nachdem sie durch Feuer intensiv er- hitzt wurde, so glänzt das von der Sonne erhitzte Himmelsmetall als Milchstraße zur Nachtzeit. Die blaue Färbung desselben am Tage rechtfertigt den Glauben, denn Bronze wird, wie die ein- fache Erfahrung lehrt, mit der Zeit grünlichblau, wie das Himmels- gewölbe tagsüber erscheint.) Den Römern war eine ähnliche Anschauung geläufig, so spricht Ennius von dem laut dröhnen- den Himmelsschild(fr. X. v. 215 Vahl.), Ovid(Met. I 73) von dem Himmelsboden und Aelius Stilo hätte wohl die obige Etymologie nicht geben können, wenn er nicht eine entsprechende volkstüm- liche Vorstellung vorgefunden hätte. Von einem eisernen Himmel sprechen die Aegypter und die Inder;?) auch in der späteren jüdischen Weltanschauung treffen wir diese Idee. S0 heißt es in der griechischen Apokalypse des Baruch II 3 von den Er- bauern des Turmes zu Babel:Und sie nahmen einen Bohrer und bemühten sich, den Himmel anzubohren, indem sie sagten: laßt uns sehen, ob der Himmel tönern ist oder ehern oder eisern. Ebenso spielt in der nordischen Mythologie das eiserne Himmelsgewölbe eine Rolle. So sagt in der Kalewalas) Wäinä- möinen von Ilmarinen:

5) Nach Metrodorus bei Plut. plac. phil. III 1, Stob. Anth. I 574,3. Später hat diese Anschauung besonderen volkstümlichen Wert erhalten s. Beda de nat. rer. XVIII lacteus circulus quem vulgo dicunt ex splendore solis in eo currentis ita fulgere. Isidor. orig. III 45,1; weiteres in meiner Ausführung über galaxias bei Pauly Wissowa. Auch die Sagengestalt des Himmels- trägers Atlas zeigt uns den griechischen Volksglauben vom festen Himmels- dach: ursprünglich war sie wohl aus dem einfachen Gedanken herausgewach- Len Sa der Himmel am Ende der Erde auf hohen Bergesspitzen aufsteht 8..

6) Es gehört wohl zu derselben Grundanschauung, wenn Hlomer daneben auch von dem eisernen Himmel spricht: Odyssee XV 320, XVII 565. Dieser ganzen griechischen Weltauffassung entspricht z. B. die des esthnischen Epos Kalewipoeg. Aehnlich wie jupiter rollt hier der alte Pitker oder Aike selbst in seinem Wagen mit Kupferrädern über die eiserne Himmelsbrücke, Gesang XX 726 W. Löwe-Reiman, Reval 1900 S. 262.

1 911) 1. Robert Eisler, Weltenmantel und Himmelszelt, München 1910. 31. 8) Deutsch von A. Schiefner, Helsingfors 1852 Rune 7 v. 334 ff.; vgl. Rune 49, 341.