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unendlichen Raum, durch den unzählige Lichtmeere dahin- rollen, und in dem unser Planet ein geringfügiges Etwas ist, das jedes Menschenleben im gewaltigen Reich der Unendlichkeit er- drückt, sondern es fühlt sich als sehr wesentlichen, besser haupt- sächlichen Bestand seiner näheren Umgebung. Der Begriff des Unendlichen fehlt dem naiven Himmelsbeobachter; der Blick zeigt ihm ein großes kuppelartiges Dach, das rings auf der Erde aufsteht und völlig das Erdenleben einschließt. Das bedeutet ursprünglich unser Wort Himmel;¹) auch in dem griechischen und römischen Volke war diese Vorstellung seit alters mit dem Himmel verbunden; 0oνòꝓς gehört zu dem indischen varena und hat den Sinn von Umhüllung, Bedeckung,?) und in dem lateinischen Wort caelum sahen die alten Erklärer) caelatum versteckt, es war also für sie der Himmel eine feste Masse, aus der die Sterne kunstvoll herausgearbeitet waren. Im Sanscrit bedeutet das Wort für Himmel soviel wie Stein— Felsenwand.⁴) An sich lehrt ja die Betrachtung dieses Gewölbes, daß es aus durchsichtigem Material, etwa Glas oder Kristall, bestehen müßte. Regen, Blitz und Donner, sowie der Fall von Meteorsteinen rufen unwillkürlich eine Erweiterung des Himmelsbildes in ganz be- stimmten Bahnen hervor, je nachdem das Material des himm- lischen Daches als Stein, Bronze, Eisen oder Diamant, Glas oder Kristall oder feste Azurbläue gedacht wird. Von Bronze denkt ihn sich der Grieche, so schildert ihn Homer Odyssee III 2 und Ilias V 504, XVII 425, Pindar Pyth. X 27; VI 4, ebenso Theognis v. 860. Was diese Idee hervorgerufen hat, erkennen wir am besten aus dem Salmoneusmythus; dort dünkt sich der über- mütige König dem Donnergotte gleich, läßt sich eine Brücke aus Bronze bauen und fährt mit seinem Streitwagen darüber; so will er den Donnerhall nachmachen, den Blitz sendet er herab, indem er Fackeln schleudert. Wie hier der Klang des Donners durch das Darüberfahren mit dem schweren Wagen erzielt wird, so entsteht nach dem naiven Glauben der Griechen der wirk- liche Donner dadurch, daß Zeus über das eherne Himmels- gewölbe fährt. Auch Herodot spielt auf diese altgriechische Himmelsvorstellung des festen Gewölbes an, denn sie müssen wir voraussetzen bei der Geschichte von den Libyern; diese führten die griechischen Kolonisten zur Quelle Apollos mit der
¹) von ham= decken, also= Decke oder Dach der Erde, näheres bei Grimm Deutsches Wörterbuch s. v.
2) H. Schrader, Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde, Straßburg 1901 S. 370.
³) Varro de lingua latina V 18 men. 420, Plin. 2, 8. 4) Schrader a. O. 3


