Die Lokalkommission hat vom 5. Dezember 1844 an bis 15. Mai 1868, also fast 24 Jahre lang einen entscheidenden Einfluss in allen wichtigen Angelegenheiten der hiesigen Realschule aus- geübt. Sicherlich war diese Einrichtung aus den wohlwollendsten Absichten getroffen worden, und gewiss konnte ein einmütiges Zusammengehen der Realschuldirektion mit den Verwaltungsbehörden der Stadt und des Kreises von recht guter Wirkung sein; auch waren die anderweitigen Bedingungen für eine erspriessliche Wirksamkeit in den Persönlichkeiten, die der Kommission angehörten, stets gegeben. Jedoch musste der Widerspruch in der Bestimmung, dass die Lokalkommission zwar keine vorgesetzte Behörde sein solle, aber doch berechtigt sei, die Leistungen der Schüler und sogar der Lehrer einer amtlichen Kritik zu unterziehen, Kompetenzkonflikte und: unerquickliche Verhandlungen zur unausbleiblichen Folge haben. Das Recht, die technische Seite des Unterrichts einer höheren Lehranstalt sowie die Leistungen an derselben massgebend zu beurteilen, kann nur dem Direktor und selbstredend der obersten Schulbehörde zustehen, nicht aber einer Kommission übertragen wer- den, in der der Direktor nicht einmal den Vorsitz führt und selbst in Fragen von rein fachmänni- scher Bedeutung durch das Zusammengehen der beiden anderen Kommissionsmitglieder leicht majo- risiert werden kann, während er doch allein nach allen Seiten hin als der verantwortliche Teil er- scheint.
Als im Sommerhalbjahr 1867 die Anstalt eine über den seitherigen Rahmen der alten, vier- klassigen Realschule hinausgehende Organisation erhalten hatte, und die Zuschüsse aus Staatsmitteln reichlicher flossen, wurde die Lokalkommission durch Ministerialverfügung vom 15. Mai 1868„mit Rücksicht auf die nunmehr bewirkte Erweiterung und den veränderten Charakter der Realschule zu Alzey als den jetzigen Verhältnissen nicht mehr entsprechend“ aufgehoben. Zugleich wurde dem Vorsitzenden der Kommission sowie den übrigen Mitgliedern wegen ihres bisher bethätigten Eifers in Wahrung der Interessen der Anstalt die Anerkennung des Ministeriums des Innern aus- gesprochen. Die letzten Mitglieder waren die Herren Kreisrat Wolf als Vorsitzender, Realschul- direktor Dr. Becker, Bürgermeister Stock.
Im Schuljahre 1848/49 verringerte sich der Schülerbestand merklich; auch befanden sich die Finanzen der Stadt in einer durch die allgemeinen Zeitverhältnisse verursachten gedrückten Lage. Der Gemeinderat beantragte daher in seiner Sitzung vom 4. November Ersparnisse bei ein- zelnen Posten des städtischen Budgets. Er meinte irrtümlich, die Anstalt sei in ein Progymnasium umgewandelt worden, das jedoch nur sehr wenige Schüler entlasse. Man könne daher durch Auf- hebung des Progymnasiums eine Lehrkraft sparen. Über diesen Antrag äusserte sich der Grossh. Oberschulrat am 16. März 1849 dahin, dass der Staatsbeitrag von 600 Gulden für eine höhere Bil- dungs- und Realschule bewilligt worden sei. Die Staatsregierung sei daher nicht in der Lage, die- sen Beitrag weiter leisten zu lassen, wenn die Anstalt aufhöre, das zu sein, was sie nach ihrer ur- sprünglichen Bestimmung sein sollte, nämlich auch Vorbereitungsanstalt für höhere Studien. Hier- durch sei jedoch keineswegs ausgeschlossen, diese Vorbereitung für höhere Studien in mässige Grenzen einzuschliessen und auf diese Weise einige Ersparnisse zu machen.
Ein Erlass des Ministeriums an Grossh. Oberstudiendirektion vom Jahre 1855, in welchem für die nächste Zeit eine Abmahnung von dem Universitätsstudium an alle diejenigen erging, die später einen Anspruch auf Staatsanstellung zu machen beabsichtigten, veranlasste einen abermaligen Angriff auf das Progymnasium. Der Stadtvorstand richtete an Grossh. Kreisamt Alzey das Gesuch, es möge diese Behörde bei dem Grossh. Ministerium den Antrag stellen,„dass bei der Realschule zu Alzey die humanistische Abteilung als entbehrlich aufgehoben, und die dabei überflüssig werden- den Lehrer. baldigst bei passender Gelegenheit anderwärts verwendet werden möchten.“ Zur Be- gründung dieses Antrags wurde bemerkt, die realistische Bildung sei Hauptzweck der Anstalt, die humanistische Seite sei nur nebenbei berücksichtigt worden. Es hätten in der obersten Klasse je-


