Druckschrift 
1 (1891) 1841 - 1866
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

Um die Anstalt nicht dauernd den Unannehmlichkeiten gemieteter Schulräume auszusetzen und ihr eine sichere Unterkunft zu bieten, beschloss der Stadtrat die Errichtung eines Neubaus. Zunächst veranlasste die Platzfrage die lebhafteste Erörterung. Von seiten des Stadtrates kam die in städtischem Besitze befindliche, sogenannte grosse Bleiche als Bauplatz in Vorschlag. Diese Wahl

erklärten die Herren Kreisrat Müller und Kreisbaumeister Gladbach auch Bürgermeister Peerrot war dagegen für durchaus unglücklich, da das Gebäude nicht an eine Hauptstrasse zu stehen

komme, sondern in eine Gegend, die erst noch durch Ankanf zweier Privathäuser zugänglich gemacht werden müsse und erst nach Verlauf einer langen Reihe von Jahren einer Strasse ähnlich sehen werde. Kreisbaumeister Gladbach schlug daher vor, einen Teil der Bleiche zu verkaufen und mit dem erlösten Gelde einen Bauplatz an der Dautenheimer Strasse anzukaufen. Dieser Platz gestatte eine beliebige Ausdehnung nach dem Dautenheimer Weg hin, habe von allen Seiten Zugänge und biete die Möglichkeit dar, das neue Gebäude mit einer Hauptfronte nach Süden zu stellen und ihm dadurch die gerade Richtung auf zwei in der Nähe zusammentreffende Strassen, nämlich auf die Wormser Strasse und die sogenannte Kaiserstrasse zu geben. Eine mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Adresse Alzeyer Bürger an den Stadtvorstand schlug einen Platz am sogenannten Mainzer Thore vor, damit auch dieser Stadtteil die so sehr notwendige Verschönerung erhalte, und auch den dortigen Bewohnern einige Vorteile zugewiesen würden. Auch vom Ankauf und Umbau der soge- nannten Schweizerei sowie des Langschen, heute Mattyschen Hauses in der Löwengasse war die Rede. Schliesslich trug nach etwa halbjährigen Verhandlungen die Meinung des Stadtrates den Sieg davon, und der auf der grossen Bleiche in Aussicht genommene Platz fand am 13. November 1841 die kreisamtliche Genehmigung. Damit nun eine direkte Verbindung der Realschule mit einer Strasse der Stadt ermöglicht werde, wurde das dem Maurermeister Herrn Simon Kolb gehörige, in der Käfig- gasse gelegene Wohnhaus angekauft und abgebrochen.

Unseres Erachtens hat der Stadtvorstand in der Wahl des Bauplatzes einen durchaus glück- lichen Griff gethan, da die Thätigkeit der Schule durch den in mehreren lebhaften Strassen herr- schenden Verkehr empfindlich gestört worden wäre.

Im Frühjahr 1842 wurden die Erdarbeiten begonnen und die Ausführung des Gebäudes nach den Plänen des Grossh. Kreisbaumeisters Gladbach in Angriff genommen. Das Erdgeschoss sollte die Bibliothek, ein Zimmer für Apparate sowie eine Wohnung für den Direktor, der obere Stock 4 Lehrzimmer enthalten. Ausserdem wollte man dem Hause noch einen Kniestock geben und in diesem den Zeichensaal sowie eine Wohnung für den Pedellen anlegen. Obwohl die Grossh. Ober- bandirektion darauf hinwies, dass der Zeichensaal im Winter zu kalt und im Sommer zu heiss werden dürfte, und dass eine im Kniestock angebrachte Pedellenwohnung aus nahe liegenden Gründen eben- falls unthinlich erscheine, so blieben dennoch diese Bedenken unberücksichtigt.

Nach Aufführung des Rohbaus stellte sich heraus, dass Zeichensaal und Pedellenwohnung unbrauchbar waren. Eine nähere Aufklärung über dieses Vorkommnis wird in den Akten nicht ge- geben.: Der Gemeinderat beschliesst nun mit Genehmigung der Oberbaubehörde vom 3. Oktober 1842 nach den Plänen des neu ernannten Kreisbaumeisters Rhumbler einen dritten Stock auf die Realschule zu bauen, wenn dieser dritte Stock im Laufe des Jahres 1842 noch fertig gestellt werden könne. Diesem neuen Plane gegenüber erklärte das Grossh. Kreisamt, es sei zweckdienlicher, einen Seitenbau mit: der Fronte nach der Bleichstrasse zu errichten, da der vorgerückten Jahreszeit wegen der dritte Stock nicht mehr in Angriff genommen werden könne, und andererseits die dringende Notwendigkeit vorliege, das neue Gebäude schleunigst zu vollenden und zu beziehen. Der Stadt- vorstand nimmt daraufhin die Aufführung eines Neubaus in Aussicht, dessen Kosten auf 4800 Gulden veranschlagt wurden, und lässt das fast vollendete zweistöckige Schulgebäude einstweilen fertig stellen, damit es vor dem am letzten Juni 1843 eintretenden Ablaufen der Miete noch bezogen werden könne.