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halten und lasse sich erst dann aufstellen, wenn man die Zahl der neu eintretenden' Schüler sowie den Stand ihrer’ Kenntnisse genau: übersehe' und auch darüber: im‘ klaren sei, ‚wieviele Schüler den realistischen, und; wieviele‘ den humanistischen Bildungsgang ‚einzuschlagen. sich ‚bereit erklärten. Bezüglich der nötigen Lehrkräfte wird ‚bemerkt, dass zunächst zwei Hauptlehrer für ausreichend er- achtet würden, von. denen der. erste auch zugleich die Leitung der Schule übernehmen werde. Der zweite evangelische Geistliche und der katholische Kaplan könnten. ausser dem. Religionsunterrichte notwendigen Falls auch noch einige andere Lehrgegenstände übernehmen. a komme noch ein Zeichenlehrer, ein Schreiblehrer und ein Gesanglehrer zur Verwendung.. Für Zeichnen,. Schreiben und Gesang seien geeignete, in Alzey ansässige Persönlichkeiten auszuwählen und der Behörde nam- haft zu machen. Zugleich sei vom Stadtrate die Miete oder Herrichtung geeigneter Räumlichkeiten in Erwägung zu ziehen.
Aus dieser Verfügung ist als besonders wichtig hervorzuheben, dass. die Schule vom ersten Tage ihres Bestehens an eine zweifache Aufgabe zu lösen hatte._Neben der realistischen Seite des Unterrichts hatte sie ihrer. doppelten Tendenz entsprechend auch die humanistische Bildung zu be- rücksichtigen und etwa ein Fünftel ihrer Schüler für das Gymnasium vorzubereiten. Wenn es auch zweifellos ist, dass durch diese Einrichtung den Elternkreisen ein nicht zu unterschätzender Vorteil stets erwachsen ist und noch heute erwächst, so hat andererseits schon der erste Leiter der Schule, . Herr. Direktor Dr. Winterstein, die mit der Lösung dieser. doppelten Aufgabe verbundenen Sehwierig- keiten wohl erkannt. Er äussert sich darüber in dem ersten ‚Jahresbericht vom ‚Jahre 1843:„Die Verbindung des Humanismus und Realismus in unserer Schule erforderte eine ganz. besondere Ein- richtung resp. Verteilung der Lehrgegenstände in den verschiedenen Klassen, und dies möge bei Be- urteilung der Anstalt nach den verschiedenen Seiten ihrer Wirksamkeit als Gesichtspunkt dienen. Freilich bietet es uns keine geringe pädagogische Schwierigkeit dar, so schön auch die desfallsigen Pläne auf dem Papier sich ausnehmen mögen, solche heterogene Tendenzen im Unterrichte und in der Erziehung innig zu vereinigen und auch wieder, wo es nötig ist, naturgemäss zu trennen. Die Realschule soll denjenigen, welche höhere Gewerbe erlernen oder technische Beamte, Architekten und andere Künstler werden wollen, die den gesteigerten Anforderungen unserer Zeit möglichst ent- sprechende Schulbildung geben, während das Gymnasium seine Schüler als Theologen, Mediziner, Juristen und Philologen in ethischer und intellektueller Hinsicht für die Universität vorzubereiten hat.“ Dieses offene Urteil über die mit der Erreichung des doppelten Zieles verbundenen Sch wierig- keiten hat für die heutige Zeit eine noch umfassendere Geltung. Die ältere, unerweiterte Realschule hatte bis zum Sommer 1867 nur 4 Klassen. Heute zählt die Realschule 6 und die mit ihr verbun- dene Vorschule 2 Klassen. Auf diese 6 Klassen der Realschule und auf die oberste Klasse der Vor- schule sind 7 Progymnasialklassen, die den 7 Gymnasialklassen von Sexta bis Obersekunda ein- schliesslich entsprechen, in der Weise aufzusetzen, dass von 71 altphilologischen Stunden etwa 50 mit anderen Unterrichtsgegenständen zusammengelegt, und etwa 21 ausserhalb der Unterrichtszeit der entsprechenden Realistenklassen angesetzt werden: müssen.
Aus der Verfügung des Grossh. Oberschulrats vom 22. Januar 1840 ist aber auch. weiter ersichtlich, dass die neue Anstalt den wohl etwas auffallenden und fremdklingenden Namen.„Höhere Bildungs- und Realschule“ anfänglich führte. Es sollte durch diese Benennung ihre: Doppeleinrich- tung bezeichnet werden. Bereits im Budget des Jahres 2844 ist die obige Benennung umgeän dert in „Real- und höhere Bildungsschule.“ Diese, wie es scheint, stillschweigend eingeführte Änderung drückte die Bestimmung der Schule insofern. richtiger aus, als das Progymnasium ‚auf realistischer Grundlage sich aufbauen und gegenüber der Realschule nicht den ersten, sondern ‚den. zweiten Platz. einnehmen sollte. Die Doppelbenennung fand jedoch keinen rechten Anklang; die Schule wurde von der Be- völkerung der: Stadt und der Umgegend wie auch. noch ‚heute kurzweg„Realschule“ genannt. Diese


