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1 (1891) 1841 - 1866
Entstehung
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schule wacker festgehalten, bis durch eine weitgehendere Unterstützung aus Staatsmitteln eine Ent- lastung' herbeigeführt wurde.

In Alzey hatte schon unter kurpfälzischer Regierung ein sogenanntes Rektorat, das heisst eine lateinische Schule bestanden, deren Kosten die Staatsregierung bestritt. Sie war aber während oder nach den Kriegswirren der Zeiten Napoleons I. eingegangen. Es ist anzunehmen, dass nach dem Verfall dieser Schule das Bedürfnis nach einem über die Volksschule hinausgehenden Unterrichte, so güt es eben ging, durch Privatinstitute befriedigt wurde. Erwähnt wird unterm 9. Juni 1838 in einem Berichte des Grossh. Kreisrats Müller an Grossh. Ministerium des Innern und der Justiz, die Gründung einer höheren Lehranstalt in Alzey betreffend, dass seit einigen Jahren neben der Volks- schule eine von dem evangelischen Pfarramtskandidaten Lauckhard*) gegründete höhere Lehranstalt in Alzey bestehe.Mit Lauckhard vereinigten sich dann der an der Volksschule angestellte Lehrer Dr. Ennemoser"und der Pfarrvikar Kaiser, der im nahe gelegenen Kettenheim stand, zur Gründung eines Progymnasiums.' Da es jedoch der neuen Schule an einer einheitlichen Leitung fehlte, und die an ihr unterrichtenden drei Lehrer durch anderweitige Berufsgeschäfte an der regelmässigen Erteilung des von ihnen übernommenen Unterrichts häufig verhindert wurden, so war sie nur von ungefähr 18 bis 20 Knaben besucht und drohte ganz und gar einzugehen, als eine Versetzung der beiden Pfarramtskandidaten in Aussicht stand.

Immer dringender machte sich das Bedürfnis nach einer höheren Lehranstalt von öffentlichein Charakter und von selbständiger Stellung geltend. Auch sah man klar ein, dass in der Bewohner- schaft von Alzey, in den vielen dort ansässigen Beamtenfamilien und in der Bevölkerung der nahe gelegenen Gemeinden die Bedingungen zur gedeihlichen Entwickelung einer höheren Schule gegeben seien. Auf Veranlassung des Grossh. Kreisrats Müller kam die Angelegenheit auch im Stadtrate zur Sprache. Man bewilligte zur Errichtung einer öffentlichen höheren Lehranstalt einen jährlichen Zuschuss von 600 Gulden und beschloss, der höchsten Staatsbehörde die Bitte um Errichtung einer Realschule zu unterbreiten, in der zugleich die alten Sprachen gelehrt werden möchten. Gelegentlich wurde der Hoffnung auf einen Staatszuschuss Erwähnung gethan. Auch die Elternkreise der Stadt blieben nicht unthätig."Ein grosser Teil der Bewohner von Alzey verlieh seinen Wünschen durch Einreichen eines Gesuchs bei Grossh. Oberschulrate in Darmstadt Ausdruck. Daraufhin gab diese Behörde am 5. Dezember 1838 ein Gutachten über die allgemeine Organisation der gewünschten Schule. Sie schlug unter anderem zwei Klassen für Schüler von 10 bis 12 und 12 bis 14 ‚Jahren vor, bemerkte jedoch, dass sie durch höchste Verfügung ausdrücklich beauftragt sei, die Eröffnung zu machen, dass auf einen Zuschuss aus Staatsmitteln nicht gerechnet werden könne. Ausser der Stellung des Schullokals und ausser den Kosten für Schulgeräte, Heizung und Beleuchtung sei die Summe von ungefähr 1650 Gulden jährlich aus städtischen Mitteln aufzubringen. Soviel über die Verhandlungen des Jahres 1838. Sie hatten den gewünschten Erfolg nicht herbeizuführen vermocht.

Ein neuer Weg wurde jetzt eingeschlagen. Der Bürgermeister der Stadt Alzey, Landtags- abgeordneter Peerrot, stellte bei der zweiten Kammer der Stände den Antrag, der neu zu gründen- den Schule einenjährlichen'Staatszuschuss von 1000 Gulden zu bewilligen. Die weiteren Kosten sowie die Stellung eines Schulgebäudes werde die Stadt Alzey. übernehmen.

Ehe dieser Antrag in der Kammer beraten wurde, unterzog der Stadtrat die Schulfrage einer nochmaligen Erörterung. Er fasste in einer Art Vorberatung mit überwiegender Stimmenmehrheit den vorläufigen Beschluss, dass die Stadt die ganze Dotation der neu zu gründenden Schule über-

*) Karl Friedrich Lauckhard, ein, geborener Alzeyer, namhafter Schulmann und pädagogischer Schriftsteller, wurde 1847 Lehrer und Hilfsprediger in Darmstadt, 1855 Schulrat und vortragender Rat im Staatsministerium zu Weimst: starb als Oberschulrat daselbst im April 1876.(Lexikon der Pädagogik von F. Sander,$. 326.)